Stadttheater Cuxhaven: Stückauswahl überrascht und fesselt
Von Verwechslungskomödie bis Broadway-Musical: Das Stadttheater Cuxhaven verspricht in der neuen Spielzeit 2026/2027 nicht nur Unterhaltung, sondern auch tiefgründige Einblicke, die das Publikum zum Lachen und Nachdenken anregen.
Siebzehn Produktionen, ein Bogen von Verwechslungskomödie bis Broadway-Musical: Das Stadttheater Cuxhaven legt mit seinem Abo-Programm 2026/27 eine Spielzeit vor, die Lachen und Nachdenken gleichermaßen verlangt. Der Vorverkauf ist bereits angelaufen.
Wer die neue Spielzeit im Stadttheater durchblättert, merkt schnell: Hier wird nicht nur unterhalten, hier wird verhandelt, was Menschen umtreibt. Familien zerbrechen und finden sich neu, Kriege werfen ihre Schatten über Generationen, und mittendrin sitzt das Publikum, das lachen und erschrecken zugleich darf. Los geht es am Freitag, 25. September, mit "Ab in den Schrank" von Sébastien Castro. Eine SMS an die falsche Empfängerin, eine durchbrochene Wohnungswand, ein Schrank, der plötzlich zwei Parteien gehört: Der Pariser Erfolgsschwank treibt sein Verwechslungsspiel auf die Spitze und eröffnet die Saison mit bester Boulevardlaune.
Ernster wird es am Montag, 2. November, wenn das Altonaer Theater Hemingways "Der alte Mann und das Meer" auf die Bühne bringt. Santiago, ein kubanischer Fischer, hat seit 84 Tagen nichts gefangen und wagt trotzdem den letzten großen Kampf gegen einen riesigen Marlin, gegen das Meer und gegen die eigene Erschöpfung. Drei Tage später, am Donnerstag, 5. November, zeigt "Der Sohn" von Florian Zeller, wie der 17-jährige Nicolas zwischen Scheidung der Eltern, Schulverweigerung und einem missglückten Suizidversuch um seinen Platz im Leben ringt, während sein Vater Pierre verzweifelt versucht, allein zu helfen, statt professionelle Unterstützung zu suchen.
Familienchaos und Politfarce im November
Am Mittwoch, 11. November, tritt in "Mayas Kontra" von Carolina Zimmermann eine junge, frisch eingebürgerte Politikerin gegen einen alten Haudegen der Gegenpartei an, verliert scheinbar und gewinnt am Ende doch, wenn aus Feindschaft ein gemeinsamer Podcast wird. Am Freitag, 20. November, zerlegen in "Zoom!" von Dietmar Jacobs, Christian Ehring und Martin Maier-Bode vier erwachsene Geschwister per Videokonferenz die eigene Kindheit, während sie eigentlich nur ein Geschenk für die goldene Hochzeit der Eltern organisieren wollen. Und am Dienstag, 1. Dezember, holen die "Ein Fall für zwei"-Stars Wanja Mues und Antoine Monot mit "Pater Brown" ein Live-Hörspiel nach G. K. Chesterton auf die Bühne, bei dem ein Beatboxer mit Loop-Station allein aus seiner Stimme ganze Klanglandschaften baut.
Das neue Jahr beginnt literarisch
Am Dienstag, 2. Februar, spielt Oliver Mommsen in "Vanya", Simon Stephens' radikaler Ein-Personen-Fassung von Tschechows "Onkel Wanja", sämtliche Rollen allein und verwandelt den Theaterabend in eine Art verschworene Gemeinschaft mit dem Publikum. Am Donnerstag, 4. Februar, erinnert "Im Westen nichts Neues" nach Erich Maria Remarque an eine Generation blutjunger Soldaten, die zwischen Heldenmythos und Grabenkrieg ihre Sprache und am Ende ihr Leben verlieren. Kriege, Krisen, große Literatur prägen den ganzen Februar. Am Mittwoch, 10. Februar, erzählt Joachim Meyerhoff in "Man kann auch in die Höhe fallen" von einem Sommer bei seiner über achtzigjährigen Mutter in Schleswig-Holstein, von Erschöpfung, einem Schlaganfall und der leisen Hoffnung auf einen Neubeginn.
Am Sonnabend, 13. Februar, sammelt die Komödie "Ganze Kerle!" vier Paketboten, die heimlich eine Travestieshow einstudieren, um die teure Augenoperation eines kranken Mädchens zu bezahlen, mit viel Herz und noch mehr Perücke. Am Dienstag, 16. Februar, durchmisst "Heimsuchung" nach Jenny Erpenbeck ein deutsches Jahrhundert an einem einzigen Sommerhaus am Scharmützelsee, von der Weimarer Republik über Krieg und DDR bis zur Wende, immer beobachtet vom stillen Gärtner. Und am Sonntag, 21. Februar, kämpft in "22 Bahnen", nach dem Bestseller von Caroline Wahl, die Studentin Tilda zwischen Mathestudium, Supermarktjob und der Sorge für ihre kleine Schwester Ida um ein eigenes Leben, bevor um 18.15 Uhr eine Stückeinführung den Abend eröffnet.
Zeitlose Klassiker neu gedacht im März.
Am Montag, 1. März, deutet Dominique Horwitz als "Herr Teufel Faust" Goethes Tragödie in einer verdichteten Fassung von Torsten Fischer persönlich, bewegend und mit feinem Humor, ein Abend über Getriebenheit und Vergänglichkeit. Am Montag, 22. März, zieht in der Komödie "Und wenn wir alle zusammenziehen?" nach dem französischen Kinoerfolg eine Gruppe alter Freunde in eine gemeinsame Alters-WG, um einander vor dem Heim zu bewahren, und muss dabei jahrzehntealte Geheimnisse aushalten.
Der April gehört dem Erinnern
Am Montag, 19. April, kehrt in Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" der Heimkehrer Beckmann aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, findet verschlossene Türen statt Verständnis und wird zum poetischen Aufschrei gegen das Vergessen, geschrieben 1947, wenige Monate vor Borcherts eigenem Tod. Am Mittwoch, 28. April, warnt Brechts Gangsterparabel "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" am Beispiel des Chicagoer Milieus davor, wie eigennützige Entscheidungen mächtiger Menschen extremistischen Ansichten den Weg bereiten.
Highlight zum Spielzeitschluss ist am Dienstag, 4. Mai, das Broadway-Musical "Dear Evan Hansen" von Steven Levenson, Benj Pasek und Justin Paul. Der Teenager Evan Hansen, gezeichnet von Angststörungen, verstrickt sich nach dem Suizid eines Mitschülers in eine Notlüge über eine angebliche Freundschaft und findet am Ende, zwischen Trauer und Hoffnung, zu sich selbst. Das vielfach preisgekrönte Werk feierte 2016 am Broadway Premiere und kommt nun, nach London, Toronto und Fürth, auch nach Cuxhaven.
Karten für das gesamte Abonnement und Beratung zu Einzelterminen gibt es in der Kulturinformation der Stadt Cuxhaven, die auch über Preise und Restplätze informiert. Die Kulturinformation ist unter Telefon (0 47 21) 6 22 13 zu erreichen. Online sind Tickets unter www.cuxhaven.de/tickets erhältlich.



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