Standort von Maris Food in Cuxhaven: Der Gesellschafterstreit wirft Schatten auf die Zukunft der über 300 Beschäftigten. Gewerkschaft fordert klare Perspektiven. Foto: Lütt
Standort von Maris Food in Cuxhaven: Der Gesellschafterstreit wirft Schatten auf die Zukunft der über 300 Beschäftigten. Gewerkschaft fordert klare Perspektiven. Foto: Lütt
NGG fordert klares Bekenntnis

Gewerkschaft warnt vor Standortverlust: Was droht Maris Food?

von Jens Potschka | 09.07.2026

Die Zukunft von Maris Food in Cuxhaven steht auf der Kippe. Was bedeutet der Gesellschafterstreit für die über 300 Beschäftigten und warum spricht die NGG von einem "Streit um das Schäufelchen im Sandkasten"? Antworten liefert unser Artikel.

Die Zukunft von Maris Food in Cuxhaven steht auf der Kippe: Gesellschafterstreit gefährdet über 300 Arbeitsplätze bei der Traditionsmarke Appel. Foto: Lütt

Von Jens Jürgen Potschka

Cuxhaven. Seit Wochen beschäftigt der Streit um die Zukunft von Maris Food, besser bekannt unter der Traditionsmarke Appel, Cuxhaven. Die heristo AG ist als Gesellschafter vollständig ausgestiegen, drei verbliebene Eigentümer ringen vor dem Landgericht Köln um die Kontrolle über das Unternehmen. Geschäftsführer Christian Krüger, der Betriebsrat, Oberbürgermeister Uwe Santjer sowie Landes- und Bundespolitiker haben sich bereits geäußert. Nun bezieht auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Stellung.

Ihr Geschäftsführer Björn Bauer vertritt die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten bei Maris und nimmt gegenüber unserem Medienhaus kein Blatt vor den Mund. "Die fehlende Geschlossenheit der Gesellschafter ist das eigentliche Problem", sagt Björn Bauer und fügt hinzu: "Bei uns und den Beschäftigten kommt ein Bild der Uneinigkeit an." Das schaffe keine sicheren Arbeitsplätze und keine Standortsicherheit.

Die NGG unterstütze den Betriebsrat und die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Rechtsfragen, betont Bauer. Zuletzt habe man bei einer Betriebsversammlung die Gesellschafter erneut aufgefordert, offen zu kommunizieren. Ob der Rechtsstreit in Köln unmittelbare Folgen für die Beschäftigten habe, lasse sich derzeit nicht ausschließen, eine endgültige Einschätzung sei erst nach einem Urteil oder einer Einigung möglich.

Löhne bleiben weiter ein Thema

Bei Maris gilt nach Angaben der NGG ein Haustarifvertrag für Löhne und Gehälter, ergänzt durch den Flächentarifvertrag der Cuxhavener Fischindustrie. Der letzte Tarifabschluss habe die Beschäftigten, überwiegend Frauen in Handarbeit, ein Stück vom gesetzlichen Mindestlohn wegbewegt, sagt Bauer, das Ziel einer sozial unabhängigen Rente sei aber noch nicht erreicht. Viele Arbeitgeber der Branche zeigten wenig Bereitschaft für entscheidende Schritte bei der Einkommensentwicklung, auch die Verbraucher honorierten höhere Löhne beim Kauf bislang kaum.

Klare Forderungen an mögliche Käufer

Sollte es zu einem Eigentümerwechsel kommen, fordert die NGG zwei Dinge: Standorttreue und Beschäftigungssicherung. Der Standort sei bereits durch frühere Sparmaßnahmen an seine Grenzen gebracht worden, jetzt gelte es, die Treue der Beschäftigten mit klaren Bekenntnissen zu würdigen.

Zu den kolportierten Verkaufsabsichten, etwa einem möglichen Interesse der Unternehmensgruppe Theo Müller, äußert sich Bauer zurückhaltend, Spekulationen lasse er sich nicht entlocken. Erfahrungen aus anderen Branchen zeigten jedoch, dass Käufer selten Interesse an der Fortführung des bisherigen Betriebs hätten, wenn nur die Marke zähle. Dann müsse mit starken Betriebsräten und einer gut organisierten Belegschaft um jede Minute und jeden Cent verhandelt werden, so seine Erfahrung.

Das Engagement der Kommunalpolitik bewertet Bauer positiv, jedes Engagement zähle bei Standortfragen. Von Land und Bund erwartet die NGG, dass keine Unterstützungsmöglichkeit ungeprüft bleibt, sollten sich die Beteiligten über die Zukunft des Standorts einig werden. Vergleichbare Fälle in anderen Regionen sieht die Gewerkschaft derzeit nicht, ein Verlust des Standorts Cuxhaven wäre aus ihrer Sicht dennoch das Ende eines Stücks norddeutscher Unternehmenstradition.

Appell an die Gesellschafter

Deutlich wird Bauer am Ende seiner Antworten im Gespräch mit unserem Medienhaus. Die Streitigkeiten der Gesellschafter kämen in ihrer Außenwirkung einem Streit um das "Schäufelchen im Sandkasten" gleich, so sein Vorwurf. Mit dem Erwerb der Anteile hätten die Gesellschafter auch soziale Verantwortung übernommen. Die über 300 Beschäftigten bei Maris zeigten täglich, wie Teamwork funktioniere. Sie hätten eine Aussicht auf eine sichere Zukunft verdient, mahnt Björn Bauer.

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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