Cuxhaven-Ticket: Wie 60 Cent die Stadtkasse entlasten könnten
Ein lebhaft debattiertes Ticket, eine umstrittene Finanzierung und eine unerwartete Lösung: In Cuxhaven könnte der Gästebeitrag für Touristen bald mehr als nur eine Kurkarte bieten. Doch wie wirkt sich das auf die Stadtkasse aus?
Selten war ein Tagesordnungspunkt so gut vorbereitet und selten endete eine Ausschusssitzung so einmütig wie dieser Dienstagabend im Sitzungssaal Penzance im Rathaus. Das Cuxhaven-Ticket, über Wochen lebhaft debattiert und in seiner Finanzierung hartnäckig umstritten, hat die entscheidende Hürde genommen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität, Bau und Demografie hat die Verwaltung beauftragt, bis zur Ratssitzung am 30. Juni eine abschließende Beschlussvorlage vorzubereiten.
Und diesmal liegt nicht nur ein Ja zum Ticket auf dem Tisch, sondern ein konkreter Gedanke zur Gegenfinanzierung. 800.000 Euro kommunale Mittel soll das CuxhavenTicket ab 2028 jährlich kosten. Hinzu kommen 200.000 Euro Landesmittel, sodass die Gesamtkosten auf eine Million Euro im Jahr steigen. Zahlen, die in der letzten Sitzung noch manchen Kommunalpolitiker aufhorchen ließen. Diesmal aber stellte Kämmerer Marcus Itjen eine Rechnung vor, die neuen Spielraum eröffnet.
Stadtbaurat Andreas Eickmann warb im Ausschuss eindringlich für das Ticket und betonte dessen Bedeutung für den Alltag der Cuxhavener: "Wir wollen dieses als tägliche Option betrachten, um damit zur Arbeit, zur Schule oder wie auch immer zu kommen. Auch zur Schule, deshalb, weil nicht jeder Schüler Anspruch auf die Schülerbeförderung hat.” Eickmann appellierte an die Ausschussmitglieder: "Die letzten Jahre, die wir das gemacht haben, waren erfolgreich. Ich bin überzeugt, dass wir auch in den weiteren Jahren mit dem gedeckelten Betrag es schaffen werden, den Cuxhavenern ein interessantes Angebot zur Verfügung zu stellen.”
Kurkarten-Besitzer würden kostenlos Bus fahren
Die Idee zur Gegenfinanzierung: Wer als Tourist in Cuxhaven übernachtet, zahlt bereits heute einen Gästebeitrag. Künftig könnte dieser Beitrag dazu genutzt werden, Urlaubern die Nutzung des gesamten Stadtbusnetzes kostenlos zu ermöglichen. 60 Cent mehr pro Gast und Übernachtung würden dafür rechnerisch genügen, so die überschlägige Kalkulation der Kämmerei. Sollte so verfahren werden und der Rat der Stadt abschließend grünes Licht für das Cuxhaven-Ticket geben, haben die Touristiker ein weiteres gutes Argument für die Kurkarte. "In Cuxhaven können Gäste mit der Kurkarte Bus fahren, und zwar umsonst."
Aus den Fraktionen kam breite Zustimmung. Cord Wichmann von der SPD erklärte: "Das Netz ist noch längst nicht ausgelastet. Je mehr Menschen das Ticket künftig nutzen, desto erfolgreicher wird es." Auch Lars Mickeleit von der FDP äußerte sich positiv: "Das ist eine tolle Aktion, die muss fortgeführt werden.”
Konkrete Daten von der KVG angefordert
Zugleich mahnten mehrere Ausschussmitglieder, endlich belastbare Daten von der KVG einzufordern. "Wir wollen wirklich wissen, welche Linie wie genutzt wird. Wir haben zwei, drei Hauptlinien, die sind super voll, und wir haben viele andere, wo viele Plätze frei sind”, erklärte Lars Birner von der CDU. Michael Stobbe (SPD) ergänzte: "Die KVG muss uns mal sagen, wie viele Tickets verkauft wurden. Wir möchten endlich die konkreten Zahlen haben. Das ist heute aus technischer Sicht kein Hexenwerk mehr.”
350.000 Euro jährliches Einsparpotenzial sieht die Verwaltung beim Landkreis: Weil das Cuxhaven-Ticket günstiger ist als das bislang erstattete Deutschlandticket, spart der Kreis bei der Schülerbeförderung. Eine Beteiligung des Landkreises an den Kosten wird derzeit geprüft. Kämmerer Itjen machte deutlich, warum die Datengrundlage so entscheidend ist: Nur wenn klar ist, welcher Anteil der Busfahrten auf Gäste entfällt, kann berechnet werden, was der Gästebeitrag übernehmen kann und was die Stadt selbst schultern muss. Dabei wies er auch auf eine wichtige rechtliche Rahmenbedingung hin: Eine Einbeziehung in den Gästebeitrag sei nur möglich, wenn Gäste den ÖPNV insgesamt kostenlos nutzen könnten, nicht allein das Cuxhaven-Ticket.
Der Rat entscheidet am 30. Juni
Der Gast würde dann mit seiner Gästekarte als Nachweis in den Bus steigen, ohne an der KVG überhaupt noch eine Fahrkarte zu erwerben. Fünf Jahre werden die neuen Liniengenehmigungen laufen, die Verkehrsunternehmen ab Juli bei der Landesnahverkehrsgesellschaft beantragen können. Damit sie ihre Angebote kalkulieren können, brauchen sie jetzt ein klares Signal aus dem Rathaus. Der Ausschussvorsitzende Enak Ferlemann fasste die Lage präzise zusammen: "Wie viel sollen die für das Cuxhaven-Ticket bekommen und woher wollen wir das bezahlen? Diese beiden Fragen müssen wir bis 30. Juni beantworten. Darum geht es.” Der Ausschuss hat die Weichen gestellt, mehrheitlich bei einer Enthaltung. Am 30. Juni entscheidet der Rat der Stadt.
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