Bewegen lassen müssen sich seine Modelle wie im Original: Michael Lamshöft mit einem Gottwald AMK 56-42 im Miniaturformat. Foto: Koppe
Bewegen lassen müssen sich seine Modelle wie im Original: Michael Lamshöft mit einem Gottwald AMK 56-42 im Miniaturformat. Foto: Koppe
Menschen unserer Stadt

Fasziniert von Gittermasten und Auslegern: Cuxhavens Herr der Krane

von Kai Koppe | 19.06.2026

Michael Lamshöft ist nicht nur ein wandelndes Lexikon in nahezu allen Kranfragen - er baut die Stahlkolosse selbst nach, auf Modellbaugröße geschrumpft, aber mit allen technischen Features.  

Das Vorbild dieses Turmdrehkrans hat Michael Lamshöft in Aktion erlebt: Als Kind, auf einer Baustelle an der Haydnstraße. Foto: Koppe

Von Kai Koppe

Cuxhaven. Beim Blick in die Runde wird klar: Es sind mehr, wesentlich mehr Krane, als ein Besucher erwarten würde. Da gibt es nicht nur einen gigantischen Turmdrehkran aus Lego, sondern unzählige Varianten in kleineren Größen. Viele davon hat Michael Lamshöft eigenhändig gebaut. Und während er mal hier, mal dort ein Modell aus dem Regal hebt, erzählt er zu jedem Exemplar eine Geschichte.

Der Kronschnabel-Kran beispielsweise: "Auf dem durfte ich mal mitfahren", erinnert sich der gelernte Tourismuskaufmann. Als Kind hatte er am Rande einer Baustelle gestanden und sich einfach nicht sattsehen können. Schließlich hatte der Kranfahrer Feierabend. Er nahm den Jungen ein Stück mit, um ihn am Rande des Musikerviertels abzusetzen.

Dort steht ein Reihenhaus, das vormals Lamshöfts Eltern gehörte; unter den Dachschrägen im Obergeschoss hat der 59-Jährige bis heute sein Reich. Ein richtiges Kran-"Mekka" ist dieser Raum: ein Platz, an dem die Modelle nicht nur ausgestellt sind, sondern entstehen. Ein neues Bauprojekt beginnt allerdings oft mit einem Außentermin - mit einer Inaugenscheinnahme des Originals.

Gittermasten entstehen Strebe für Strebe

"Ich betrachte den Kran", beschreibt Lamshöft seine Vorgehensweise. "Ich mache Fotos, lasse den Kran auf mich wirken." Eine Woche kann mit solchen Vorstudien vergehen. Anschließend vertieft er sich in Dokumentationen, überträgt technische Zeichnungen maßstabsgetreu ins Format 1:87. Das Baumaterial liegt zu diesem Zeitpunkt womöglich schon griffbereit neben dem Arbeitstisch: Alte Ablagefächer aus Polystyrol, aus denen vielleicht der Gittermast eines Turmdrehkrans entsteht. Nicht etwa am Stück, sondern tatsächlich Strebe für Strebe.

Eine Schablone verwende er, in die er Kunststoffstreifen einspannt und zuschneidet. Mit der Passform der Winkel nimmt es der Modellbauer genauso genau wiejene Konstrukteure, die an den gigantischen Vorbildern aus Stahl arbeiten. Aber könnte man nicht...? Lamshöft nickt, um einen Moment später den Kopf zu schütteln: 3D-Druck sei natürlich in aller Munde und habe in bestimmten Hobby-Bereichen bestimmt seine Berechtigung. Aber eine Form am Computer zeichnen, um dann abzuwarten, bis die Maschine die Arbeit erledigt - "ist das tatsächlich Modellbau"? Lieber zieht sich Lamshöft hinter eine kleine Feinschnitt-Kreissäge zurück, längt ab, klebt und entgratet. Und in ein bis zwei Monaten ist auf diese Weise vielleicht ein Chassis entstanden, versehen mit einem Drehteller und einem Ausleger, der sich wie bei den "großen Brüdern" ausfahren lässt.

Angesichts mehrerer halbfertiger Modelle auf der Tischplatte und zahlloser Familienfotos im Treppenaufgang stellt sich die Frage, wie Lamshöfts Lieben zu dessen Leidenschaft stehen. "Sie geht diesen Weg mit", sagt der Cuxhavener über seine aus Lüdingworth stammende Frau Gabi. Er weiß, dass er sich glücklich schätzen darf. Vor zehn Jahren haben die beiden geheiratet. Allein der Antrag wird für Michael Lamshöft unvergessen bleiben. Unter dem Vorwand, er solle doch gerne mal zu einer Probefahrt vorbeikommen, wurde Lamshöft auf das Empting-Gelände gelockt. Er sollte einen Stahlträger an den Haken nehmen, darunter entrollte sich ein Bettlaken - mit der Frage aller Fragen.

Nach dem Ja-Wort in die Kran-Schmiede

Gabi, deren Sohn aus erster Ehe mit dem Kran-Virus infiziert wurde (er arbeitet heute bei HTO-Krane in Cuxhaven), stand nun vor der Herausforderung, den Antrag zu toppen. Die Hochzeit sollte deshalb in Ehingen stattfinden, einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, Produktionsstandort des Kran-Marktführers Liebherr. Der Beharrlichkeit seiner Zukünftigen war es zu verdanken gewesen, dass dem Bräutigam am Festtag die Werkstore öffneten - ein Erlebnis, das Nicht-Kunden normalerweise verwehrt bleibt. Lamshöft bekommt heute noch Gänsehaut, wenn er an die Werksführung denkt - und das, obwohl der Touristiker, der im technischen Dienst bei der Nordseeheilbad GmbH arbeitet, in Sachen Krane ordentlich herumgekommen ist. Zwar habe sich sein Alltagsleben seit jeher überwiegend in Cuxhaven abgespielt, zieht Lamshöft Bilanz. Wenn Urlaub ansteht, kann es andererseits durchaus passieren, dass ein Kran, der einen näheren Blick lohnt, die Reiseroute des Paares beeinflusst.

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Kai Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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