Richard Steinmetz, ehemaliger Cuxhavener Schultheiß, im Alter von 90 Jahren gestorben
Richard Steinmetz, bekannt als langjähriger Schultheiß, prägte Cuxhaven mit Herz und Hingabe. Sein Engagement für den Hochwasserschutz und seine Leidenschaft für die Seefahrt hinterlassen bleibende Erinnerungen. Er starb im Alter von 90 Jahren.
Von Thomas Sassen
Wie oft hatte er die Seefahrer-Hymne für seine Kameraden mit Inbrunst vorgetragen, in Fischerhemd und Elbsegler: "Rolling Home across the sea". Diesmal schicken die Mitglieder des Olenbrooker Schlüsenchors ihn auf seine letzte Reise.
Richard Steinmetz, langjähriger Schultheiß, Landwirt, Schipper und Ehrenmitglied des legendären maritimen Sängerkreises wird am Freitag in der Grodener Kirche von einem großen Kreis von Angehörigen, Freunden und Weggefährten verabschiedet. Am 16. Dezember ist er nach schwerer Krankheit in Cuxhaven verstorben.
Für seine Heimatstadt Cuxhaven hat der Verstorbene in vielfältiger Weise Verantwortung übernommen. Insbesondere als ehrenamtlicher Schultheiß.
Im Stadtteil Groden geboren, die Schule besucht, war sein beruflicher Weg als Sohn eines Landwirts schon früh vorherbestimmt. Den Hof an der Alten Marsch, den er mit seiner Ehefrau Hermine bewirtschaftete, hatte er von seinem Vater übernommen, der ebenfalls Richard hieß. Die Landwirtschaft prägte sein Leben. Gleichzeitig war Richard Steinmetz fasziniert von der Seefahrt. Und der Deich, dessen Ertüchtigung sich in den 1950er Jahren schon sein Vater als Schultheiß verschrieben hatte, bekam später auch für ihn eine zentrale Bedeutung. Ohne den Schutzwall gegen die Sturmfluten keine florierende Landwirtschaft und kein schützender Hafen, das weiß jeder Cuxhavener.
Richard Steinmetz lebte die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Küste wie kein Zweiter: Das Arbeiten auf seinem Hof an der Alten Marsch im Schatten des Deiches und die Freiheit am Altenbrucher Hafen und auf dem Wasser, das war sein Leben. Wenn er im Gasthaus "Zur Schleuse" oder im Gasthaus "Zur Grenze" im Kreise seiner Freunde Geschichten erzählte, war er in seinem Element. Richard Steinmetz war ein Unterhaltungstalent und sprach gern von seiner Südseereise als Zimmermann auf einem Frachtschiff.
Nicht zufällig führte sein selbst gebauter Motorsegler den Namen "Tahiti" am Bug. Der begeisterte Schipper und Freizeitfischer klebte nicht an seiner Scholle. Im Gegenteil. Er war äußerst reiselustig, vielseitig interessiert besonders an fernen Ländern, wie Australien, dass er und seine Frau intensiver kennen lernten, als Tochter Dagmar vor rund drei Jahrzehnten dorthin auswanderte und eine Familie gründete.
Viele Weggefährten werden sich an Richard Steinmetz als Vorsitzenden des Cuxhavener Deichverbands erinnern. 18 Jahre war er ehrenamtlicher Schultheiß und stand damit in vorderster Front im Kampf gegen die Sturmfluten. Federführend verantwortete er in dieser Zeit die Deicherhöhung in Duhnen, den Bau einer Deichrampe am Dünenweg und die umfangreichen Planungen und Baumaßnahmen für die Vorverlegung der Deichlinie im Bereich Alter Fischereihafen, was die Voraussetzung für die laufende Sanierung und Umnutzung des innerstädtischen Areals war.
Unvergessen ist seine Schaukritik nach der regelmäßigen Deichinspektion, die Steinmetz bei allem Ernst des Themas stets mit einer humorvollen Anekdote würzte.
Dank seines diplomatischen Geschicks, gepaart mit einem Quäntchen Bauernschläue galt er bei seinen Mitstreitern als Meister der pragmatischen Lösungen. Für seine Verdienste um den Hochwasserschutz zeichnete ihn die Stadt Cuxhaven im Mai 2007 mit der Schlossmedaille aus, eine Ehrung, die ihm viel bedeutete.
Einen großen Teil der Freizeit verbrachten Richard, seine Ehefrau Hermine (genannt Mike) und ihre drei Kinder Martin, Dagmar und Eckard am Altenbrucher Hafen, wo sich Richard nicht nur um sein Boot kümmerte, sondern im Sommer häufig mit seiner Frau schwimmen ging. "Der Altenbrucher Seesportverein war für Richard Ausgleich zur Arbeit auf dem Hof", erinnert sich Hermine.
Nach der Saison sah man ihn oft auf seinem kleinen Trecker über die Alte Marsch zuckeln, wenn er Boote der Vereinskameraden in seine Scheune ins Winterlager bugsierte.
Wo anfangs Milchvieh und später Masthähnchen gehalten wurden, waren später die Sportboote untergestellt. Einen weiteren Nebenverdienst brachte der Familie die angrenzende Obstplantage ein, ebenfalls ein Kapitel, das schon in Kürze Geschichte sein wird. Nachdem die Stadt die Hofstelle mit den Ländereien zwischen dem Deich und der Straße Alte Marsch gekauft hat, werden sie zugunsten der geplanten Industrieansiedlung weichen. Die Hofstelle wird es dann nicht mehr geben.
Der Tod von Richard Steinmetz hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen sein wird. Er war im besten Sinne des Wortes ein Küsten-Original, wie es heute nur noch sehr selten zu finden ist.