VHS-Kino Cuxhaven: Acht Filme, die den Herbst verzaubern
Ein Herbst voller Fernweh und Geschichten: Das VHS-Kino Cuxhaven lockt mit einem Programm, das von literarischen Reisen bis zu tiefgründigen Lebensfragen reicht. Acht Filme, kuratiert von einer erfahrenen Cineastin, versprechen besondere Erlebnisse.
Der Wind frischt auf, die Strandkörbe rollen ins Winterlager, über dem Watt wird es früh dunkel. Der Herbst hat die Cux-Küste erreicht. Wer jetzt vom Deich kommt, sucht Wärme, Licht und gute Geschichten. All das bietet das VHS‑Kino. Cuxhavens kommunales Kino lädt immer mittwochs um 20 Uhr in das Bali-Kino-Center an der Holstenstraße 5 ein. Acht Filme stehen bis Anfang Dezember auf dem Spielplan. Ausgewählt hat sie Dorothea Kittlitz. Die Cineastin kuratiert das Programm seit mehr als zwei Jahrzehnten. Sie reist zu den Festivals und sieht viele Produktionen lange vor dem Bundesstart. Gerade war sie beim Filmfest Hamburg, in Kürze fährt sie zum Filmfest nach Lübeck.
Drei Reisen zum Auftakt
Den Anfang macht am 14. Oktober "Spaziergang nach Syrakus" von Lars Jessen. Charly Hübner spielt Paul Gompitz, der 1982 von Sizilien träumt. Der Rostocker will den Spuren des Dichters Johann Gottfried Seume folgen. Doch die DDR lässt ihn nicht ausreisen. Also plant Gompitz die Flucht, und zwar eine mit Rückkehr. Denn er will wieder heim an die Ostsee, zu seiner Frau Anne (Lina Beckmann). Jessen erzählt nach der Vorlage von Friedrich Christian Delius mit feinem Humor von Sehnsucht und Mut.
Am 21. Oktober folgt "Auf zwei Rädern". Der französische Filmemacher Mathias Mlekuz steigt mit seinem Freund Philippe und Hund Lucky aufs Fahrrad. Die Tour führt vom Atlantik bis ans Schwarze Meer. Es ist die Strecke, die sein verstorbener Sohn Youri Jahre zuvor gefahren ist. Aus der leisen Spurensuche wird ein heiteres Roadmovie, das den Verlust nicht verschweigt und doch das Leben feiert.

Am 28. Oktober rollt ein schwarzer Buick durch das zerfallene Deutschland des Kalten Krieges. In "Vaterland" kehrt Thomas Mann (Hanns Zischler) erstmals nach dem Krieg aus dem amerikanischen Exil zurück. Ihn begleitet seine Tochter Erika (Sandra Hüller), Schauspielerin, Autorin und Rallyefahrerin. Die Fahrt führt von Frankfurt nach Weimar. Pawel Pawlikowski drehte in strengem Schwarz-Weiß und gewann dafür in Cannes den Regiepreis.
Vom Abschied und vom Leben
Stiller wird es im November. "Das Sommerbuch" führt am 4. November auf eine kleine Insel im Finnischen Meerbusen. Dort lebt die kleine Sofia nach dem Tod ihrer Mutter bei der Großmutter. Glenn Close spielt die eigensinnige alte Frau in einer ihrer schönsten Rollen. Der Film nach dem Roman von Tove Jansson erzählt in leuchtenden Farben von Natur, Vergänglichkeit und Heilung.
Am 11. November zeigt das VHS-Kino "Ich sterbe. Kommst du?". Regisseur Benjamin Kramme begleitet Nadine, eine junge Mutter mit Krebs im Endstadium, ins Hospiz. Sie ringt mit dem Abschied von ihrem Sohn Dexter, findet in der lebenslustigen Marion eine Freundin und lernt, das Unausweichliche anzunehmen. Der Abend entsteht in Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe Cuxhaven.
Leichtere Kost serviert am 18. November die französische Komödie "Frühstück bei Audrey". Kunstrasenverkäufer Rémi (Vincent Macaigne) tröstet sich nach einer Trennung mit einer Puppe. Als Audrey zum Leben erwacht, beginnt der Ärger erst richtig. Sophie Beaulieu liefert ein freches, geistreiches Debüt.
Große Bücher, große Namen
Am 25. November heißt es "Alte Liebe". Der Titel klingt in Cuxhaven vertraut, gemeint ist aber nicht das Bollwerk am Hafen. Andreas Dresen verfilmt das gleichnamige Buch von Elke Heidenreich. Dagmar Manzel und Joachim Król spielen Lore und Harry, seit fast 40 Jahren verheiratet und selten einer Meinung. Als Tochter Gloria zum dritten Mal heiraten will, kommt Verdrängtes ans Licht.
Den Schlusspunkt setzt am 2. Dezember Volker Schlöndorff mit "Heimsuchung", Untertitel "Eine Jahrhundertgeschichte". Ein Haus an einem märkischen See wird zum Schauplatz deutscher Geschichte. Seine Bewohner erleben Weimarer Republik, Drittes Reich, Krieg, DDR und Wende. Sie alle suchen Heimat. Die Vorlage stammt von Jenny Erpenbeck, vor der Kamera stehen unter anderem Martina Gedeck, Lars Eidinger, Ulrich Matthes und Angela Winkler. Vier der acht Filme beruhen auf Büchern. Die Literaturverfilmung bildet damit einen Schwerpunkt des Semesters, neben dem Filmland Frankreich und dem neuen deutschen Kino. Der Herbst kann kommen.
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