Die Redner des Neujahrsempfangs der CDU-Mittelstandsvereinigung: Im Schloss Ritzebüttel sprachen am Sonntag (v. l.) der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Seebeck, sein Kollege im Deutschen Bundestag, Christoph Frauenpreiß, der Europaabgeordnete David McAllister, der MIT-Kreisvorsitzende Dirk Timmermann (Gastgeber) und der CDU-Kreis- und Bezirksvorsitzende Enak Ferlemann. Foto: Koppe
Die Redner des Neujahrsempfangs der CDU-Mittelstandsvereinigung: Im Schloss Ritzebüttel sprachen am Sonntag (v. l.) der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Seebeck, sein Kollege im Deutschen Bundestag, Christoph Frauenpreiß, der Europaabgeordnete David McAllister, der MIT-Kreisvorsitzende Dirk Timmermann (Gastgeber) und der CDU-Kreis- und Bezirksvorsitzende Enak Ferlemann. Foto: Koppe
Neujahrsempfang

CDU-Mittelstand in Cuxhaven: Warum 2026 als Jahr der Entscheidung gilt

von Kai Koppe | 04.01.2026

Eine Herausforderung und ein "Jahr der Entscheidung": So wurden die bevorstehenden zwölf Monate auf dem traditionellen Neujahrsempfang der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) beschrieben.

Bei der Veranstaltung im Cuxhavener Schloss Ritzebüttel begrüßte der MIT-Kreisvorsitzende Dirk Timmermann am Sonntag zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und öffentlichem Leben. Als Hauptredner sprach der Europaabgeordnete David McAllister.

In seiner Betrachtung ließ McAllister seinen Blick weit über die Grenzen des Cuxland hinaus schweifen. Ein Bonmot zur im laufenden Jahr anstehenden Fußball-WM bildete nur ein Vehikel, um auf die schwierige globale Großwetterlage und insbesondere auf die Veränderungen innerhalb des transatlantischen Bündnisses hinzuweisen. "Was würde uns Adenauer heutzutage raten?", fragte McAllister in Erinnerung an eine CDU-Gründerfigur und an einen Wegbereiter der europäischen Idee, der am heutigen Montag 150 Jahre alt geworden wäre. 

McAllister: "Die Welt wird gefährlicher"

Von einem Paradigmenwechsel, wie es ihn zuletzt vielleicht den Jahren 1989/90 gegeben habe, sprach der Europaabgeordnete sinngemäß; McAllister nannte in diesem Zusammenhang den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Chinas wachsenden Einfluss und den Rückzug der USA aus der gewohnten Sicherheitsarchitektur. "Die Welt wird gefährlicher", konstatierte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament. Investitionen in ein europäisches Sicherheitskonzept seien deshalb überfällig. Auch innerhalb der NATO müsse Europa mehr Verantwortung tragen: "Im Zweifelsfall müssen wir uns ohne Unterstützung der USA verteidigen können."

McAllister liegt daran, die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedsländer zu stärken. Mit dem Blick nach innen gelte es dabei auch, das Regelwerk des gemeinsamen Bündnisses auf den Prüfstand zu stellen. Als erster Kontinent klimaneutral zu sein, bilde ein wichtiges Ziel. Der "Green Deal" müsse jedoch praxisnah umgesetzt werden. Beim Thema Migrationspolitik erinnerte McAllister an den Bedarf an ausländischen Fachkräften und sprach sich gleichzeitig für Europas humanitäre Verantwortung aus. "Die ungezügelte Migration nach Europa muss aber beendet werden", betonte der Vizepräsident der aus bürgerlich-konservativen Parteien gebildeten EVP. Regionale Akzente setzte er in seiner Rede mit der Zusage, sich weiter für den Erhalt des LEADER-Förderprogramms einzusetzen. Und: Die Rückkehr Großbritanniens zum "Erasmus-plus"-Programm sei eine "gute Nachricht, auch für die Schulen im Cuxland".

Land entscheidet über Gartenschau-Bewerbung

Was 2026 für die Stadt bedeutet, legte nachfolgend der CDU-Kreis- und Bezirksvorsitzende Enak Ferlemann dar. Ferlemann sprach von Expansionsbestrebungen der Firma Siemens und von der Notwendigkeit, einen Standortwettbewerb  in dieser Frage für Cuxhaven zu entscheiden. Er verwies ferner auf die wachsende Bedeutung des Marinefliegerkommandos und die Reaktivierung des Bundeswehrstützpunktes Altenwalde. Auch der Zivilflughafen Nordholz entwickle sich positiv, betonte der Christdemokrat und verwies auf  Pläne für ein Industriegebiet ringsum. Zu einem Jahr der Entscheidung wird 2026 aus Ferlemanns Sicht aber auch durch die im Februar anstehende Vergabe der Landesgartenschau. "Wir sind die einzigen Bewerber", sagte er mit Blick auf von CDU-Seite vorangetriebene Bemühungen, das Event 2034 an die Elbmündung zu holen. 

Zur Situation vor Ort verlor auch der Gastgeber des Empfangs ein paar Worte: Dirk Timmermann, der die Veranstaltung eröffnet und dabei allen Anwesenden Glück für das eben angebrochene Jahr 2026 gewünscht hatte, hob die Bedeutung privatwirtschaftlichen Engagements, unter anderem für den "Lückenschluss" im Bereich Hafenbau hervor. Umso unverständlicher ist aus seiner Sicht, dass die Stimme der heimischen Wirtschaft in anderen Zusammenhängen wenig Berücksichtigung findet. Explizit sprach der MIT-Kreisvorsitzende dabei Pläne für die Deichstraße und die Altenwalder Chaussee an. Auf letztgenannter solle der Verkehr "entschleunigt" werden, obwohl die derzeitige Straßenbreite mit Rücksicht auf örtliche Betriebe und den Pendlerverkehr unbedingt erforderlich sei. Ferner werde man den Eindruck nicht los, dass der Tourismus vor Ort mitunter eher als Belastung denn als unverzichtbares Wirtschaftsstandbein betrachtet werde, monierte Timmermann unter dem Stichwort Bettensteuer.

Landrat Thorsten Krüger bemühte  sich, den Fokus auf die vielen Dinge zu lenken, die gut laufen in der Region. Er wünschte sich für 2026 eine Rückkehr zu einem stärker von Fakten geleiteten Denken. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß zeigte sich zuversichtlich, dass das  auf Bundesebene geschmiedete Regierungsbündnis aus Union und SPD sich im laufenden Jahr von einer Arbeits- zu einer echten Reformkoalition wandeln werde. Als Gewinn wertete er den seit wenigen Tagen geltenden reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Speisen in der Gastronomie oder die Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung. Landtagsabgeordneter Claus Seebeck kritisierte, dass die rot-grüne Landesregierung Mittel aus einem Sondervermögen des Bundes "komplett verplant" habe, anstatt die Kommunen das Geld dort einsetzen zu lassen, wo sie es brauchen. 

David McAllister, Europaabgeordneter und Vizepräsident der EVP, sprach im Schloss Ritzebüttel zum Thema "Die EU vor neuen Herausforderungen in 2026". Foto: Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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