Sonntag der Seefahrt: v.l. Leiter der Seemannsdiakon Martin Struwe, Superintendentin Kerstin Tiemann, Pastorin Martina Weber, Student Tammo Vielhaber sowie Rudolf "Rudi" Rothe, ehrenamtlich bei der Seemannsmission tätig und ehemaliger Schulleiter der Seefahrtschule Cuxhaven. Foto: Domke-Feiner
Sonntag der Seefahrt: v.l. Leiter der Seemannsdiakon Martin Struwe, Superintendentin Kerstin Tiemann, Pastorin Martina Weber, Student Tammo Vielhaber sowie Rudolf "Rudi" Rothe, ehrenamtlich bei der Seemannsmission tätig und ehemaliger Schulleiter der Seefahrtschule Cuxhaven. Foto: Domke-Feiner
Zum 32. Mal

Der "Sonntag der Seefahrt" in Cuxhaven rührt die Besucher des Gottesdienstes

03.03.2025

Die St. Petri Kirche in Cuxhaven wurde zum maritimen Ort der Andacht, als Seemannsmission und Seefahrtschule die Herausforderungen und Sehnsüchte der Seefahrer in den Mittelpunkt rückten. Spannende Einblicke warteten auf die Besucher.

Wenn die Schiffsglocke aus glänzendem Messing samt massivem Holzgestell vor den Treppen des Altarbereichs der St. Petri Kirche Cuxhaven steht, dann ist klar welcher Themengottesdienst ansteht. "Diese Glocke holen wir einmal im Jahr heraus, anlässlich des Sonntags der Seefahrt", erklärt die Gemeindepastorin Martina Weber. Gemeinsam mit der Seemannsmission Cuxhaven hatte sie am Sonntag in die St. Petri Kirche zu diesem Gottesdienst eingeladen, der ganz im Zeichender Seefahrer stand.

Eine stattliche Anzahl von Besuchern war dieser Einladung gefolgt. Der maritime Gedanke war bis zu den Kirchliedern umgesetzt worden. So erbat die Gemeinde nach der Begrüßung durch den Leiter der Semmannsmission Cuxhaven Martin Struwe singend "den Segen und Schutz bei der Fahrt auf Wasserwegen". Begleitet wurden die Kirchenlieder durch den Organisten Jürgen Sonnentheil.

Gänzlich maritim wurde es dann durch den Shanty-Chor Cuxhaven. Unter der Leitung von Udo Brozio erfüllte der aufgrund von Erkrankungen dezimierte Männerchor dennoch die Kirche mit vollem Klang. Die zum Teil sehr alten Seemannslieder transportierten die Themen "Heimweh, Fernweh und Gefahren auf dem Meer".

Wie präsent diese Themen auch heute noch sind und welche Herausforderungen hinzugekommen sind, verdeutlichte Tammo Vielhaber in seinem Votum - einem Kurzbericht aus seinen Erfahrungen zu See. Der 25jährige Student der Seefahrtschule Cuxhaven erreichte die Zuhörer mit seiner Beschreibung seiner Erlebnisse. Neben seinen persönlichen Erfahrungen - Vielhaber verbrachte vier Monate auf See - hat Vielhaber als Bewohner der Seemannsmission und seine dortige ehrenamtliche Hilfe einige Erfahrungen sammeln können. Das Dilemma zwischen dem monatelangem Wegsein von zuhause - dem Vermissen von familiärenund freundschaftlichen Kontakten - sowie der Liebe zu dem Beruf des Seefahrers- wurde in seiner Erzählung greifbar.

Vielhaber war dabei als sein philippinischer Kollege den zweiten Geburtstag der Tochter nur am Handy durch "einen fünf Zoll großen Bildschirm erleben konnte". Das weckte Fragen bei dem jungen Mann, die sich wohl nie ganz lösen lassen werden. Neben diesem psychischen Dilemma, machte Vielhaber auch auf ein physisches Problem aufmerksam: Die Langzeitmüdigkeit - auch Fatigue genannt - sie führt zuverminderter Leistungsfähigkeit, einem eingeschränkten Konzentrationsvermögen und erhöhe somit die Gefahr von Seeunfällen. Die Arbeit auf kleinen Schiffen mit kurzer Hafenfolge stelle dabei den menschlichen Körper vor besondere Herausforderungen. Die Unterbringung der Kollegen, Schlafmangel sowie einschlechter Lebensstil seien weitere Verstärker für diese Erkrankung.

Umso wichtiger sei es, dass die Seefahrer in ihrer Freizeit neue Energie tanken können. Vielhaber bedankte sich bei der Seemannsmission. "Sie setzen sich für diejenigen ein, die nicht mal eben über das Wochenende nach Hause fahren können.

Im Anschluss wurde den Seefahrern gedacht, die im vergangenen Jahr in Ausübung ihres Berufs ums Leben gekommen sind. Martin Struwe und Rudi Rothenannten dabei exemplarisch Seefahrer aus der ganzen Welt. Die Ursachenreichten von Unwettern, über Piraterie bis hin zu Kriegsgeschehen. Nach der Predigt von Superintendentin Kerstin Tiemann gab es noch die Gelegenheit, sich bei einem Kaffee auszutauschen. Dieses Angebot nahmen viele Besucher an. Der "Sonntag der Seefahrt", der zum 32. Mal durchgeführt wurde, bot einen authentischen Einblick in die Welt der Seefahrer.

Von Myriam Domke-Feiner

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