Ende des Altenwalder Schützenvereins knapp vor dem 100. Geburtstag
"Eigentlich ist dies ein trauriger Tag für Altenwalde", stellte Werner Demuth vergangene Woche bei einem ganz besonderen Treffen im DRK-Heim am Königshof fest: "Ein Stück Geschichte geht."
Denn dieser Besuch besiegelte das Ende des Schützenvereins Altenwalde. 1. Vorsitzender Helmut Kämmerer und Schatzmeister Dr. Holger Franckenstein übergaben - wie in den Statuten verankert - das Restvermögen des Vereins an den DRK-Ortsverein Altenwalde.
1. Vorsitzender gibt sich keinen Illusionen hin
Der am 30. August 1924 gegründete Schützenverein verpasste so nur knapp seine 100-Jahr-Feier. Doch Helmut Kämmerer gab sich keinen Illusionen hin: Angesichts der stark gesunkenen Mitgliederzahl und der gleichzeitigen Überalterung habe es keine Zukunft mehr gegeben: "Zum Schluss waren wir noch 22 Leute, nur zwei von ihnen unter 60 Jahren."
Mit so einer kleinen Truppe sei der Verein weder in der Lage gewesen, an den Festen anderer Vereine teilzunehmen noch seine Vorstandsposten weiter zu besetzen. Angesichts dieser Aussichten hatte sich der Verein schon vor einigen Jahren von der Schützenhalle und dem Grundstück in Altenwalde-Nord, Ecke Altenwalder Heideweg, getrennt.
Nie wieder Florida-Pokal
Werner Demuth erinnerte an die Zeiten, in denen dort ausgiebig gefeiert wurde: Schützenfrühstück mit prominenten Gästen, Seniorennachmittag, Proklamation mit Kinder- und Kurgastkönigspaaren und der Verleihung des weit und breit einzigartigen Florida-Pokals. Diesen imposanten Wanderpreis hatte Auswanderer Günter Heitmann dem Schützenverein seines Heimatdorfs gespendet. Unzählige Male verlieh Besuch aus den USA den Proklamationen internationales Flair. Im Jahr 2004 konnte der spätere 1. Vorsitzende Helmut Kämmerer neben der Königswürde auch eben jenen Florida-Pokal gewinnen.
Delegationen in der Schützenhalle begrüßt
Als damaliger Ortsbürgermeister empfing Werner Demuth im Saal der Altenwalder Verwaltungsstelle große Schützendelegationen und würdigte dort insbesondere das Engagement der auch in sportlicher Hinsicht sehr erfolgreichen Damenabteilung für die Seniorenarbeit. "Die Schützenumzüge starteten damals noch sonntags um 8 Uhr und führten durch den ganzen Ort", erzählt er.
Aus der Gründungszeit des Schützenvereins
Erinnerungsstücke und Dokumente, Standarte und Chronik hat Helmut Kämmerer als Schenkung dem Stadtarchiv Cuxhaven übergeben. Nach dem Beginn mit 36 Mitgliedern im Jahr 1924 zählte der Verein im Jahr 1930 bereits 100 Aktive. Die Gründungsversammlung hatte Lehrer Karl Eggers im ehemaligen Altenwalder Hof (damals Gastwirt Karl Schröder) einberufen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Peter Blohm gewählt, 2. Vorsitzender wurde Karl Eggers.
Zweck des Vereins war es, die Kameradschaft und Brüderlichkeit unter den Mitgliedern sowie mit den benachbarten Schützenvereinen und sonstigen Schützen zu fördern. Den Mitgliedern wurde gestattet, sich eine eigene Büchse anzuschaffen. Mit Landwirt Heinrich Mangels schloss der Verein einen Pachtvertrag über das Grundstück im nördlichen Altenwalde ab.
Bau des Schießstands mit 385 Reichsmark
Angesichts der gerade erst überwundenen Inflation war das Geld zum Bau eines Schießstands knapp. Im Oktober 1924 einigten sich die Mitglieder darauf, Anteilscheine über je fünf Reichsmark auszugeben, die sie erwerben konnten. Es wurden 77 Anteilsscheine im Wert von 385 Reichsmark ausgegeben, von denen Baustoffe und Baumaterial gekauft wurden. Das Einweihungs- und Eröffnungsschießen fand am 28. Juni 1925 statt.
Erst 1949 wurden Schützenvereine nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zugelassen. Im Jahr 1950 gründete sich der DRK-Ortsverein Altenwalde. Dann muss es irgendwann eine Satzungsänderung gegeben haben, jedenfalls ist darin festgehalten, dass bei Vereinsauflösung das Vermögen dem DRK Altenwalde zu übergeben ist, das es ausschließlich für soziale und mildtätige Zwecke verwenden darf.
Für die Seniorenarbeit und andere soziale Zwecke
Genau das haben die 1. Vorsitzende Brigitte Hummel und der 2. Vorsitzende Werner Demuth mit dem Betrag von 5465 Euro vor, den ihnen Holger Franckenstein und Helmut Kämmerer übergaben. Das Geld solle der Seniorenarbeit - neben der Blutspende ist dies die wichtigste Aktivität des Ortsvereins - sowie weiteren sozialen Zwecken im Ort zugutekommen, versicherten sie.