Tafel-Vorsitzender Klaus Schnell mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Toprak Demir, Raheima Rashid und Marthe Raguschat.
Tafel-Vorsitzender Klaus Schnell mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Toprak Demir, Raheima Rashid und Marthe Raguschat.
Handfeste Hilfe

Hinter fast 1000 Schicksalen: Warum die Tafel Cuxhaven für viele unverzichtbar ist

von Wiebke Kramp | 20.12.2025

Die Tafel Cuxhaven leistet handfeste Hilfe für 542 Haushalte, darunter viele Kinder und Rentner. Dank großzügiger Spenden können Bedürftige aufatmen und erhalten mehr als nur Lebensmittel - ein Stück soziale Teilhabe.

Gegenwärtig versorgt die am Neuen Fischereihafen am Heringskai ansässige Tafel Cuxhaven 542 Haushalte von Cuxhaven bis nach Cadenberge und Nordholz mit aussortierten, überschüssigen Lebensmitteln, die noch gut für den Verzehr geeignet sind.

Jeder Tafel-Kunde hat zuvor seine Bedürftigkeit nachgewiesen und kann für einen symbolischen Obolus einmal die Woche dort einkaufen. So wird handfeste Hilfe geleistet. Mit der Möglichkeit, beim Einkauf zu sparen, verschafft die Tafel armutsbetroffenen Menschen etwas finanziellen Spielraum und fördert soziale Teilhabe. Kinder- ebenso wie Altersarmut sind bei der Tafel gegenwärtig. Hinter den nüchternen Zahlen stehen viele Schicksale. 977 Personen werden durch die Cuxhavener Tafel unterstützt. Darunter sind 248 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, aber auch zahlreiche Menschen im Rentenalter. 247 Tafel-Kunden sind über 60 Jahre alt.

Die mehr als 100 ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Tafel Cuxhaven können diese Tage nutzen, um einmal durchzuatmen und sich zu erholen. Bis einschließlich 4. Januar bleibt die gemeinnützige Einrichtung geschlossen. Erst am 2. und 3. Januar fangen die Fahrer wieder an, ausgemusterte Lebensmittel bei den Einkaufsmärkten einzusammeln.

An den letzten beiden Ausgabetagen in der vorigen Woche hatte die Tafel Cuxhaven eine weihnachtliche Überraschung parat. "Jeder Haushalt hat einen 30 Euro-Gutschein für einen Edeka-Markt erhalten", sagt Tafel-Vorsitzender Klaus Schnell. Er und seine Vorstandskollegen freuen sich dankbar sehr darüber, dass die Spendenbereitschaft von Privatleuten und Unternehmen auch dieses Jahr groß war. Schließlich lebt die Tafel von Spenden und Unterstützung. Nicht zuletzt um haltbare Trockenware wie Mehl und Zucker zuzukaufen oder Sprit- und Energiekosten zu bewerkstelligen, sind Geldspenden willkommen.

Die Tafel kümmert sich um die Menschen, die zu wenig Geld für Lebensmittel und Teilhabe haben. Ihr Handeln ist ausgerichtet an den Werten Nachhaltigkeit, Humanität, Gerechtigkeit, Teilhabe und sozialer Verantwortung.  Wer an der Armutsgrenze lebt, schafft es häufig nicht, sich ausgewogen zu ernähren. Auf der anderen Seite landen geschätzte 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland jährlich im Müll - das entspricht rund 78 Kilogramm Lebensmittel im Jahr pro Person.

Die Tafel in Cuxhaven hilft von Armut bedrohten Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, von Afghanistan bis Tonga. Die größte Gruppe mit mehr als 36 Prozent bilden deutsche Kunden, gefolgt von 30 Prozent Ukrainern. Zum Vergleich: Syrischer Herkunft sind gegenwärtig lediglich 8,2 Prozent. Neben Spendenbereitschaft ist für das Funktionieren der Tafel das Ehrenamt essenziell. In der Halle arbeiten 70 Kräfte unentgeltlich, darunter seien in jedem Team immer drei bis vier Migranten, betont Klaus Schnell. Hinzu kommen circa 35 Fahrer und Beifahrer.

Die Idee der Tafeln stammt aus den USA, wo durch das mangelhafte soziale Netzwerk viele Menschen am Rande des Existenzminimums leben. Um entgegenzuwirken, gründete sich 1983 die Organisation "City-Harvest" . Überschüsse der Lebensmittelproduktion, die sonst vernichtet würden, sollten an Bedürftige weitergegeben werden. Diese Idee setzte sich schnell durch und breitete sich nach Europa aus. Die erste Tafel in Deutschland wurde 1993 in Berlin gegründet.

Knapp 1000 Tafeln in Deutschland

In Deutschland gibt es knapp 1000 Tafeln gegen Lebensmittelverschwendung und Armut. Sie unterstützen rund 1,5 Millionen Menschen.

Die Tafel Cuxhaven (Am Heringskai 1) versorgt zurzeit 977 bedürftige Menschen in der Region Nordholz über Cuxhaven bis Cadenberge. Eine Neuaufnahme von Kunden erfolgt jeden ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 11 Uhr.

Wer die Tafel Cuxhaven mit einer Spende unterstützen möchte:

Stadtsparkasse Cuxhaven IBAN: DE71 2415 0001 0000 1010 22 BIC: BRLADE21CUX

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Wiebke Kramp
Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Sommerferien im Anmarsch

Cuxhavener Ferienpassaktion startet:  Ab Mittwoch ist das Programm freigegeben 

von Maren Reese-Winne

Die Ferienpassaktion 2026 in Cuxhaven verspricht sechs aufregende Wochen voller Abenteuer. Eltern und Kinder können aus 152 Angeboten wählen und unvergessliche Sommerferien erleben. Die Anmeldung startet am 10. Juni online.

Befreiungsschlag erforderlich 

Von zwei auf vier: Hoffnung auf die ersehnte Entlastung der Cuxland-Förderschulen   

von Maren Reese-Winne

Die Raumnöte der Schule am Meer in Cuxhaven und der Schule am Wiesendamm in Bad Bederkesa sollen nachhaltig gelöst werden: Daher streben Politik und Kreisverwaltung die Errichtung zweier neuer Standorte an. Das soll auch den Schulweg verkürzen. 

Unterschriften gegen Bauprojekt

Cuxhaven: 150 Anwohner wehren sich gegen Ferienwohnungsbau an der Prinzessinnentrift

von Jens Potschka

Im Kegelzentrum drängen sich 150 Bürger, um ihre Stimme gegen ein Bauprojekt zu erheben, das das historische Stadtbild bedroht. Die Diskussion nimmt Fahrt auf und die Verwaltung steht vor einer Herausforderung, die mehr als nur Baurecht betrifft.

Historischer Fund

Nordholzer Sturmgeschütz kommt ins Museum - aber es bleibt nicht in der Region

von Maren Reese-Winne

Am 30. April ist auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz (Kreis Cuxhaven) ein deutsches Sturmgeschütz Stug III  aus den letzten Kriegstagen gefunden worden. Ein Sensationsfund, der aber nicht in der Region bleiben wird. Wie es nun weitergeht.