Schlagersängerin Nena auf der Bühne - im nächsten Sommer kommt sie nach Cuxhaven. Foto: dpa/Woitas
Schlagersängerin Nena auf der Bühne - im nächsten Sommer kommt sie nach Cuxhaven. Foto: dpa/Woitas
Neues Event in Cuxhaven im Sommer

"Nicht in einem Boot": Nena-Auftritt bei "Coast in Concert" in Cuxhaven umstritten

von Wiebke Kramp | 02.12.2024

Oberbürgermeister Uwe Santjer verspricht sich vom neuen Festival-Format "Coast in Concert" "frischen Wind für Cuxhaven". Doch seit Bekanntwerden weht ihm auch Gegenwind entgegen. Grund dafür ist Pop-Ikone Nena (64). So geht der OB damit um.

Nena (64) kommt zum "Coast in Concert" nach Cuxhaven. Das gab die Stadt am Freitag bekannt. Seit Corona ist die Künstlerin allerdings nicht unumstritten. Die Sängerin ("99 Luftballons", "Irgendwie, irgendwo, irgendwann") war in der Corona-Zeit mit polarisierenden Aussagen negativ aufgefallen. Während der Pandemie zog sie die Schutzmaßnahmen der Regierung in Zweifel, nahm an einer Zeltparty mit Querdenkenden aus der Q-Anon-Szene teil, rief zu Demonstrationen auf oder animierte ihr Publikum bei einer Show in Berlin zum Zusammenrücken und dadurch zum Verstoß gegen das Hygienekonzept des Veranstalters. So richtig öffentlich losgesagt hat sie sich nicht von ihren Aktionen und Äußerungen. Sie spricht zwar in Interviews von Aufeinander zugehen und betont, dass ihr Weg der der Liebe sei. Doch wie eine ernsthafte Reflexion klingt das alles nicht.

Cuxhavens Oberbürgermeister erhält Hinweise von Skeptikern

Uwe Santjer hat nach Bekanntwerden des Festivalprogramms von Leuten Hinweise bekommen, die die Personalie Nena nicht so gut finden, eben weil sie sich in der Coronazeit so viel und kritisch geäußert habe - und zwar in einer Weise und einem Spektrum, die man so nicht wollte. Für diese Skepsis zeigt der Oberbürgermeister Verständnis. Andererseits aber verbinde er Nena auch mit der Musik seiner Jugend. Sie habe viele Jahre Hits für Deutschland geschrieben und künstlerisch hochkarätig. Und auch solche positiven Stimmen hätten ihn erreicht.

Mit diesem Plakat werben die Veranstalter für den Auftritt von Nena bei "Coast in Concert". Foto: Stadt Cuxhaven

Auf Nachfrage unseres Medienhauses sagte der OB: "Ich werde Nena hier nicht in Schutz nehmen. Zur Corona-Zeit wären sie und ich nicht in einem Boot gewesen. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass es gut ist, wenn Leute kritisch sind und es sagen." Das Festival möchte er nicht wegen dieser Personalie scheitern lassen. "Ich werde Nena als Musikerin in Cuxhaven begrüßen, ordentlich mit ihr umgehen und mit ihr Backstage sprechen." Die öffentlich-rechtlichen Sender - in der einschlägigen Querdenkerszene gern als Mainstream-Medien oder Staatsfunk bezeichnet - haben ihren Frieden mit der Sängerin gemacht, die ihre Karriere mit "99 Luftballons" vor 41 Jahren gleich international begann.

Gemeinsam holen sie die Musiker nach Cuxhaven: (v.l.n.r.) Marianne Hanke (Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH), Uwe Santjer (Stadt Cuxhaven), Anne Pfüller (Mewes Entertainment Group GmbH), Olaf Raffel (Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH), Jan Mewes (Mewes Entertainment Group GmbH) und Olaf Walter (Walter System GmbH). Foto: Stadt Cuxhaven

Auch Nico Santos und Ásdís bei "Coast in Concert" in Cuxhaven dabei

Deutlich, wenn so auch nicht direkt formuliert, wird im Gespräch mit dem Oberbürgermeister, dass die Stadt zwar als Mitveranstalterin fungiert, aber nicht Herrin des Verfahrens und der direkten Künstlerauswahl war. Santjer selbst scheint nicht so glücklich über die Wahl der Sängerin zu sein. Aber es gehe ihm in erster Linie um das Festivalformat: "Genau so etwas wollen und brauchen wir doch für Cuxhaven." So sei er froh über die Anfrage der Agentur gewesen. Mewes Entertainment und Walter System präsentieren es gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Sender NDR 2 und der Stadt. Neben Nena treten bei "Coast in Concert" der Singer-Songwriter Nico Santos und die isländischen Sängerin Ásdís auf. Versprochen wird am 20./21. Juni ein "Event für alle Generationen".

Auch Nico Santos wird bei "Coast in Concert" in Cuxhaven dabei sein. Foto: Britta Pedersen/dpa

Cuxhavens Oberbürgermeister: "Müssen miteinander Frieden schließen"

Der OB, von Haus aus Pädagoge, möchte ganz offensichtlich für Versöhnung stehen. Er appelliert ganz allgemein angesichts von gesellschaftlichen Spaltungstendenzen: "Wir müssen überprüfen, ob es richtig war, dass wir uns auch zu Hause in den Wohnstuben zerstritten haben, weil wir anderer Meinung waren. Die Frage ist, können wir nicht jetzt ordentlich miteinander umgehen? Es ist Zeit, dass man sich versöhnen muss. Am Ende müssen wir miteinander Frieden schließen und aufeinander zugehen."

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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