Aus dem Dornröschenschlaf geholt: Das historische Fort Kugelbake öffnet sich für Kultur, Geschichte und neue Beete zwischen altem Gemäuer. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung
Aus dem Dornröschenschlaf geholt: Das historische Fort Kugelbake öffnet sich für Kultur, Geschichte und neue Beete zwischen altem Gemäuer. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung
Wo Gezeiten Zukunft gärtnern

Cuxhaven will sich neu erfinden: Die großen Pläne für die Landesgartenschau 2034

von Jens Potschka | 18.07.2026

Cuxhaven plant die Landesgartenschau 2034 als innovativen Schub für Stadtentwicklung und Naturschutz. Mit Bürgerbeteiligung sollen neue Räume geschaffen werden, die verlorene oder unzugängliche Flächen wiederbeleben. Ein Hintergrundgespräch.

Cuxhaven blickt nach vorn. Während die politische Debatte um die Landesgartenschau 2034 in dieser Woche viele Facetten zeigte, richten Stadtbaurat Andreas Eickmann und Anja Stute, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, den Blick auf das Machbare. Im Rathaus, im Raum "Aquarium", sprechen beide mit spürbarer Zuversicht über ein Projekt, das ihre Ämter seit Jahren begleitet.

Moorwiesen bleiben unangetastet

Für Anja Stute ist die Sache klar. Die Moorwiesen südlich des Forts Kugelbake gehören zu den sensibelsten Flächen der Stadt. "Das ist ein Heiligtum", sagt sie, "und unantastbar, auch aus Sicht des Naturschutzes." Ein Konzept zur Renaturierung läuft bereits, die historischen Marschgräben sollen erhalten und wasserziehende Gehölze zurückgenommen werden. Erlebbar soll die Fläche trotzdem werden, über einen behutsamen Stegpfad, der die Wildnis erschließt, ohne sie zu stören.

Auch das Wattenmeer selbst sieht Stute nicht gefährdet. Vier Millionen Übernachtungen zähle die Stadt schon heute, ohne dass dem Weltnaturerbe dadurch Schaden entstehe. Ihre Überzeugung: Wer den Menschen die Natur näherbringt, schützt sie am Ende besser. Naturschutz und Naturerleben, sagt sie, gehörten zusammen.

Dünen, Priele, Kletterstangen: Der künftige Klimaspielplatz bringt das Wattenmeer spielerisch mitten in den Döser Kurpark. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung

Kurpark wird zum CoolPark

Der Kurpark in Döse soll zur Blaupause für kommunale Klimaanpassung werden. Ein großes Wasserbecken, Retentionsflächen, Schattenspender aus "Grün statt Beton" - das alles soll dauerhaft im Stadtbild bleiben, nicht nur für die Dauer der Ausstellung. Welche Baumarten dabei zum Einsatz kommen, verrät Stute bisher nicht. Das Thema sei hochkomplex, sagt sie, ein "Riesenforschungsfeld" zwischen Trockenheit, Starkregen und Salztoleranz. Man wolle erst die Erfahrungen anderer Städte einholen, bevor man sich festlege.

Stadtbaurat Andreas Eickmann ergänzt den Blick aus der Bauverwaltung. Für ihn ist die Landesgartenschau kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug der Stadtentwicklung. "Wir sehen in der Landesgartenschau etwas, dass wir in der Lage sind, für die Stadtgemeinschaft neue Räume zu schaffen", sagt er, Räume, die verloren waren oder bislang unzugänglich blieben. Genau deshalb sei ihm die Bürgerbeteiligung wichtig, von Fachakteuren über Gartenbaubetriebe bis zu den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst.

Aus Kurpark wird CoolPark: Das Becken bleibt, doch Wassermanagement und Schatten sollen künftig gegen Hitze wirken. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung

Bauhafen dauerhaft für die Stadt

Zukunftsmusik, aber vielversprechende: Der Bauhafen bei der Kugelbake, bislang nur für eine temporäre Nutzung im Gespräch, könnte dauerhaft in städtischen Besitz übergehen. Unser Medienhaus berichtete mehrfach ausführlich. Aus einer befristeten Idee würde damit ein bleibender Gewinn für Cuxhaven, mit den geplanten schwimmenden Gärten als sichtbarem Symbol des Wandels zwischen den Gezeiten.

Auch beim Mobilitätskonzept, das die Grünen-Fraktion in der Bewerbung 2025 vermisst hatte, sieht Eickmann Bewegung. Gespräche mit NPorts liefen bereits, erste Hafenflächen für temporäre Parkplätze seien in Aussicht gestellt. Sein Ziel reicht über die Ausstellung hinaus: ein dauerhaftes Mobilitätskonzept, das Tagesgäste künftig vor der Stadt abfängt und mit neuen Bedienformen in die Innenstadt bringt.

Der Bauhafen bei der Kugelbake zwischen Ebbe und Flut: Auf Pontons wachsen Queller und Meerkohl, ein schwimmendes Experimentierfeld für morgen. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung

Mut statt Stillstand als Devise

Zur Finanzierung äußern sich beide vorsichtig, aber offen. Die vom Land in Aussicht gestellte Strukturhilfe begrüßen sie, betonen zugleich, dass jede genannte Zahl nur eine Schätzung sei, kein Festbetrag. Man werde den Rat, wie zugesagt, regelmäßig informieren.

Kritischen Stimmen aus der Politik hält Eickmann eine grundsätzliche Haltung entgegen: "Wenn man nur noch verharrt und nicht mehr gestaltet, dann macht man was falsch." In den kommenden zwölf Monaten geht es zunächst um Struktur: ein Projektteam, eine verlässliche Anbindung an Fördergeber, erste Gespräche mit der Fördergesellschaft für Landesgartenschauen in Bad Nenndorf.

Das Fundament, sagt Andreas Eickmann, müsse jetzt stehen, damit darauf in den kommenden Jahren aufgebaut werden kann. Am Ende des Gesprächs schwingt bei beiden ein Gedanke mit, der über Paragrafen und Kostenschätzungen hinausreicht: Die Landesgartenschau, so hoffen sie, könnte der Stadt neues Selbstbewusstsein geben. Ein Kristallisationspunkt, an dem sich Cuxhaven wieder stolz auf sich selbst besinnt.

Schlossgarten Ritzebüttel: Historische Wassergräben, neues Grün. Der Schlosspark verbindet Denkmalschutz mit den Gartentrends von morgen. Foto: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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