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Geschlossenes Ankaufs­geschäft in der Hardewiek: Die Polizei ermittelt wegen möglicher Betrugsfälle. Bei einem Telefonat heißt es, das man mittlerweile in Bayern sei. Foto: Larschow
Geschlossenes Ankaufs­geschäft in der Hardewiek: Die Polizei ermittelt wegen möglicher Betrugsfälle. Bei einem Telefonat heißt es, das man mittlerweile in Bayern sei. Foto: Larschow
"Möchte andere Menschen warnen"

Goldringe für 10.000 Euro verschwunden: Ermittlungen gegen Händler in Cuxhaven

von Tim Larschow | 28.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 28.10.2026 18:02 Uhr

Eine Frau aus Bad Bederkesa wollte Pelze verkaufen und vermisst nun wertvollen Schmuck. Nach ihren Angaben fehlen Ringe im Wert von etwa 10.000 Euro, seit sie ein Ankaufs­geschäft in der Cuxhavener Innenstadt besucht hat. Die Polizei ermittelt.

Eigentlich wollte sie nur ihre Pelze verkaufen. Doch nach einem Besuch in einem Ankaufs­geschäft in der Cuxhavener Innenstadt vermisste eine Frau aus dem Raum Bederkesa wertvollen Schmuck. Zehn Goldringe mit Steinen im geschätzten Gesamtwert von rund 10.000 Euro seien verschwunden, berichtet sie. Am Mittwoch, 21. Oktober, erstattete sie Anzeige bei der Polizei in Cuxhaven. Die Ermittlungen laufen.

Die Frau, deren Name der Redaktion bekannt ist, hatte für Dienstag der Vorwoche einen Termin mit einem Händler vereinbart, der laut Werbung Gold, Schmuck, Pelze und vieles mehr ankauft. Gemeinsam mit einem Nachbarn fuhr sie nach Cuxhaven. Im Gepäck hatte sie zwei Lederjacken, Nerze, weitere Pelze und mehrere Schmuckschatullen. Auch Rechnungen und Zertifikate für einzelne Schmuckstücke brachte sie mit.

Werbeversprechen mit hohen Ankaufsummen sollen Kunden in den Laden locken. Foto: Larschow

Pelze sind zunächst nur Nebensache

In dem Geschäft an der Hardewiek sei sie von einem schick frisierten Mann mittleren Alters im Anzug empfangen worden, schildert die Frau. Auch dessen Sohn sei hinzugekommen. Die Ehefrau des Händlers habe draußen geraucht.

Die Pelze seien kaum begutachtet worden. Dennoch habe der Mann dafür zunächst 4500 Euro geboten. Zugleich habe er darauf hingewiesen, dass der Ankauf laut Kleingedrucktem auf dem Werbeflyer nur in Verbindung mit einem Goldankauf möglich sei. "Die Pelze und Jacken waren von Anfang an Nebensache und wurden gar nicht genauer angeschaut", berichtet die Frau.

Als die 79-Jährige auch ihren Schmuck vorzeigte, änderte sich nach ihrer Schilderung der Ablauf. Der Händler habe den Schmuck auf eine schwarze Matte am Boden geschüttet. Er und sein Sohn hätten sich darübergebeugt, sodass die Frau und ihr Begleiter ihre Handgriffe nur schwer beobachten konnten. Zwei Ringe habe der Mann mit der Bemerkung zurückgegeben: "Das ist Modeschmuck, das kaufe ich nicht."

Auf den Flyern wird mit hohen Ankaufssummen geworben. Im Kleingedruckten steht jedoch, dass diese nur in Kombination mit Gold gelten. Foto: Larschow

1000 Euro für zwei Lederjacken

Als die Frau erneut die beiden Lederjacken vorgezeigt habe, sei plötzlich Interesse daran aufgekommen. Für die Kleidungsstücke habe sie insgesamt 1000 Euro in 100-Euro-Scheinen erhalten. Zusätzlich habe der Mann ihr 50 Euro als Spritgeld gegeben. "Ich war verwundert, dass er plötzlich so viel Geld für zwei Lederjacken bezahlte", sagt die Frau. Anschließend habe der Händler ihr einen Zettel zur Unterschrift vorgelegt. Sie sei davon ausgegangen, dass es sich um eine Formalität für das noch ausstehende Geschäft handele. Auf dem Dokument seien die beiden Lederjacken mit einem Preis von 1000 Euro aufgeführt gewesen.

