Norwegisches Museumsschiff: Eine schwimmende Botschafterin in Cuxhaven
Seit Ende Mai befindet sich das norwegische Museumsschiff "Gamle Oksøy" auf einer Mission, verbunden mit einer Route entlang der Ost- und der Nordsee: Die Tour zu internationalen Leuchttürmen führte es am Sonntag auch nach Cuxhaven.
Am Niedersachsenkai, weit hinten im Neuen Fischereihafen, lud die Crew zum "Open Ship" ein und hieß ganz besondere Gäste willkommen: Ehrenamtliche, die sich in Vereinen für den Erhalt der Leuchttürme Dicke Berta (Altenbruch), Kleiner Preuße (Wremen), Balje und Roter Sand betätigen.
Sie alle sind vereint durch ein Anliegen: das maritime Erbe zu bewahren und die Geschichte der Leuchttürme möglichst vielen Interessierten nahezubringen. Das möchten auch die Norweger mit ihrer Reise erreichen: Es gibt zwar schon eine Europäische Leuchtturmroute, aber nun wollen sie für die European Route of Lighthouses (ERoL) auch die offizielle Anerkennung durch den Europarat erreichen.
Mit dabei ist Espen Frøysland, Direktor des Lindesnes-Leuchtturmmuseums am südlichsten Punkt Norwegens. Dort befindet sich normalerweise auch der Liegeort des gemeinsam mit dem Küstenmuseum betriebenen Museumsschiffs - wenn es nicht gerade entlang der norwegischen Küste unterwegs ist oder eben wie bei der aktuellen Reise in Schweden, Estland, Litauen, Polen oder Deutschland.

Auf der Fahrt von Hamburg nach Cuxhaven hat Espen Frøysland viele Leuchttürme an den Elbufern gesehen. Sie zeigten die Bedeutung dieser seit Jahrhunderten genutzten und lebensnotwendigen Signale. "Und das hat bis heute Bestand. Das GPS kann immer ausfallen", betont auch Kapitän Eivind Lande. Früher hat er mit den Schiffen der Hurtigruten Post in die entlegensten norwegischen Fjorde gebracht, heute stellt er nicht nur Leuchttürme, sondern auch die Völkerverständigung in den Vordergrund: "Die Zeichen der Leuchttürme verstehen alle Seeleute. Es ist auch eine internationale Sprache."
Die eingeladenen Vereinsvertreterinnen und Vertreter freuten sich über den Empfang und die Aufmerksamkeit für ihr Thema. Da Schiffe und Leuchttürme ohne einander nicht zu denken wären, nutzten sie gerne die Gelegenheit, sich auf dem 1962 gebauten Museumschiff umzusetzen.
Über mehrere Niedergänge steuerten sie auch den Maschinenraum an, in dem ihnen der Start der Maschine demonstriert wurde. Fast alles hier wird von Ehrenamtlichen getragen - etwas, das sie aus ihren Vereinen nur zu gut kennen.

Cuxhavens Bürgermeister Marc Gerdes (SPD) überbrachte den Gästen die Grüße der Stadt und freute sich über deren Visite, schließlich werde damit auch der Name Cuxhaven in zahlreiche europäische Länder getragen. Auch die Botschaft überzeuge: "Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Ländern kommen zusammen, tauschen Erfahrungen aus und arbeiten an einem gemeinsamen Ziel. Die Route verbindet nicht nur Orte auf einer Landkarte, sondern vor allem Menschen, die Verantwortung für Geschichte, Kultur und Identität übernehmen."
Besonders lobenswert sei auch das Engagement der lokalen Vereine, insbesondere - aus Cuxhavener Sicht - das der Crew der "Dicken Berta", das sich mit viel Leidenschaft, Zeit und persönlichem Einsatz um dieses Wahrzeichen der Stadt kümmere. Bei dem Erfahrungsaustausch berichteten die Ehrenamtlichen den Norwegern auch über die Gelegenheit, ganz oben auf dem Turm den Bund fürs Leben zu schließen.
Die weitere Route führt die Botschafter nun über Den Helder, Calais und Lowestoft (England) nach Fraserburgh in Schottland. Danach geht es über Hirtshals (Dänemark) wieder ins heimische Kristiansand, das am 2. Juli wieder erreicht sein soll.
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