Militärübung in Cuxhaven: Es wird geschossen - aber nicht mitten im Naturschutzgebiet
Die Warnmeldung, die die Stadt Cuxhaven am Montag über die Bürgerinformations- und Warn-App "Biwapp" herausgegeben hatte, sorgte für Rätselraten: Nächtlicher Schießbetrieb, mitten im Naturschutzgebiet? Wir haben geklärt, was wirklich dahintersteckt.
Für die Nacht zum Mittwoch (17. Juni) wurde in einer Biwapp-Warnmeldung am Montag Schießbetrieb für den ehemaligen Truppenübungsplatz Altenwalde angekündigt. Auf einem dazugehörigen Kartenausschnitt war tatsächlich das gesamte Gebiet zwischen Altenwalde, Berensch und Holte-Spangen rot markiert. Die Meldung war durch den Fachbereich Bürgerservice, Ordnung und Katastrophenschutz der Stadt Cuxhaven veröffentlicht worden.
Eine Nachricht, die Ortskundige stutzen ließ, denn bekanntlich handelt es sich hier in großen Teilen um das Naturschutzgebiet "Cuxhavener Küstenheiden". Die Bundeswehr plant zwar ihre Rückkehr nach Altenwalde, aber eine Reaktivierung des Truppenübungsplatzes ist keineswegs in Kraft.
Fallschirmjäger üben nur innerhalb des Kasernengebiets
Klarheit konnte das Landeskommando Niedersachsen in Hannover schaffen, das das Vorhaben geprüft, genehmigt und den lokalen Behörden gemeldet hat. Hinter der Meldung stecke eine Übung des Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf, die aber rein auf das Gelände der ehemaligen Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne beschränkt sei, so ein Sprecher. Die Aktivitäten erstreckten sich mitnichten auf das gesamte Gelände des früheren Truppenübungsplatzes.

Ausbildung im Orts- und Häuserkampf
Fallschirmjäger gehören grundsätzlich zum Heer. Rund 45 Soldaten, die sich seit Montag auf dem Gelände befinden, sollen dort zu Ausbildungszwecken auf befestigten Wegen und Flächen Orts- und Häuserkampf üben - auch nachts. Für die Zeit zwischen 0 und 3 Uhr am Mittwoch wird eine mögliche Lärmbelastung angekündigt. Dabei komme Übungsmunition zum Einsatz, versicherte der Sprecher. Fallschirmabsprünge seien im Rahmen der Übung nicht vorgesehen.
Naturschutzgebiete bleiben ausgespart
Das Landeskommando in Hannover koordiniert im Jahr rund 350 Übungen. Dabei prüft es die von den Truppen vorgeschlagenen Übungsszenarien und Orte. Dabei spielten Umweltschutzauflagen eine große Rolle, hieß es. Übungen in Naturschutzgebieten seien nicht zugelassen - "und schon gar kein Feuerkampf. Das hätten wir von vornherein nicht genehmigt." Die Visionen aufgeschreckter im Altenwalder Wald herumirrender Wildtiere waren also unnötig.
Nach wie vor aktiv ist die auch nach der Aufgabe der Kaserne nie außer Betrieb genommene Standortschießanlage im Altenwalder Forst, die aber nicht Teil dieser Übung ist.
Zuletzt hatten im April zwei Hubschrauber der deutschen Luftwaffe die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als sie tief über Altenwalde und dem Naturschutzgebiet flogen, um dort Notverfahren zu üben. Dabei setzten sie auch im Bereich der Kaserne taktisch auf.
Entscheidung über Reaktivierung wird erwartet
Dass die erhöhten Aktivitäten nicht nur auf die generelle neue Rolle der Bundeswehr hindeuten, sondern auch auf die im Raum stehende Reaktivierung der Altenwalder Kaserne, liegt für viele Einheimische auf der Hand. Die Entscheidung darüber wird in Altenwalde gespannt erwartet, wie auch am Montag im Ortsrat deutlich wurde.
Bei dem aktuellen Vorhaben handle es sich nicht um die erste Übung dieser Art, versicherte Stadt-Pressesprecher Marcel Kolbenstetter. Genau genommen könne inzwischen von einem "Selbstgänger" gesprochen werden. Das Landeskommando Niedersachsen der Bundeswehr zeige der Stadt als Katastrophenschutz-Behörde geplante Übungen an. Die Behörde beurteile die Pläne dann im Hinblick auf besondere Belange, zum Beispiel die Wegeführung bei Verlegeübungen. Probleme (wie Baustellen, Belastbarkeit von Straßen oder anderes) würden dann an die Bundeswehr zurückgemeldet. Auch die Information der Bevölkerung gehöre zu den Aufgaben der Stadt. Um auf Bürgerfragen vorbereitet zu sein, erhalte ebenso die Polizeiinspektion Cuxhaven die Informationen vorab.
Keine Angaben über die Bedingungen in der Kaserne
Über die Bedingungen, die die Soldaten auf dem Kasernengelände vorfinden, ob sie dort auch untergebracht sind und wie sie verköstigt werden, dazu machte die Bundeswehr keine Angaben. Fotos und Berichten zufolge sollen große Teile des Ensembles inklusive der Leitungen und technischen Einrichtungen nach dem Ende der Notunterkunft vor zehn Jahren wieder erhebliche Schäden aufweisen.
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