Kreis- und Krankenhausspitze halten an Verlegungsplänen für das MVZ klar fest
Ist die Verlagerung des Medizinischen Versorgungszentrums Rohdestraße noch zu stoppen? Wohin sollen die Ärzte gehen, was bedeutet das für alle, die dort die Ärzte ihres Vertrauens gefunden haben? Nun gab es ausführliche Antworten aus dem Kreishaus.
Am Mittwoch gab es erstmals konkrete Antworten aus den Reihen der Kreis- und Krankenhausverwaltung. Klare Botschaft vorneweg: Der Landkreis zeige sich fest entschlossen, an der Verlegung festzuhalten und am 1. April 2027 den Standort zu schließen.
In einem Pressegespräch nahmen Landrat Thorsten Krüger, Krankenhaus- und MVZ-Geschäftsführerin Jennifer Schroth, Erster Kreisrat Friedhelm Ottens und Dr. Benjamin Junge, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Cuxhaven, Stellung zu den erst durch Leserhinweise bekannt gewordenen Planungen, die seitdem Stadtgespräch sind und dort scharf kritisiert werden. Dabei wurden auch Teile eines großen Fragenkatalogs aus der CNV-Medien- Redaktion beantwortet.
Thorsten Krüger ordnete die beabsichtigte Maßnahme in ein Gesamtpaket ein, das zum Ziel habe, die Versorgungsstrukturen im Landkreis unter dramatischen Rahmenbedingungen langfristig zu sichern. Der Landkreis gehe mit seinem Engagement weit über die gesetzlichen Pflichtaufgaben hinaus, so Friedhelm Ottens. Als stabilisierendes Element diene insbesondere das Regionale Versorgungszentrum (RVZ) in Nordholz, das bald durch weitere drei bis vier ähnlich funktionierende Einrichtungen im Kreis flankiert werden solle - wahrscheinlich in einigen Jahren auch durch ein RVZ in der Stadt Cuxhaven.
Die beabsichtigte Verlagerung und Aufteilung des MVZ Rohdestraße sei eine Reaktion auf gesetzliche Grundlagen, die sich in den vergangenen drei Jahren erheblich verändert hätten, erklärte Jennifer Schroth. Die Verlegung der Arztsitze stärke - auch wenn die Ärzte nicht stationär, sondern weiter wie bisher ambulant praktizierten - den Krankenhausstandort Otterndorf. Allen Ärzten sei in Vorgesprächen auch die Niederlassung in Eigenregie angeboten worden. So sind die weiteren Vorstellungen:
Wo bleiben die Ärzte?
Nach aktuellem Stand sollen Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Henrik Lüder und Gastroenterologe Dr. Yasar Aydin nach Otterndorf wechseln und Orthopäde Dr. Elmar Burg ans RVZ Nordholz. Der Krankenhausarzt und Unfallchirurg Ralf Merheim werde weiterhin ambulante Sprechstunden in Otterndorf anbieten. Hausarzt und Internist Abend Aref wolle in Cuxhaven bleiben. Mit Dr. Lüder entfiele im Stadtgebiet die Anlaufstelle eines Durchgangsarztes.
Was wird mit der hausärztlichen Versorgung?
Dr. Aydin, der derzeit auch einen Anteil an hausärztlicher Versorgung übernehme, werde sich auf die gastroenterologische Versorgung konzentrieren; diese hausärztliche Versorgung wechsle ab April nach Nordholz. Zurzeit werde auch allen anderen Patientinnen oder Patienten auf der Suche nach einem Hausarzt die Aufnahme dort zugesagt, denn in Kürze solle in Nordholz auch der vierte Kassensitz (alles hausärztliche Versorgung) wieder besetzt werden; es gebe sogar weitere Interessenten darüber hinaus.
Wie geht es für die Medizinischen Fachangestellten weiter?
