Perspektiven für Kaserne in Cuxhaven-Altenwalde: Bald wieder 2000 Soldaten?
Die mögliche Reaktivierung der Kaserne Altenwalde sorgt für Aufsehen: 2000 Soldaten könnten zurückkehren. Doch was bedeutet das für die Cuxhavener Küstenheiden und den Fliegerhorst Nordholz? Die Entscheidungen sind noch nicht gefallen.
Nur die offizielle Bestätigung fehlt noch: Altenwalde scheint fester Bestandteil der Bundeswehr-Planungen zu sein. Die Aussagen des Oberbürgermeisters Uwe Santjer zur Reaktivierung des Standorts beim Neujahrsempfang waren konkreter denn je. Santjer nannte Zahlen und Daten: Die Rede ist von bis zu 2000 Soldaten - zivile Beschäftigte noch nicht mitgerechnet.
Ausdrücklich zählt zum ins Auge gefassten Nutzungskonzept auch die Geländeausbildung, wohl schon ab dem Jahr 2028. Trotz der bereits so greifbaren Eckdaten ist eine offizielle Entscheidung immer noch nicht getroffen: Hiermit rechnet Uwe Santjer weiterhin im ersten Quartal dieses Jahres. Im benachbarten Bundeswehrstandort Nordholz soll allerdings bereits rege über die Aussichten für Altenwalde diskutiert werden und Anwohner berichten, dass das Altenwalder Kasernengelände regelmäßig von Militärs aufgesucht werde.

Wahrscheinlich bedeutsam für den benachbarten Fliegerhorst
Seit bekannt wurde, dass das Verteidigungsministerium alle noch nicht verkauften ehemaligen Standorte auf eine Reaktivierung prüft und Altenwalde zu den besonders geeigneten Kandidaten zählt, steht Santjer in Kontakt zu den zuständigen Stellen. Dabei sei das Interesse an der einstigen Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne stetig gestiegen, berichtet er - trotz der zu erwartenden erheblichen Kosten für den Wiederaufbau. Ein starkes Argument sei die Nähe zum Marinefliegerhorst in Nordholz. Außerdem erfülle der Standort die Bedürfnisse der wieder wachsenden Bundeswehr und der Wiederaufnahme des Grundwehrdienstes.

Zugriff auf Küstenheiden ist wahrscheinlich
1700 bis 2000 Soldatinnen und Soldaten plus zahlreiche Angehörige weiterer Berufsgruppen: "Das wird etwas mit dem Ort machen", prophezeit Uwe Santjer. Gleichzeitig erwartet er Eingriffe in die Cuxhavener Küstenheiden, die einst ein Truppenübungsplatz von überregionalem Rang waren und erst nach dem Rückzug der Bundeswehr Naturschutz- und Naherholungsgebiet wurden. Dass sich die Bundeswehr den Zugriff auf das gesamte Gelände zurückholt, glaubt Santjer nicht; auf jeden Fall werde die Stadt alles dafür tun, das Beste für eine weitere zivile Nutzung im Interesse der Einheimischen und des Tourismus herauszuholen.

Rat hat einzigartiges Signal gesetzt
Mit seiner einstimmig gefassten Resolution vom Dezember, in der er eine Reaktivierung befürwortete, dürfte der Rat die Stadt in eine gute Verhandlungsposition gebracht haben. Denn ein solches Signal soll bislang wohl aus keiner einzigen deutschen Stadt gesandt worden sein, so Santjer. Die Unterstützung aus Cuxhaven werde als einzigartig wahrgenommen und das sichere die Chancen, das dortige Geschehen mitbestimmen zu können.

Bau des Feuerwehrgerätehauses soll gesichert sein
Wegen seiner Randlage war das Areal nach dem Rückzug der Bundeswehr nie für eine Wohnbebauung ins Auge gefasst worden. Ohne ziviles Nachnutzungskonzept sah sich die Stadt nicht zu einem Kauf in der Lage. Immerhin gelang es, einen der beiden Sportplätze zu kaufen und sich das Grundstück für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses zu sichern. Dessen Bau sieht Santjer auch unter den neuen Vorzeichen als gesichert an. Dass die sich abzeichnende Entwicklung auch Fragen und Ängste erzeuge, sei nachvollziehbar. Sobald mehr konkrete Erkenntnisse vorlägen, solle es daher eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung geben.

Im übrigen geht der OB davon aus, dass die Effekte einer neuen Bundeswehrpräsenz weit über die Grenzen Altenwaldes hinausreichen werden - unter Umständen bis in den Cuxhavener Hafen, wo es notwendig sein könnte, über kurz oder lang ein bis zwei Liegeplätze für militärische Zwecke zur Verfügung zu stellen.
Grahmann: "Transparenz ist unerlässlich"
Ortsbürgermeister Ingo Grahmann (SPD) begrüßte den Vorstoß des Oberbürgermeisters beim Neujahrsempfang. Ein Thema derartigen Ausmaßes benötige größtmögliche Transparenz. Bei allen positiven Effekten, etwa für die lokale Wirtschaft, und den unbestrittenen Zwang, die Landesverteidigung zu stärken, seien auch Hindernisse zu erwarten, eines davon: noch mehr Verkehr im Ort. Entschärft werden könne dies durch eine kluge Planung neuer Wohngebiete, sagt er mit Blick beispielsweise auf Grundstücksreserven an der Marinebahn. Eine Ortsumgehung sieht er unter heutigen Gegebenheiten als kaum realisierbar an.

Zur Kaserne Altenwalde sieht Ingo Grahmann vor allem wegen der Nähe zu Nordholz weit und breit keine Alternative, denn der Fliegerhorst habe keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr. Unterbringungsmöglichkeiten für Wehrpflichtige etwa sollen dort schon lange nicht mehr existieren. Sollte sich der Schwerpunkt als Marine-Ausbildungsstandort konkretisieren, sieht der Ortsbürgermeister die Aussicht, dass nach der Reaktivierung wieder Panzer durch den Altenwalder Forst rollen, gen Null an. Die seien auch für eine Grundausbildung nicht erforderlich.