Der 48 Meter hohe Wasserturm aus dem Jahre 1897 ist eine der ungewöhnlichsten Immobilien in Cuxhaven. Nach seiner Stilllegung im Jahr 2004 wurde der Turm aufwendig umgebaut. Seit 2017 ist er im Besitz der Schweizer Familie Mirabelle und Alain Caboussat und beherbergt drei Ferienwohnungen sowie das Café Wasserturm Cuxhaven mit Schweizer Spezialitäten. Foto: Leuschner
Der 48 Meter hohe Wasserturm aus dem Jahre 1897 ist eine der ungewöhnlichsten Immobilien in Cuxhaven. Nach seiner Stilllegung im Jahr 2004 wurde der Turm aufwendig umgebaut. Seit 2017 ist er im Besitz der Schweizer Familie Mirabelle und Alain Caboussat und beherbergt drei Ferienwohnungen sowie das Café Wasserturm Cuxhaven mit Schweizer Spezialitäten. Foto: Leuschner
Caboussat-Ehepaar aus der Schweiz

"Haben Schulden": Wie Cuxhavens Wasserturm-Inhaber wirklich über einen Verkauf denken

18.07.2026

Entschlossenheit, Mut, Kraft - Rückschläge, Herausforderungen und Schulden: All das forderte der Cuxhavener Wasserturm vom Schweizer Ehepaar Caboussat. Was sie bewegt und warum ein Verkauf nicht ausgeschlossen bleibt.

Die Überschrift lässt aufhorchen: "Wasserturm an der Nordsee bringt Berner Zuwandererfamilie ans Limit. Wir haben zu viele Schulden, wer will ihn kaufen?", schrieb die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" unlängst über Mirabelle und Alain Caboussat und ihr Immobilienprojekt in der Cuxhavener City.

Alain Caboussat steht am sonnengelben Profi-Kaffeeautomaten im Cuxhavener Wasserturm-Café und brüht Espresso für die Gäste. Die Titelstory habe dem "Blick" große Resonanz beschert, erzählt er und schmunzelt. Natürlich hätten er und seine Frau mit der Redaktion gesprochen - auch über Schulden. "Aber, was wir gesagt haben, war deutlich mehr, als es die Schlagzeile wiedergibt."

Dass sie den Wasserturm eines Tages verkaufen, schließen die Caboussats ausdrücklich nicht aus. "Wenn jemand kommt und ein gutes Angebot macht, dann hören wir uns das an", sagen sie. Doch ein schneller Abschied sei nicht geplant: "Es geht nicht darum, heute oder morgen auszusteigen." Vielmehr blicken sie auf einen längeren Zeitraum: "Wir reden über die nächsten fünf Jahre", sagt Alain Caboussat.

Der Grund dafür sei weder Frust noch Panik. "Es ist nicht so, dass wir sagen: Wir können nicht mehr", betonen sie. Und auch finanziell zeichnen sie kein Katastrophenszenario. "Natürlich haben wir Schulden", räumt der 55-Jährige ein. "Bei so einem Projekt ist das normal." Von einer akuten Notlage wollen sie aber nichts wissen. "Wir wollen einfach frühzeitig verantwortungsvoll überlegen, wie dieses Projekt langfristig weitergeführt werden kann."

Alain Caboussat sagt auch, dass der Cuxhavener Wasserturm für die Familie immer ein Projekt gewesen sei, aber "nie eine Lebensaufgabe". Den Traum, einmal einen Turm zu besitzen, habe es zwar gegeben. "Aber wir haben nie gesagt: Dafür lassen wir die Schweiz für immer hinter uns."

Blick zurück: Bevor Mirabelle und Alain den Wasserturm von innen wieder aufgebaut haben, haben sie das Gebäude bis auf die gemauerten Wände entkernt. Foto: Hartmann

Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass das Paar mit seinen beiden Söhnen Nicolas und Yannis den denkmalgeschützten Turm gekauft hat und von der Schweiz nach Cuxhaven gezogen ist. Ende 2023 war das aufwendige Umbauvorhaben dann vollendet: Im Erdgeschoss des 126 Jahre alten Wahrzeichens hatten sie ein stilvolles Café eingerichtet, darüber drei barrierefreie Ferienwohnungen.

