„So geht es auch"  – eine Muslima aus Saudi Arabien heißt Andersgläubige herzlich willkommen. Sie verbringt, wie viele Saudis, ihren Urlaub in Bosnien Herzegowina. Foto: Harald Schmitt
„So geht es auch" – eine Muslima aus Saudi Arabien heißt Andersgläubige herzlich willkommen. Sie verbringt, wie viele Saudis, ihren Urlaub in Bosnien Herzegowina. Foto: Harald Schmitt
Fotoschau in der Bürgerhalle

Harald Schmitts Ausstellung in Cuxhaven: Was Frieden wirklich kostet

von Jens Potschka | 02.05.2026

Die Werke von Harald Schmitt zeigen Momente der Geschichte, die man nicht vergessen darf. In Cuxhaven entfalten sie eine besondere Wirkung, denn sie erinnern an das, was auf dem Spiel steht, wenn Frieden keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Es sind Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen. Bilder von Zerstörung und Erschöpfung, aber auch von Umarmungen, die alles sagen, was Worte nicht fassen können. Harald Schmitt hat sie gemacht. In mehr als 50 Berufsjahren, in über 140 Ländern, als fest angestellter Fotoreporter des Magazins "Stern". Sechsmal wurde er mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet, dem renommiertesten Preis seines Fachs. Nun zeigt der 1948 in der Eifel geborene und heute in Hamburg lebende Schmitt seine Werkschau "Krieg, Frieden - Versöhnung" in Cuxhaven. Der Ort könnte passender nicht sein.

Aktuelle Weltlage als Mahnung

Denn die Ausstellung trifft einen Nerv. Kriege und Krisen, einst gefühlt weit entfernt, sind längst in unseren Alltag eingedrungen: in Nachrichten, Gespräche, Gedanken. Was Schmitts Bilder zeigen, ist keine Geschichte von gestern. Es ist eine Erinnerung daran, was auf dem Spiel steht.

"Von Berührungsängsten keine Spur": Dass sich im Apartheid-Staat Südafrika Schwarz und Weiß schon vor dem Ende der Rassentrennung verstanden, beweist diese Straßenszene aus dem Jahr 1976. Doch inzwischen nehmen die Spannungen wieder zu. Foto: Harald Schmitt

Der letzte auf deutschem Boden geführte Krieg endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands. Kein Land in Europa hat dieses Datum vergessen. Und doch scheint das Recht des Stärkeren wieder salonfähig zu werden. Einen Krieg vom Zaun zu brechen, ist erschreckend einfach. Den Weg zurück zum Frieden zu finden, ist unendlich schwer.

Botschaft für die junge Generation

Genau deshalb richtet sich die Ausstellung ausdrücklich auch an junge Menschen in der Stadt und im Landkreis Cuxhaven. Das Bündnis für Demokratie des Programms "Demokratie leben!" hat sie gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsgruppe des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.” auf den Weg gebracht, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gabriele Hoffmann, Leiterin der städtischen Kulturabteilung, und Rüdiger Pawlowski vom Verein werben engagiert für die Schau. Sie verstehen sie als Einladung zum Nachdenken und zum Gespräch.

Hoang Anh, der unter den Nachwirkungen von Ogent Orange litt, wurde in Deutschland operiert und sitzt jetzt voller Stolz in seinem neuen Rollstuhl. Die Nachbarkinder bewundern ihn. Foto: Bayerische Staatsbibliothek/Stern Fotoreporter/Harald Schmitt

Eröffnung mit prominentem Festredner

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 8. Mai, um 16 Uhr durch Oberbürgermeister Uwe Santjer, in Anwesenheit des Fotografen. Den Fachvortrag hält Markus Meckel, eine der ungewöhnlichsten Figuren der deutschen Zeitgeschichte. Als Mitglied der einzigen frei gewählten Volkskammer war er 1990 Minister für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und saß neben Hans-Dietrich Genscher an den Verhandlungstischen der Zwei-plus-Vier-Gespräche, die den Weg zur Deutschen Einheit freimachten. Der Theologe und Politiker war von 1990 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Scheidegger Friedenspreis 2012. Meckel hat zudem das Vorwort zum gleichnamigen Buch verfasst, das der Ausstellung zugrunde liegt. Der Eintritt ist frei.

"Gefährliches Versteck": Ein englischer Soldat hockt im April 1975 nordirischen Londonderry hinter einem Mauervorsprung, um sich vor IRA-Attentätern zu schützen. Ganze Stadtteile sind während des jahrzehntelangen Bürgerkriegs abgeriegelt, in dem es vor allem um die Unabhängigkeit Nordirlands von Großbritannien geht. Erst das Karfreitagsabkommen von 1988 beendet die Kämpfe. Foto: Agentur Sven Simon/Harald Schmitt

Fotoschau auf einen Blick

Ausstellung "Krieg, Frieden - Versöhnung”

Bürgerhalle des Rathauses Cuxhaven, Rathausplatz 1, 8. bis 30. Mai, Eintritt frei

Öffnungszeiten: während der regulären Öffnungszeiten der Stadtverwaltung

Vernissage: Freitag, 8. Mai, 16 Uhr, mit Fotograf Harald Schmitt und Festredner Markus Meckel, Eröffnung durch Oberbürgermeister Uwe Santjer

"Mach mal Pause": Ziemlich erschöpft sind diese Jugendlichen von ihrer Restaurierungsarbeit an den vielen Gräbern in Montecassino. Im Hintergrund ist das ehemalige Schlachtfeld aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Foto: Harald Schmitt

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

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