Die Kindervolkstanzgruppe beim großen Festumzug anlässlich des Seebad-Jubiläums in ihren historischen Trachten erinnerte an die Tradition des Wassertragens bei Inseltaufen. Fotos: Kramp
Die Kindervolkstanzgruppe beim großen Festumzug anlässlich des Seebad-Jubiläums in ihren historischen Trachten erinnerte an die Tradition des Wassertragens bei Inseltaufen. Fotos: Kramp
200-jähriges Jubiläum

Helgoland feiert sein Seebad zwischen Tradition und Moderne (mit Bildergalerie)

von Wiebke Kramp | 08.06.2026

Helgoland feiert 200 Jahre Seebadgeschichte mit einem beeindruckenden Fest, das von Traditionen wie dem Ausbooten  bis zum Extremschwimmer-Rekord und musikalischen Highlights reicht. Rund 5000 Gäste erlebten ein unvergessliches Spektakel.

Zwischen Tradition und Moderne - unter diesem Motto feierte Helgoland am 6. Juni 2026 sein großes Fest. Dieses Jubiläum erinnerte an die Anfänge der Helgoländer Seebadgeschichte: 1826 wurde auf Initiative des Helgoländer Schiffszimmerers Jacob Andresen Siemens eine Aktiengesellschaft gegründet und die erste Badeanstalt errichtet. Die damals nicht unumstrittene Vision ist heute wichtiger Grundpfeiler der Hochseeinsel.

Tourismusdirektorin Katharina Schicht zog ein durchweg positives Fazit: "Wir sind überwältigt von der großen Resonanz und der positiven Stimmung, die den gesamten Tag geprägt hat." Es sei eine der größten Veranstaltungen, die Helgoland bisher erlebt habe. Sie nannte das Jubiläum "eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam auf 200 Jahre Seebadgeschichte zurückzublicken und gleichzeitig die besondere Lebensart unserer Insel zu feiern". Schicht freute sich darüber, insgesamt circa 5000 Besucherinnen und Besucher auf der Insel begrüßen zu dürfen.

Einmalig: Ausbooten von der Reede

Mit den drei Katamaranen und zwei Seebäderschiffen kamen am Sonnabend 2080 Passagiere nach Helgoland, wie Alexander Block, stellvertretender Brückenkapitän, auf cnv-medien-Nachfrage mitteilte. Es gab also durchaus noch Kapazitäten. 200 Fahrgäste der MS "Helgoland" hatten zuvor ein Extra-Ticket erworben, um eine Tradition zu erleben, die es seit Corona nicht mehr gibt. Sie wurden von Börtebooten von der Reede ausgebootet und landeten auf der Landungsbrücke an. Das war auch für die Männer der Börte ein Eintauchen in Erinnerungen. "Es ist wie früher. Das Ranfahren und das Festmachen verlernt man nie, gerade auch weil die Helgoland so lag, dass wir mit dem Strom rangedrückt wurden", schwärmte Börtebootkapitän Sven Köhn und freute sich besonders: "Man muss dabei immer gucken, dass es mit dem Strom passt. Es macht immer Spaß, mit Strom und Wasser zu arbeiten." Dass es allerdings ein Revival der Börte und des Aus- und Einbootens geben wird, bezweifelt der Helgoländer - und so dürfte es wohl für MS "Helgoland" bei dieser Premiere bleiben.

Ein Höhepunkt des Jubiläums war der Paderborner Extremschwimmer André Wiersig mit seiner Insel-Umrundung. Die elf Kilometer entgegen des Uhrzeigersinns meisterte er in erstaunlichen 3:04:59 Stunden und blieb damit deutlich unter dem bisher einzig bekannten Rekord aus dem Jahr 1927 der Langstreckenschwimmerin Edith Jensen mit drei Stunden und 47 Minuten. Seine Leistung in der nur 13 Grad warmen Nordsee bei Wind, Strömung und Welle wurde mit Jubel und Beifall gefeiert. "Es war kalt, ich hätte mir mehr Sonne gewünscht", kommentierte er nach seiner Inselumrundung und verriet, dass er zeitweilig ein "komplett taubes Gefühl" in den Armen gehabt habe.

Beeindruckt von diesem neuen Rekord und Wiersigs Engagement für den Meeresschutz zeigte sich Prof. Dr. von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein, die stellvertretend für Ministerpräsident Daniel Günther an der Jubiläumsfeier teilnahm. Sie würdigte an diesem Tag die Flexibilität, Offenheit und Gastfreundschaft der Helgoländer. Durch sie bestehe heute die Vision des Seebad-Gründers Siemens fort.

38 Vereine, Verbände, Initiativen, Institutionen und Behörden stellten einen beeindruckenden Festumzug auf die Beine. Sie hatten sich zuvor sehr viel Mühe gegeben und Kreativität an den Tag gelegt, den Jubiläumsgästen ein buntes Bild zu bieten. Gar nicht so einfach: Als sich der große Umzug vor der Schule auf dem Oberland in Bewegung setzte, öffnete der Himmel seine Schleusen, und es schüttete aus allen Kübeln. Tropfnass setzten sich rund 350 Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen dennoch in Bewegung durch die Straßen bis zum Franz-Schensky-Platz vor der Landungsbrücke.