Die Jahre des Umbaus erwiesen sich als Kraftprobe. Corona, der Ukraine-Krieg, Lieferengpässe, stark steigende Bau- und Energiekosten sowie Probleme mit einzelnen Handwerksfirmen erschwerten die Sanierung erheblich. Alain Caboussat entkernte große Teile des Turms nahezu allein, während Mirabelle Caboussat die Baustelle und Finanzen managte. Gleichzeitig mussten die Schweizer den Umbau organisieren und ihren Lebensunterhalt sichern.

Hinzu kamen hohe Zusatzkosten durch den Denkmalschutz, etwa für maßgefertigte Holzfenster. Trotzdem war es dem Paar wichtig, den historischen Charakter des 1897 erbauten Turms zu bewahren. Unterstützer fanden sich vor allem in der Schweiz, wo die Familie seit 2020 durch die TV-Sendung "Auf und davon" sehr bekannt geworden ist. Mirabelle Caboussat verweist auf die anhaltend hohe Aufmerksamkeit in der Schweiz, unter anderem durch eine einstündige Jubiläumssendung Anfang 2024, die mehrfach wiederholt worden sei.

Die Schweizer Familie sorgt bis heute für einen regelrechten Cuxhaven-Tourismus bei ihren Landsleuten. Mittlerweile kommen mehr Schweizer nach Cuxhaven als aus jedem anderen Land jenseits der deutschen Grenzen. Eine wichtige Klientel für die Caboussats: "Ohne die Schweizer Gäste könnte dieses Projekt in dieser Form kaum bestehen."

Kritisch äußern sich die Betreiber zu den touristischen Rahmenbedingungen in Cuxhaven. Sie wünschen sich mehr Investitionen in die städtische Infrastruktur und mehr Kooperationen vor Ort. Viele Gäste kämen mit großen Erwartungen in die Stadt, seien dann aber vom Umfeld des Wasserturms oder vom vergleichsweise geringen Abendangebot außerhalb Duhnens enttäuscht. Die Caboussats betonen aber auch, dass sie Cuxhaven weiterhin sehr schätzen. Von Frust könne keine Rede sein; es gehe ihnen vielmehr um einen realistischen Blick - auf die kommenden Jahre und das eigene Alter.

In der Schweiz genießen die Auswanderer Mirabelle und Alain Caboussat fast schon Promi-Status. Bekannt wurden die beiden durch ihre Teilnahme am TV-Auswandererformat "Auf und davon" - heute empfangen sie viele Landsleute in ihrem Wasserturm-Café in Cuxhaven. Foto: Leuschner

Auch wenn ihr ältester Sohn im Turmcafé als Konditor mitarbeitet, sei klar, dass weder er noch sein Bruder den Wasserturm einmal übernehmen wollen. Genau deshalb stelle sich jetzt die Zukunftsfrage: "Wir müssen einfach schauen, ob die Rahmenbedingungen noch zu dem passen, was wir leisten können und wollen." Denn eines sei für sie klar: "Wenn niemand das übernimmt, dann steht der Turm in fünf oder zehn Jahren vielleicht wieder leer."

Neben dem Tagesgeschäft denken Alain und Mirabelle Caboussat auch über neue Projekte nach. Sie können sich vorstellen, ihre Erfahrungen künftig in Unternehmen einzubringen. "Wir haben viel gelernt über schwierige Situationen, Rückschläge und negative Entscheidungen", sagen sie. Ebenso darüber, "wie man als Paar zusammenhält". Ihr eigener Anspruch sei es, trotz aller Herausforderungen positiv zu bleiben. Sie hätten immer gewusst, dass das Projekt nicht einfach werde - und genau so sei es auch gekommen.

Von Heike Leuschner

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