Thema Sucht: Diese Cuxhavenerin steht für Aufklärung statt Abschreckung
Das Thema Sucht - um welche Form es sich auch immer handelt - war und ist im Landkreis Cuxhaven präsent. Deshalb ist es besonders wichtig, früh mit der Aufklärung zu beginnen. Und genau dafür besucht Lisa-Marie Klowat Schulen im gesamten Cuxland.
Vielen dürften Lisa-Marie Klowat bereits durch ihre Auftritte als Poetry-Slammerin bekannt sein. Das Slammen (also das Vortragen literarischer und selbstverfasster Texte) vor großem Publikum hat sie mittlerweile hinter sich gelassen. Trotzdem steht sie regelmäßig vor vielen Menschen und hat ihnen noch immer etwas zu sagen. Allerdings hat sich der Inhalt im Laufe der Jahre geändert. Denn jetzt steht sie vor Schulklassen im gesamten Landkreis und klärt über Süchte auf.
In der 28-jährigen Cuxhavenerin schlummerte schon immer der Wunsch, anderen zu helfen: "Mich haben schon immer die Schattenseiten der Psyche interessiert und ich habe mich gefragt, wo die herkommen." Erste Einblicke in die Welt der Psychologie hat sie während ihres Abiturs der Sozialpädagogik an den Berufsbildenden Schulen Cuxhaven bekommen. Nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst im Haus der Jugend startete sie dann ihr Bachelor-Studium der Psychologie. Nach ihrem Abschluss folgten weitere berufliche Stationen im Corona-Krisenstab des Landkreises und beim Jugendamt. Zeitgleich begann ihr Masterstudium, das sie voraussichtlich Ende des Jahres beenden wird.
Suchtwissen musste sie sich aneignen
Im August 2023 ergab sich dann für Lisa-Marie Klowat die Möglichkeit, einen neuen Job anzufangen. Als Sozialarbeiterin bei der Cuxhavener Beratungsstelle für Sucht, Suchtprävention und psychologische Beratung übernahm sie ein Aufgabenfeld, das sie in diesem Umfang zuvor nicht kannte. "Ich kannte bis dahin nur einige Inhalte aus dem Studium und von meinem Praktikum in der Psychiatrie in Debstedt." Doch schnell hat sich die 28-Jährige eingearbeitet, übernahm Beratungen von Drogenabhängigen und leistete Präventionsarbeit in Schulen. "Wie man mit Menschen spricht, habe ich ja während meines Studiums gelernt. Ich musste mir nur das Suchtwissen aneignen."
"Fake-CBD-Liquid" ist Thema Nummer eins in Schulen
Und genau das gibt sie auch an andere weiter: nämlich an Schülerinnen und Schüler sämtlicher Schulformen im gesamten Landkreis Cuxhaven. 90 Minuten lang klärt sie über Süchte wie Alkohol-, Drogen oder auch Mediensucht auf. "Mir ist dabei besonders wichtig, eine Bindung zu den Schülern aufzubauen. Ich kläre faktisch auf, was bei einer Sucht passiert und welche Risiken es gibt. Ich möchte nicht abschrecken, das funktioniert sowieso nicht."
Aktuell seien bei den Jugendlichen sogenannte "Fake-CBD-Liquids" ein Thema. Also illegale, künstliche Cannabinoide, die mittels E-Zigaretten konsumiert werden und für einen kurzen Rausch sorgen. "Und keiner weiß, was wirklich drinsteckt. Dieses Liquid stellt gerade eins der größten Probleme dar." Hier sei es wichtig, aufzuklären - und das macht der Cuxhavenerin riesigen Spaß. "Es ist schön, zu sehen, wie sich Schüler öffnen und sich mir anvertrauen. Und ich erreiche diejenigen, die sich schon im Konsum befinden und den Weg zu uns finden." Damit auch Schulen eigene Präventionsarbeit leisten können, stellt Lisa-Marie Klowat zukünftig den dortigen Sozialarbeitern den neuen "grünen Koffer" zur Verfügung. Er beinhaltet kinder- und jugendgerechtes Arbeitsmaterial zur Aufklärung.
Jeder ist in der Beratungsstelle willkommen
Und obwohl sich die Cuxhavenerin in ihrem Arbeitsalltag überwiegend mit negativ behafteten Inhalten beschäftigt, kann sie dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen: "Die Arbeit ist total spannend. Es macht Spaß, dabei zuzugucken, wie die Klienten sich verändern und die Arbeit Früchte trägt." Generell sei es wichtig, dass jeder in der Beratungsstelle willkommen ist. Keiner müsse sich schämen und niemand würde zu etwas gezwungen werden.
Lisa-Marie Klowat ist es übrigens auch wichtig, nach der Arbeit einen Ausgleich zu haben. "Manchmal sind es wirklich dramatische Geschichten, die ich zu hören bekomme. Manchmal bin ich erschrocken und es nimmt mich emotional mit. Aber meistens schließe ich damit ab, wenn ich die Tür nach der Arbeit schließe und mir selbst etwas Gutes tue."
Dazu gehört für die Pflanzenliebhaberin zum Beispiel der morgendliche Gang durch ihren kleinen privaten "Dschungel" oder der sportliche Ausgleich beim Karate-Training zwei Mal pro Woche. Und auch ihre künstliche Ader will sie nach einer etwas längeren Pause wieder mehr aufleben lassen: "Die Kreativität ist während des Bachelor-Studiums etwas flöten gegangen, aber jetzt möchte ich wieder mehr Künstlerisches machen."
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