Ehemalige berichten: So war das Leben in der früheren Altenwalder Kaserne (mit Video)
Bevor ein neues Kapitel Cuxhavener Bundeswehrgeschichte aufgeschlagen wird, soll an frühere Zeiten erinnert werden: Unser Aufruf an Ehemalige der Altenwalder Kaserne hatte Erfolg: Am Dienstag trafen wir zwölf von ihnen in unseren Redaktionsräumen.
Der Aufruf in unserer Heiligabend-Ausgabe blieb nicht unbemerkt: Diverse Ehemalige der Altenwalder Kaserne haben sich bereit erklärt, unsere Redaktion zu unterstützen, von damals zu erzählen, Materialien und Chroniken zur Verfügung zu stellen und mit uns Fotos und Lagepläne zu deuten. Eine Einladung in unsere Redaktionsräume bot am Dienstag die Gelegenheit zu einer ersten Standortbestimmung.
Hintergrund unserer Bitte um Unterstützung ist die in der Zwischenzeit sogar noch konkreter gewordene Diskussion um die Reaktivierung der früheren Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne. Vor einem neuen Kapitel soll ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden. Obwohl der Kasernenbetrieb das Leben in Altenwalde jahrzehntelang bestimmt hat, gibt es keinen zentralen Ort, an dem Erinnerungen daran zusammengeführt werden.
Vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Kommandeur
Die bereitliegenden Zeitungsartikel, Luftbilder und Karten hätte es gar nicht gebraucht, um das Gespräch zwischen den zwölf Männern anzuschieben, die sich am Dienstag in unserem Konferenzraum einfanden: Bernd Köpcke, Reiner Blohm, Uwe Weiberg, Horst Trübner, Franz-Josef Lüken (früher Alfers), Falk Milde, Günter Weber, Albert Scholz, Eckard Thome, Christian Hofmann, Jürgen Aedtner und Klaus Krüger (hier nach der Sitzordnung und nicht nach Dienstgrad oder Einheit geordnet) bildeten die Runde - vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Bataillonskommandeur.
Bis zu 2000 Soldaten
Man könnte auch sagen: geballtes Wissen aus allen Phasen des Kasernenbetriebs, das als erstes beim Blick auf den Kasernenplan gefordert war. Unterkünfte, Werkstätten, Sporthallen, mehrere Fahrschulen, Kantinen, Verwaltungsgebäude und einiges mehr verteilten sich auf dem rund 75 Hektar großen Gelände. Im Panzerbataillon 74, dem Panzergrenadierbataillon 73 (früher 71), dem Flugabwehrraketenbataillon 37 und der Panzerjägerkompanie 70 waren zeitweilig bis zu 2000 Soldaten in Altenwalde stationiert.
Der älteste Kasernenteil ("oberer Bereich") ist der erste nach der Hauptwache. Die gelben Klinkerbauten waren ab Juli 1963 Quartier des Panzerbataillons 74, das am 1. April 1959 in Seedorf aufgestellt worden war. Im Jahr 1966 löste der Kampfpanzer Leopard 1 die M48-Panzer aus amerikanischer Produktion ab.

In der Einschätzung über den heutigen Zustand waren sich die Anwesenden einig: Hier helfe nur noch der Abriss. Es war ein Kuriosum, dass noch zu Zeiten aktiven Bundeswehrbetriebs in diesem Bereich eine Kita (DRK-Kita Kiefernhorst) betrieben wurde und mehrere Cuxhavener Schulen hierhin ausgelagert wurden.
Das Panzergrenadierbataillon 71 (später 73) wurde am 1. April 1959 in Barme bei Dörverden aufgestellt, befand sich ab Juni 1959 in Seedorf und wurde ebenfalls im Juli 1963 nach Altenwalde verlegt, wo es 1971 mit dem Schützenpanzer "Marder" ausgestattet wurde. 1980 erfolgte die Umbenennung in "Panzergrenadierbataillon 73".
Bei der Frage, wie sich die Bevölkerung mit dem Kasernenbetrieb identifizierte und umgekehrt, gaben sich die Anwesenden am Dienstag keinen verklärten Erinnerungen hin: Der Kontakt mit Altenwalde und den Patengemeinden im ganzen Landkreis sei gut, aber nicht nur ungetrübt gewesen, was in Altenwalde vor allem mit dem Truppenübungsplatz zusammenhing. Albert Scholz, Dienststellenleiter bis zur Auflösung des Truppenübungsplatzes im Jahr 2003, erinnert sich an manche zähe Auseinandersetzung mit Anwohnern. Was er nicht vergessen wissen will: Die Vielfalt der Natur, die heute bei Spaziergängen durch die Küstenheiden bewundert werde, sei ein Ergebnis der langjährigen militärischen Nutzung.
Herzliches Verhältnis zu den Patengemeinden
Feierliche Gelöbnisse brachten Militär und Zivilbevölkerung regelmäßig zusammen; ebenso wird das Verhältnis zu den ländlichen Patengemeinden als überaus herzlich beschrieben. Das galt auch für die erst mit dem Panzergrenadierbataillon 73 und später zwischen dem Stab des Panzerbataillons 74 und dem Ortsteil Altenwalde geschlossene Patenschaft.
Argumente zählten nicht mehr
Ortsbürgermeister Wolfgang Geiger (SPD) war ehrlich erschüttert, als sich nach der Wende die schrittweise Abwicklung des Standorts abzeichnete. Auch das Argument des Katastrophenschutzes war nicht stark genug, um das zu verhindern. Die Erinnerung an die Hilfe der Soldaten bei Sturmfluten und in der Schneekatastrophe ist bis heute mit dem Standort Altenwalde verbunden.
Soweit nur allererste Schlaglichter aus dem Auftakttreffen, in dem militärische Aufgaben, Übungsbetrieb, Wehrpflichtige oder Wohnortsuche nur einige der weiteren Themen waren. Die Aufarbeitung erfolgt erst jetzt, verbunden mit Studium von Chroniken und Zeitungsartikeln, Foto-Suche und Vertiefung in kleinen Runden.