Die 100-Jährige Mathilde Winkelmann mit ihrer Schwiegertochter Elisabeth Rautschka und Tochter Corinna Winkelmann. Foto: Werder
Die 100-Jährige Mathilde Winkelmann mit ihrer Schwiegertochter Elisabeth Rautschka und Tochter Corinna Winkelmann. Foto: Werder
100 Jahre Lebenserfahrung

"Die tollste Erfindung war die Waschmaschine": Cuxhavenerin feiert 100. Geburtstag

von Märthe Werder | 26.03.2026

Mathilde Winkelmann feiert ihren 100. Geburtstag in Cuxhaven und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Ihre Jugend ist vom Krieg geprägt, der ihr auch einen Wunsch verwehrte. Ihr Leben sei in 15 Minuten erzählt, zumindest behauptet sie das.

"Mein Leben? Das dauert doch nur 15 Minuten, dann ist alles erzählt", sagt Mathilde Winkelmann. Sie wurde 1926 in Elmlohe geboren und feiert heute (Donnerstag, 26. März 2026) ihren 100. Geburtstag.

Von einem Rollator gestützt, kommt sie in den Gemeinschaftsraum. Auf die Frage, ob sie noch fit sei, antwortet sie: "Hier oben im Kopf vielleicht, aber die Beine wollen nicht mehr." Seit Dezember 2019 lebt Mathilde Winkelmann in einer betreuten Wohneinrichtung der Johanniter in Cuxhaven.

Der Krieg beeinflusste ihre Jugend

Aufgewachsen ist sie in Elmlohe auf einem kleinen Bauernhof, den ihre Mutter geerbt hatte. "Da waren wir Kinder auch mit eingespannt." Mathilde war das vierte von fünf Kindern. "Auf meinen jüngeren Bruder musste ich dann aufpassen und ihn erziehen", erinnert sie sich. Acht Jahre lang ging sie zur Schule, einen Beruf konnte sie wegen des Krieges nicht erlernen - stattdessen half sie auf dem Hof. "Meine Mutter war auf meine Hilfe angewiesen. Meine zwei älteren Brüder waren im Krieg."

1947 kam Werner Winkelmann gemeinsam mit ihrem Bruder aus der Gefangenschaft. Bei der gemeinsamen Arbeit auf dem Hof lernten sich die beiden näher kennen. Im Oktober 1948 heirateten sie. Fünf Jahre später zog das Ehepaar nach Wuppertal, wo Mathilde in einer Wäscherei und später als Näherin arbeiten konnte. 1959 kam die gemeinsame Tochter Corinna zur Welt. Drei Jahre lang lebte die Familie ab 1965 dann in Hasbergen bei Osnabrück - Mathilde war dort jedoch unglücklich. "Ich fühlte mich wie eingesperrt." Sie selbst konnte kein Auto fahren, lebte am Ortsrand und für das Fahrrad waren die meisten Wege zu weit. Daher ging es für die Familie nach Oberursel bei Frankfurt am Main. Dort arbeitete sie in der Küche einer Versicherung, die ihr einen Freiflug nach Amerika ermöglichte. Mit 50 Jahren reiste sie nach New York und besuchte ihren Onkel. In Oberursel lebte sie 50 Jahre lang.

Nach 66 Jahren Ehe verstarb 2015 ihr Mann Werner: Zum ersten Mal benutzte sie daraufhin die EC-Karte, ein Handy und einen Computer. "Wir haben immer gesagt, der Mann macht die Papiere. Wenn man sich selbst nicht darum kümmert, steht man auf einmal ganz schön doof da."

Ihre Leidenschaft: Karten spielen

Jeden Donnerstag spielt Mathilde bei den Johannitern Karten. "Eine Leidenschaft muss man ja haben." Ihr Mann brachte ihr das Spielen bei. "Ich habe schon immer zugeguckt, wenn mein Vater Karten gespielt hat", erinnert sie sich. Früher hat sie gerne gestickt und andere Handarbeiten ausgeführt. Einen noch unerfüllten Traum hat sie nicht mehr. "Ich bin einfach froh, dass es mir noch so gut geht." Sie erinnert sich noch an vieles aus ihrem Leben. Manchmal braucht sie einen kleinen Anstoß ihrer Schwiegertochter - dann beginnt sie zu erzählen. 

Ihren 100. Geburtstag feiert Mathilde Winkelmann gleich viermal. Zu diesem Anlass kommen auch Bekannte aus Oberursel nach Cuxhaven. "Da freue ich mich schon drauf, aber die bleiben nicht lange."

Als ihre Tochter 2019 nach Cuxhaven zog, wollte auch die 100-Jährige wieder in den Norden. Der Rest der Familie lebt ebenfalls in Elmlohe und Bad Bederkesa. "Deshalb ist es mir auch nicht so schwer gefallen, hier hoch zu ziehen." Das Wichtigste im Leben der 100-Jährigen? "Das Wichtigste sitzt da", sagt sie und zeigt auf ihre Tochter.

Entwicklung des Telefons und der Waschmaschine

In den letzten 100 Jahren hat sich viel verändert. Die wichtigste Entwicklung für Mathilde war das Telefon. Sie erinnert sich noch daran, dass ihr Mann alleine mit dem Auto nach Oberursel gefahren ist. "Da habe ich Angst gehabt. Damals gab es ja noch keine Autobahnen." Er rief unten bei der Nachbarin an, um Bescheid zu sagen, dass er gut angekommen war. Die Eheleute selbst hatten zu der Zeit noch kein eigenes Telefon. Auch eine andere Erfindung gefällt Mathilde besonders gut: "Ich glaube, die tollste Erfindung war die Waschmaschine. Wenn man früher gewaschen hat, ach du lieber Gott."

Es gibt nur eine Sache, die sie gerne verändern würde in ihrem Leben: "Ich hätte gerne einen Beruf gehabt." In welcher Branche, könne sie jetzt nicht mehr sagen - auf jeden Fall aber nicht auf einem Bauernhof. "Deshalb wollte ich auch keinen Bauern heiraten", gibt sie lachend zu.

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mwerder@no-spamcuxonline.de

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