Kurz darauf hätten die Männer die Gegenstände plötzlich wieder in Taschen und Koffer gepackt und die Frau sowie ihren Begleiter zum Verlassen des Ladens gedrängt. Wegen der Pelze wolle man sich noch einmal melden, hätten sie versprochen. Außerdem hätten sie erneut gefragt, ob die Frau zu Hause noch weiteren Schmuck habe. Sie bejahte die Frage. Das Angebot des Händlers, sie nach Hause zu begleiten, lehnte sie sofort ab.

Auf dem Heimweg plagte sie ein ungutes Gefühl. Bei einer Kontrolle der Taschen stellte sie fest, dass zehn wertvolle Goldringe mit Steinen fehlten. Den Schaden beziffert sie auf rund 10.000 Euro. Bei der Polizei habe sie auch Fotos der verschwundenen Schmuckstücke übergeben.

Die Frau hatte die Werbeflyer des Anbieters bereits in den vergangenen Monaten in Zeitungen entdeckt. Darauf seien unterschiedliche Orte, Telefonnummern und wechselnde Aktionstage genannt gewesen. Auch die Preise hätten stark variiert. Von möglichen Betrugsmaschen habe sie gewusst und deshalb besonders aufmerksam sein wollen. Mit einem solchen Vorfall habe sie dennoch nicht gerechnet.

"Ich möchte jetzt andere warnen", sagt sie. Gerade ältere Menschen sollten vorsichtig sein. Vor Weihnachten wollten manche möglicherweise noch etwas verkaufen, um zusätzliches Geld für Geschenke zu haben. Ihr selbst sei es ausschließlich darum gegangen, die Pelze abzugeben. "Mir passiert das kein zweites Mal und ich blicke jetzt nach vorne." Die Ringe werde sie wohl nicht wiedersehen, befürchtet die Frau.

Polizei ermittelt bereits in weiteren Fällen

Für Freitag war der letzte Aktionstag angekündigt. Ein Redaktionsmitglied wollte sich an diesem Tag selbst ein Bild von dem Geschäft machen, stand jedoch vor verschlossenen Türen. Auch die auf dem Werbeflyer angegebene Telefonnummer war am Freitagnachmittag nicht erreichbar. Am Montag und Dienstag dieser Woche war zu beobachten, dass das Geschäft offenbar geräumt wurde. Plakate lagen auf dem Boden, eine Leiter stand im Raum.

Ob die Schließung mit der Anzeige zusammenhängt, ist unklar. Die Polizeiinspektion Cuxhaven bestätigte jedoch, dass am 21. Oktober eine Strafanzeige erstattet wurde und Ermittlungen laufen. "Es werden alle verfügbaren Informationen aufgenommen und entsprechende Ermittlungen eingeleitet, beispielsweise im Bereich Betrug, Diebstahl, Wucher", teilte Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven, mit. Zu den möglichen weiteren Maßnahmen zählten Vernehmungen oder gegebenenfalls Durchsuchungen. Die genaue Schadenshöhe lasse sich derzeit noch nicht abschließend einschätzen.

Nach Angaben der Polizei wird gegen das Geschäft beziehungsweise die beteiligten Personen bereits in einem weiteren Fall aus dem August ermittelt. Zudem sei im Juli eine Strafanzeige wegen des Verdachts der strafbaren Werbung erstattet worden. Eine rechtliche Bewertung durch die Staatsanwaltschaft liege dazu bislang nicht vor.

Die Polizei rät dazu, Werbeangebote dieser Art sorgfältig zu prüfen. "Lassen Sie sich in entsprechenden Gesprächen nicht ablenken, nicht verwirren und nehmen Sie, wenn möglich immer eine Begleitperson mit, welche zusätzlich aufpasst", empfiehlt Hertz. Auch eine vorherige Recherche im Internet könne helfen, mögliche Warnsignale zu erkennen. Solche Werbeangebote seien nicht grundsätzlich unseriös. "Eine gewisse Grundvorsicht ist jedoch immer angebracht", teilt Stephan Hertz mit.

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Tim Larschow

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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