Beim Festumzug zeigte die Familie Siemens Flagge. Sie hatten ihren Vorfahren Jacob Andresen Siemens als ein lebensechtes Denkmal dabei. Uwe Siemens erinnerte an die Lebensleistung des Seebadgründers, aber auch augenzwinkernd: "Am Anfang hatten die Helgoländer gedacht, der hat einen Knall." Darauf nahm auch Bürgervorsteher Gunther Nagel Bezug. Für ihn war aber vielmehr sein Ururgroßonkel ein "moderner Unternehmer, der seiner Zeit voraus war". Der unruhige Geist und Rebell hat aber nicht aufgegeben und legte sich sogar mit den Obrigen an.

Beim großen Fest auf der Landungsbrücke drängte es sich schnell zu den Musikdarbietungen vor der Bühne. Nachdem die Helgoländer Karkfinken das Publikum schon so richtig gut eingestimmt hatten, sorgten die Hamburger Goldkehlchen für Jubel und bestätigten ihre Ankündigung: "Wir werden Vollgas geben und haben den Anspruch, dass die Hütte brennt." Mit 59 Männern war der Kult-Chor mit dem "Halunder Jet" angereist und schwärmte von der Gastfreundschaft. Den Goldkehlchen ging es auch diesmal nicht "um Perfektion, sondern um eine geile Zeit". Und die hatten Sänger und Konzertbesucher trotz Regens. Es war das vorletzte Konzert der fröhlichen Männertruppe. Am 26. September besteht im Hamburger Volksparkstadion die allerletzte Gelegenheit, sie zu erleben.

Übrigens: Auch Cuxhavener waren als gute Nachbarn Teil der Festgesellschaft auf der Hochseeinsel. So lag die "Elbe 1" auf der Reede, die "Neuwerk", das Mehrzweckschiff des Bundes, lud zum "Open Ship" im Südhafen oder der extra angereiste Shantychor Cuxhaven erfreute mit seinen maritimen Gesangsdarbietungen auf der in Cuxhaven beheimateten MS "Helgoland" sowie auf der Insel.

Enttäuschung zum Schluss

Als Enttäuschung erwies sich der Abschluss des Festtages. Das groß angekündigte Barock-Feuerwerk, zu dem auch drei Schiffe auf Reede lagen, war nur ein sehr kurzes Lichtspiel am Himmel

André Wiersig vor seiner Schwimm-Challenge.
Extremschwimmer Wiersig trotzte bei seiner Inselumrundung der nur 13 Grad kalten Nordsee und meisterte einen umjubelten Rekord.
Premiere für MS Helgoland: Ausbooten von Passagieren auf der Helgoländer Reede. Die Börte bewies, dass sie es noch konnte.
Auch der Museumsverein mit Karen Singer, Ali Simon und Karl-Walter Klings zeigte Flagge.
Ministerin Kerstin von der Decken trug sich ins Goldene Buch der Gemeinde Helsgoland ein. eim rathausemfang anlässlich des Seebad-Jubiläums hatten Bürgervorsteher Gunther Nagel, Tourismusdirektorin Katharina Schlicht und Bürgermeister Thorsten Pollmann Gäste aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft begrüßt.
Nicole Holz zeichnete für das bunte Festprogramm verantwortlich.
Auf und vor der Landungsbrücke gab es Info- und Mitmachstände. Auch das AWI mit der Biologischen Anstalt war dabei.
Der Regen hielt das Publikum der Goldkehlchen nicht vom Feiern ab.
Flotte Klänge, witzige Sprüche, schräge Töne und jede Menge gute Laune: Das zeigten die Goldkehlchen bei ihrem vorletzten Konzert.
Die Karkfinken, der Helgoländer Shantychor, begeisterten ebenfalls ihr Publikum.
Die Jugendfeuerwehr durfte beim Umzug nicht fehlen.
Auch die Halunner Songers waren dabei.
Mit Nässe können Wassersportler umgehen, das beweisen sie auch beim Umzugbeginn.
Brautbetttragen ist eine uralte Helgoländer Tradition. Zum Glück hatten die Trachtendamen Schirme dabei.
Unterwegs waren auch die Dünentaufenpiraten und die Butterfahrer.
Bei Musik ließ sich auch der Regen besser aushalten.
Die Feuerwehrkapelle ließ sich vom Regen nicht abhalten, für die passenden Klänge zu sorgen.
Die Trachtengruppe erfreute nach dem großen Umzug mit ihren Tänzen.
Familie Siemens war mit einem Nachbau ihres Vorfahrens am Start.
Das AWI bewies Kreativität und stellte allerlei Meeresgetier vor.
Ob DGzRS oder Schule - die Bandbreite der Teilnehmenden war riesig.
Die Rocker von der Butterfahrt.
Der VfL Fosite Helgoland, der größte Verein der Insel, durfte natürlich nicht fehlen.
VfL Fosite am Festtag auf den Beinen.
Auch Brückenkapitäne und Dampferbörte fehlten nicht.

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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