Zwischen Reglern und Monitoren lässt Jannik Villaverde aus Cuxhaven den Sound entstehen, der später Millionen erreicht. Foto: privat
Zwischen Reglern und Monitoren lässt Jannik Villaverde aus Cuxhaven den Sound entstehen, der später Millionen erreicht. Foto: privat
Sound für Millionen Zuschauer

Hinter Torjubel, Talkshows und Musik: Cuxhavener sorgt für den richtigen Klang im TV

von Tamina Francke | 14.02.2026

Man bemerkt guten Ton erst, wenn er fehlt. Jannik Villaverde aus Cuxhaven arbeitet daran, dass das nicht passiert - bei Shows, Fußballübertragungen und Konzerten. Ein Blick hinter die Kulissen eines Berufs, der selten gesehen, aber immer gehört wird.

Ton ist etwas, das kaum jemand bemerkt. Zumindest so lange, bis er fehlt. Wenn der Kommentar beim Fußballspiel dumpf klingt, in der Talkshow ein Mikrofon rauscht oder in der Kochsendung plötzlich Stille entsteht, kippt die vertraute Fernsehwelt in einen Moment der Irritation. Meist aber bleibt all das unsichtbar - oder besser: unhörbar. Während Millionen Menschen entspannt auf dem Sofa sitzen, arbeiten hinter den Kulissen Spezialisten daran, dass jedes Wort, jeder Jubel und jedes Klirren genau richtig ankommt. Einer von ihnen ist Jannik Villaverde.

Der 27-Jährige ist in Cuxhaven geboren und aufgewachsen. Heute lebt er in Hamburg und arbeitet als Toningenieur - oft in Fernsehstudios oder Übertragungswagen, die irgendwo neben Fußballstadien oder Festivalgeländen stehen. Sein Weg dorthin begann nach dem Abitur 2017 mit der Frage, die viele kennen: "Was mache ich jetzt eigentlich?" Die Antwort lag näher, als er zunächst dachte. Schon in der Schule hatte Musik eine große Rolle gespielt. Er griff zur Gitarre, experimentierte am Rechner, fügte Instrumente hinzu, produzierte eigene Stücke - zunächst rein hobbymäßig. Doch die Begeisterung blieb. Also suchte er nach einem Beruf, der genau dort ansetzt.

Schritt für Schritt zum Toningenieur

Villaverde stieß auf eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Hannover. Ein Beruf, der vieles verbindet: Kamera, Schnitt, Technik, Medienrecht und eben auch Klang. Vor allem aber: viel Praxis. "Das hat mich angesprochen", sagt er. Drei Jahre Ausbildung, danach die Übernahme. Und während andere sich breiter orientierten, zog es ihn immer stärker in eine Richtung: zum Ton.

In der Tonregie eines Übertragungswagens sorgt der Cuxhavener Toningenieur dafür, dass Live-Bilder aus dem Stadion perfekt klingen. Foto: privat

Was folgt, ist ein allmähliches Hineinfinden in ein Handwerk. Erst Tontechniker im Betrieb, dann 2023 der Wechsel nach Hamburg, neue Verantwortung, neue Lernphase und schließlich die Arbeit als Toningenieur. Ein Beruf, der selten sichtbar ist, aber sofort auffällt, wenn etwas schiefgeht.

Sein Arbeitsplatz ist oft ein Ü-Wagen - ein Fahrzeug, in dem sich die technische Schaltzentrale für Live-Übertragungen befindet. "Wir kommen an, bauen die Technik auf, verkabeln alles, verbinden die Sendeleitungen", beschreibt er den Ablauf. Glasfaserleitungen, Signale, Schalträume: Was nach trockener Technik klingt, ist die Grundlage dafür, dass Millionen Menschen ein Spiel sehen, eine Show verfolgen oder ein Konzert erleben können. Teams arbeiten parallel am Set und im Ü-Wagen, jeder Handgriff muss sitzen. Erst wenn alles steht, beginnt die eigentliche Produktion.

Zwischen Talkshow, Fußball und Festivalbühne

Unter der Woche ist Villaverde häufig bei Fernsehshows wie "Markus Lanz" oder "Die Küchenschlacht" im Einsatz, am Wochenende dominieren Fußballübertragungen. Große Momente gab es viele: DFB-Pokalfinale, Spiele der Champions League. Und doch sind es nicht unbedingt die sportlichen Höhepunkte, die ihm am meisten bedeuten. Vor allem Festivals wie das Wacken Open Air haben sich ihm eingeprägt. "Von der Musik kommend ist das im Arbeitskontext einfach total interessant."

Wer täglich mit Klang arbeitet, hört zwangsläufig auch anders hin. "Man wird analytischer", erklärt Villaverde. Fehler fallen schneller auf, Unstimmigkeiten ebenso. Umso mehr schätzt er die Momente, in denen nichts auffällt und alles funktioniert. Lob gibt es in seinem Beruf selten, Kritik dagegen sofort, sobald etwas schiefläuft. Live-Übertragungen bedeuten deshalb immer auch Nervenkitzel. "Hier ist Teamwork alles. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass es funktioniert", betont er.

Im Hamburger Studio arbeitet er an Mischungen, Aufnahmen und Klangdetails. Foto: privat

Neue Technik, neue Möglichkeiten

Gerade die Mischung aus Anspannung, Technik und Zusammenarbeit macht den Reiz für ihn aus. Einen geregelten Büroalltag sieht er für sich nicht. Stattdessen wechselnde Orte, neue Produktionen und daneben weiterhin Musik. Privat mischt er Konzerte von befreundeten Bands in Hamburg, lässt Erfahrungen aus dem Job einfließen und bleibt damit nah an dem, was ihn ursprünglich in diese Richtung gebracht hat.

Auch die Zukunft des Tons beobachtet er aufmerksam. Künstliche Intelligenz könne helfen, Signale zu verbessern oder Produktionen effizienter zu machen. Remote-Produktionen, bei denen weniger Personal reisen muss, gewinnen an Bedeutung. Für Villaverde klingt das nicht nach Bedrohung, sondern nach Entwicklung und neuen Werkzeugen für ein altes Ziel: guter Klang.

Heimat als Gegenpol zum Live-Trubel

Und Cuxhaven? Bleibt ihm sehr wichtig. Seine Familie und Freunde leben hier, und nach intensiven Produktionen ist die Rückkehr in die Heimat für ihn ein Gegenpol zum schnellen Arbeitsalltag. "Hier kann man runterkommen, entschleunigen", weiß er zu schätzen. Beides zu haben - Bewegung und Ruhe - sei genau richtig.

Für die Zukunft hat Jannik Villaverde klare Wünsche. Mehr Musikproduktionen würden ihn reizen, denn dort liege sein größtes Interesse. Und grundsätzlich gilt für ihn ein einfacher Anspruch: Fernsehen soll sich für die Zuschauer leicht und selbstverständlich anfühlen. Wenn alles funktioniert, wenn niemand über den Ton nachdenkt, dann hat er seinen Job gut gemacht.

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Tamina Francke

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tfrancke@no-spamcuxonline.de

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