Nordholzer Sturmgeschütz wohl kein Einzelfall: Archäologen wollen dranbleiben
Der Geschichte des Kriegsendes im Elbe-Weser-Dreieck ist durch den Nordholzer Fund schon jetzt ein weiteres Mosaikstück hinzugefügt worden. Dass da noch mehr sein muss, davon sind Experten überzeugt. Auch historische Quellen sprechen dafür.
Der Geschichte des Kriegsendes im Elbe-Weser-Dreieck ist durch den Nordholzer Fund schon jetzt ein weiteres Mosaikstück hinzugefügt worden. Dass da noch mehr sein muss im Boden innerhalb und außerhalb der Grenzen des heutigen Flugplatzes, davon sind Experten überzeugt. Beide beteiligte Archäologen - Dr. Andreas Hüser aus dem Kreis Cuxhaven und Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann - haven angekündigt, zur weiteren Aufklärung ihren Beitrag zu leisten, zum Beispiel durch eine Weiterverfolgung der Grabenstruktur und die Sichtung historischer Luftbilder.
Die einfache Bauweise erlaubte es, das Sturmgeschütz III in einer riesigen Stückzahl von rund 9300 Exemplaren bis kurz vor Kriegsende zu produzieren. Der Metallnachschub habe offensichtlich noch geklappt, erklärt Christoph Schulz, Leiter des betriebsinternen Museums des Rüstungsunternehmens Rheinmetall in Unterlüß (Lüneburger Heide). Problematisch seien zum Kriegsende hingegen die Engpässe bei Munition und Treibstoff gewesen. Rheinmetall war federführend bei der Produktion des Kriegsgeräts für das NS-Regime; Christoph Schulz kümmert sich um das historische Erbe.
Nebenbei ist er im Panzermuseum Munster als Museumsführer tätig. Durch seine einstige Stationierung im Panzerbataillon 74 in Altenwalde hat er aber auch eine enge Beziehung zu Cuxhaven.
Sturmgeschütze - anfangs noch gezogen oder geschoben - wurden ursprünglich für die Begleitung der Infanterie konzipiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie kontinuierlich weiterentwickelt. Bald auch mit panzerbrechender Munition ausgestattet, wurden sie im Zweiten Weltkrieg wie vollwertige Panzer eingesetzt; auch im Ostfeldzug. Von Panzern unterscheiden sich die kompakten Kettenfahrzeuge durch den nicht drehbaren Turm. Eine pragmatische Betrachtungsweise vertritt Henning Haßmann: "Für mich ist das ein Panzer."

Bei der historischen Einordnung wies er auch auf den zuverlässig recherchierten und detailreichen Internetauftritt "Festungswerke Cuxhaven" des Cuxhaveners Martin Brütt hin. Akribisch ist dort mit Verweisen auf Quellen im In- und Ausland die Zeit vor und nach Kriegsende im Elbe-Weser-Dreieck dokumentiert.
Noch wenige Tage vor Kriegsende sollten Soldaten in der Festung Cuxhaven und überall an der Küste gezwungen werden, nichts für den Feind übrig zu lassen: Industriebetriebe, Verkehrsanlagen, Häfen, Kai- und Dockanlagen, Schleusen, Kräne, Waffen und militärische Anlagen: Alles sollte zerstört werden.

Das Verhalten der Reste der einst als "grüne Teufel" titulierten 7. Fallschirmjägerdivision in Nordholz galt als ungewiss. Zusammen mit versprengten Heeressoldaten und allen, die noch zusammengetrieben werden konnten, sollten sie den Flugplatz verteidigen. Allerdings standen ihnen dafür, so Hein Carstens im Buch "Schiffe am Himmel", nur "vier alte schwere Geschütze" zur Verfügung.

Interessanterweise zeigt auch ein nach Kriegsende entstandenes Foto genau vier Stug III auf dem Fliegerhorst. Sie sollen - belegt durch Zeitzeugen und historische Dokumente - in tiefen Löchern und dem Panzerabwehrgraben versenkt worden sein, auch Flugzeuge amerikanischer Herkunft könnten so entsorgt worden sein.
Die US-Army hatte den Flugplatz kurz nach Kriegsende von den Briten übernommen. Beim Abzug Ende 1946 sollten sämtliche militärischen Anlagen zerstört werden. Dabei beschränkten sie sich nicht auf das Sprengen: Bald schon verbreitete sich die Kunde, dass der Boden des Flugplatzes und die umliegenden Felder vor vergrabenen Metallteilen wimmelten. Von ganzen Lastwagen, Geschützen und Handwaffenteilen war die Rede.
Aus welcher Epoche die stammten, wäre wohl noch zu erforschen. Von der Zeit des Luftschiffplatzes ganz zu schweigen. Denn bei Erdarbeiten in Nordholz treten auch immer mal wieder Überbleibsel der einstigen Luftschiffhallen zutage, erst kürzlich das Betonbecken der Drehhalle "Nobel".

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