Havarie vor Helgoland: Die bewegte Geschichte der Cuxhavener "Funny Girl"
Von der Taufe in Cuxhaven bis zur aktuellen Havarie vor Helgoland: Die "Funny Girl" blickt auf mehr als fünf Jahrzehnte Seefahrtsgeschichte zurück. Dabei blieb das traditionsreiche Fahrgastschiff nicht von Zwischenfällen verschont.
Die "Funny Girl" wurde auf der Cuxhavener Mützelfeldtwerft gebaut und am 15. Mai 1973 an die Reederei Cassen Eils übergeben. Die Kiellegung erfolgte bereits am 6. Januar 1972, der Stapellauf am 5. Dezember desselben Jahres. Mit einer Länge von 68,44 Metern zählt sie bis heute zu den markanten Schiffen der deutschen Nordseeküste. Gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen "Fair Lady" und "Kloar Kimming" gehörte sie zu einer Bauserie, deren charakteristische geschwungene Rumpfform nicht nur optisch auffällt, sondern auch Spritzwasser von den Außendecks fernhalten soll.
Ihren Namen erhielt die "Funny Girl" durch einen Wettbewerb in den örtlichen Zeitungen. Rund 700 Vorschläge gingen damals ein. Eine Jury aus Reeder Cassen Eils und Cuxhavener Journalisten entschied sich schließlich für "Funny Girl". Zu den weiteren eingereichten Namen gehörten unter anderem "Arche Noah", "Mützelfeldt-Jäger", "Schöne Maid", "Butterfly", "Santa Maria" und "Jan Cux".
Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Indienststellung bei
Die Taufe übernahm Gina Eils, die Tochter des Reedereichefs. Mit einer Flasche Sekt taufte sie das Schiff auf den Namen "Funny Girl" und verband dies mit den traditionellen Wünschen nach allzeit guter Fahrt und "drei Fuß Wasser unter dem Kiel". Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Indienststellung bei, darunter Cuxhavens Oberbürgermeister Werner Kammann, Oberstadtdirektor Hans-Heinrich Eilers und Helgolands Bürgermeister Henry Peter Rickmers. Werftchef Pieter Mützelfeldt überreichte Reeder Cassen Eils zudem eine Plakette mit der Aufschrift: "The Captain's word is law".

Nach ihrer Indienststellung wurde die "Funny Girl" zunächst auf ihrer späteren Stammstrecke zwischen Büsum und Helgoland eingesetzt. In den 1990er-Jahren führte ihr Weg zeitweise auch in die Ostsee. Von Sassnitz auf Rügen brachte sie Passagiere nach Bornholm und Kopenhagen. Später kehrte sie wieder in den Helgoland-Verkehr zurück, fuhr zeitweise auch von ostfriesischen Inseln wie Norderney, Langeoog und Spiekeroog zur Hochseeinsel oder wurde für Fahrten nach Sylt und in den Nord-Ostsee-Kanal eingesetzt. Seit 2005 bedient sie wieder überwiegend die Verbindung Büsum-Helgoland.
Mehrfach wurde das Schiff modernisiert. Nach strengeren EU-Sicherheitsvorschriften erfolgte 2008 ein umfangreicher Umbau. Besonders sichtbar war der Austausch der großen Fenster auf dem Hauptdeck gegen Bullaugen. 2020 folgte eine weitere grundlegende Modernisierung. Seit der Gründung der Gemeinschaftsreederei Adler & Eils im Jahr 2019 fährt die "Funny Girl" unter deren Regie im Helgoland-Verkehr.

Die aktuelle Havarie vom 13. Juni 2026 ist nicht der erste größere Zwischenfall in der Geschichte des Schiffes. 2011 kollidierte die "Funny Girl" bei schwerem Wetter vor Helgoland mit dem Seebäderschiff "Helgoland" und lief anschließend auf Grund. Verletzt wurde damals niemand, der Fahrbetrieb konnte schon zwei Tage später wieder aufgenommen werden.
Fehlersuche und Reparatur gestalteten sich als aufwendig
Besonders in Erinnerung geblieben ist vielen Fahrgästen der Vorfall vom Oktober 2024. Damals kam es rund eine halbe Stunde nach dem Auslaufen aus Helgoland zu einem vollständigen Stromausfall an Bord. Mit etwa 250 Passagieren trieb die "Funny Girl" stundenlang manövrierunfähig in der Nordsee. Da die Besatzung den Schaden nicht selbst beheben konnte, wurden die Cuxhavener Schlepper "Wulf 4" und "Wulf 7" alarmiert. Unterstützt vom Bergungsschlepper "Nordic" brachten sie das Schiff schließlich nach Büsum. Gegen 2.15 Uhr morgens konnten die Passagiere das Schiff verlassen. Verletzt wurde niemand. Die anschließende Fehlersuche und Reparatur gestalteten sich damals als aufwendig und langwierig.
Auch bei der jüngsten Havarie vor Helgoland kam glücklicherweise niemand zu Schaden. Nach Angaben der Reederei deutet derzeit vieles auf eine Störung im elektronischen System hin, die zum Ausfall der Hauptmaschinen führte. Die "Funny Girl" wurde nach ihrer Schleppreise nach Cuxhaven gebracht und wird dort umfassend untersucht. Einen Zusammenhang mit dem Stromausfall von 2024 sieht die Reederei nach bisherigem Kenntnisstand jedoch nicht.

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