Allen sei freigestellt, mit nach Nordholz oder Otterndorf umzuziehen. Die Konkurrenz sei allerdings groß. So gehöre zu den größten Sorgen der Ärzte, ihre MFAs zu verlieren, gestand Friedhelm Ottens zu.
Ist die notwendige neue Infrastruktur überhaupt vorhanden?
In Otterndorf würden die Räume des dortigen MVZ erweitert, so Jennifer Schroth. In Nordholz müsse eine Röntgenanlage angeschafft werden; diese Investition sei jedoch auch demnächst für das MVZ fällig geworden.
Wurden genug Anstrengungen unternommen, um Kosten am MVZ zu sparen?
Das Defizit sei bereits gesunken, so Jennifer Schroth, und führt dies unter anderem auf die Tätigkeit einer Beraterfirma zurück, die die Patientensteuerung beschleunigt und zum Beispiel eine Online-Rezeption eingeführt habe. Grund für die Verlagerung sei aber in erster Linie die geänderte Gesetzeslage, die durch eine scharfe Budgetierung mit erheblichen Einbußen einherzugehen verspreche.
In Cuxhaven geht weiterhin ein Sturm der Entrüstung durch die Bevölkerung, die die Bedürfnisse einer wachsenden Kreisstadt nicht wahrgenommen sieht. Der Protest kann inzwischen durch eine Petition ausgedrückt werden.

Dr. Benjamin Junge wies darauf hin, dass mit der Verlagerung kein einziger Kassensitz aus dem Landkreis oder den haus- oder fachärztlichen Versorgungsbereichen verschwinde. Vielmehr fange der Kreis die Versäumnisse der Kassenärztlichen Vereinigung auf, der eigentlich die Sicherung der ambulanten Versorgung obliege. Der bei der hausärztliche Versorgung gemeinsam betrachtete Versorgungsbereich Cuxhaven/Otterndorf stehe mit einer Versorgungsquote von 95,4 Prozent noch deutlich besser da als der Südkreis, wo die Quote kaum die 70 Prozent überschreite.
Bei den fachärztlichen Disziplinen herrsche flächendeckend eine so gute Versorgung, dass in vielen Bereichen keine einzige weitere Zulassung bewilligt werde. "Die Verlagerung einiger Sitze von Cuxhaven nach Otterndorf reißt kein Loch in die Versorgung", so Junge, der hier ein "Komfortproblem" vermutet.
"Wir versuchen, für die Leute etwas zu erreichen", erklärt Thorsten Krüger. Dabei habe er die kreisweite Versorgung im Blick - 200.000 Menschen und nicht nur 50.000 in der Stadt Cuxhaven. Die geplante Verlagerung sei im Krankenhaus-Aufsichtsrat und in den Kreisgremien bekannt; der Kreisausschuss habe ihn und Jennifer Schroth am vergangenen Montag damit beauftragt, die Belegschaft und die Öffentlichkeit zu informieren.
Bei der Krankenhausversorgung wird es noch spannender
Ferner richteten er und Jennifer Schroth den Blick weit über die ambulante Versorgung hinaus (wir werden darauf noch ausführlich eingehen): So geht es derzeit um die Weichenstellung für das Otterndorfer Krankenhaus nach Inkrafttreten der Krankenhausreform im Jahr 2028. Noch stehe nicht fest, welche Leistungen das Otterndorfer Krankenhaus danach noch erbringen dürfe. Im Gespräch sind als mögliche Optionen eine Spezialisierung oder eine speziell auf Einrichtungen im ländlichen Raum zugeschnittene neue Versorgungsform: Regionalkliniken mit maximal 50 Betten, aber ausgedehnten ambulanten Angeboten.
Thorsten Krüger ist darüber hinaus damit beauftragt, das Gespräch mit weiteren Krankenhausbetreibern der Region - auch über die Kreisgrenzen hinweg - zu suchen und die Chancen für einen gemeinsamen Krankenhaus-Neubau auszuloten. Eile sei geboten, denn die in Aussicht stehenden Fördermittel dürften sich schnell erschöpfen.
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