Ein spektakuläres Lichtermeer aus Feuerwerk und Lasershow erhellt Cuxhavens Strand beim „Sommerabend am Meer“, während die Debatte um Umweltschutz und Tradition im Stadtrat weitergeht. Foto: Potschka
Ein spektakuläres Lichtermeer aus Feuerwerk und Lasershow erhellt Cuxhavens Strand beim „Sommerabend am Meer“, während die Debatte um Umweltschutz und Tradition im Stadtrat weitergeht. Foto: Potschka
"Sommerabend am Meer" im Fokus

Feuerwerk oder Lasershow: Cuxhaven entscheidet über Sommertradition

von Jens Potschka | 06.07.2026

Cuxhavens Rat diskutierte über ein Feuerwerksverbot entlang des Wattenmeers. Während die Tradition auf dem Spiel steht, prallen Meinungen zwischen Umweltschutz und touristischen Interessen aufeinander. Was bedeutet das für die Zukunft?

Wenn im Sommer die Pyroshow über der Grimmershörnbucht aufsteigt, verwandelt sich Cuxhavens Strand für einen Abend in ein Lichtermeer. Der "Sommerabend am Meer" zieht seit Jahren Tausende an den Deich, Einheimische wie Urlauber. Genau diese Tradition stand auf der letzten Sitzung vor der Sommerpause im Rat der Stadt zur Debatte, als es unter Tagesordnungspunkt 30 um eine mögliche Feuerwerksverbotszone entlang des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer ging. Der Rat lehnte den Antrag ab. Die Diskussion zeigte dabei, wie unterschiedlich die Fraktionen das Spannungsfeld zwischen Tradition, Tourismus und Naturschutz bewerten.

Streit um Verbotszone entbrannt

Eingebracht hatte den Vorstoß die Ratsfraktion Die Cuxhavener: Eine 1000 Meter breite Zone entlang von Hafen und Nationalpark sollte künftig tabu für Feuerwerk sein. Peter Altenburg von der Wählergemeinschaft zeigte sich resigniert. Die Verwaltung habe zwar sauber vorgelegt, komme aber zu dem Schluss, dass das Sprengstoffgesetz eine Verbotszone nicht hergebe. Warum das in nordfriesischen und ostfriesischen Kommunen funktioniere, in Cuxhaven aber nicht, blieb aus seiner Sicht unbeantwortet.

Zugleich wunderte Altenburg sich, dass derselbe Rat kurz zuvor einstimmig dem sogenannten Sternfunkeln beigetreten war, einer Initiative, die unter anderem unnötige nächtliche Beleuchtung reduzieren will. Wer sich zu einem solchen Umweltbündnis bekenne, müsse konsequenterweise auch beim Feuerwerk nachdenken, so sein Vorwurf in Richtung der eigenen Kolleginnen und Kollegen.

Grüne fordern schärfere Regeln

Thorsten Larschow von den Grünen ging weiter. Der Antrag reiche ihm nicht aus, er hätte sich ein Verbot nicht nur am Nationalpark, sondern auch mitten in der Stadt gewünscht, zum Schutz von Anwohnern und Tieren. Besonders kritisierte er, dass rund um Silvester ohnehin kaum kontrolliert werde, tagelang vor und nach dem Jahreswechsel werde geböllert, ohne dass das Sprengstoffgesetz greife.

Der Antrag komme, anders als von Altenburg vermutet, nicht zu früh, sondern eher zu spät, hielt Larschow fest. Er verwies zudem auf eine zum Jahreswechsel 2025/2026 geplante zusätzliche Feuerwerksaktion beim Marktkauf, die er mit spürbarer Ironie als "zweites Silvester" bezeichnete. Diese wurde seinerzeit, wie unser Medienhaus berichtete, vom Marktkauf-Team abgesagt.

Stadtbaurat Andreas Eickmann verteidigte die Verwaltungsvorlage. Andere Kommunen hätten schlicht andere Voraussetzungen, etwa reetgedeckte Häuser oder Inseln, die tatsächlich im Nationalpark lägen. Eine rechtliche Beschränkung brauche eine gesetzliche Grundlage, die in Cuxhaven fehle, stellte er klar und erinnerte daran, dass die entsprechenden Vergleiche bereits im Umweltausschuss vorgetragen worden seien.

Ein funkelndes Spektakel erhellt den Nachthimmel über der Grimmershörnbucht: Der "Sommerabend am Meer" begeistert Cuxhaven trotz kontroverser Debatten um Feuerwerksverbote weiterhin mit seiner traditionellen Pyroshow. Foto: Potschka

Kurverwaltung sieht keinen Widerspruch

Für die Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH (NHC) berührt die Debatte den "Sommerabend am Meer” nicht. Pressesprecherin Katharina Ziersch verweist darauf, dass die Lasershow inzwischen mit einer professionell durchgeführten Pyroshow kombiniert werde, mit klar begrenztem Rahmen und deutlich anderer Wirkung als privates Silvesterfeuerwerk. Man habe das klassische Höhenfeuerwerk bereits weiterentwickelt, um Emissionen zu reduzieren, so Ziersch. Ein vollständiger Verzicht sei langfristig denkbar, aber nicht kurzfristig umsetzbar.

Zur Frage möglicher Auswirkungen auf Zugvögel und die Fauna des Wattenmeers verweist die NHC auf die zuständigen Naturschutzbehörden, unterstützt zugleich aber einen Umgang mit dem Naturraum, der Störungen so gering wie möglich hält. Eigene Schutzmaßnahmen rund um Silvester plant die Kurverwaltung derzeit nicht, da sie selbst keine Silvesterveranstaltungen mit Feuerwerk ausrichtet. Aus touristischer Sicht sieht die NHC durch eine mögliche künftige Verbotszone ohnehin keinen Effekt, weil das eigentliche Feuerwerksereignis der Stadt im Sommer und nicht zum Jahreswechsel stattfindet.

Der Tierschutzverein Cuxhaven "Eine Pfote, ein Versprechen" formuliert öffentlich einen Wunsch: Man würde sich freuen, wenn die Veranstaltung künftig ganz ohne Pyroshow auskäme und allein auf die Lasertechnik setze, zum Wohle von Tieren, Anwohnern und Natur. Der Verein lobt zugleich die bisherige Entwicklung der Veranstaltung und wertet die Kombination aus Laser und Pyrotechnik als Beleg dafür, dass die NHC offen für Neuerungen sei. Immer mehr Städte gingen bereits den Weg einer reinen Lasershow, heißt es in dem Aufruf. Moderne Technik könne beeindruckende Bilder an den Himmel zaubern, ganz ohne Lärm und Belastung für Mensch und Tier.

Der "Sommerabend am Meer” findet in diesem Jahr am 31. Juli/1. August wie gewohnt statt, mit Laser- und Pyroshow über der Grimmershörnbucht. Ob sich daran künftig etwas ändert, dürfte auch von Debatten wie dieser im Rat abhängen. Klar ist schon jetzt: Solange Tourismus, Tradition und Naturschutz in Cuxhaven aufeinandertreffen, wird das Thema Feuerwerk die Kommunalpolitik weiter beschäftigen.

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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