Im Hotel Cuxhavener Hof wurde am 5. Juni 1949 - vor 75 Jahren - ein Spielcasino eröffnet. Das Cuxhavener Spielfieber war aber nur von kurzer Dauer. Foto: Stadtarchiv Cuxhaven
Im Hotel Cuxhavener Hof wurde am 5. Juni 1949 - vor 75 Jahren - ein Spielcasino eröffnet. Das Cuxhavener Spielfieber war aber nur von kurzer Dauer. Foto: Stadtarchiv Cuxhaven
Eröffnung vor 75 Jahren

In Cuxhaven gab es einst ein Casino: Das Spielfieber war aber nur von kurzer Dauer

von Christian Mangels | 04.06.2024

Vor 75 Jahren, am 5. Juni 1949, wurde im Cuxhavener Hof am Seedeich eine Spielbank eröffnet. Das Cuxhavener Spielfieber war aber nur von kurzer Dauer - das Casino musste seine Pforten im Dezember 1949 bereits wieder schließen.

Erste Spielbank-Pläne hatte es in Cuxhaven bereits 1948 gegeben. Im Fort Kugelbake sollte unter dem Projektnamen "Nathurn" ein großes Spielcasino - eingebettet in einer vornehmen Kuranlage - entstehen. Doch aus den Fort-Plänen wurde nichts: "Für Cuxhaven zu luxuriös", urteilte das Hamburger Echo in seiner Ausgabe vom 27. Januar 1949.

Stattdessen ebneten Oberbürgermeister Karl Olfers und die Cuxhavener Ratsmitglieder den Weg für ein Spielcasino im Hotel "Cuxhavener Hof" an der Ecke Deichstraße/Seedeich, wenngleich Olfers das Projekt mit einer gewissen Skepsis betrachtete. Er sei der Überzeugung, "dass ein Wohlstand in Deutschland nur durch Arbeit und nicht durch Spiel erreicht werden könne" (Hamburger Echo, 27. Januar 1949).

Trotz aller Bedenken wurde das Spielcasino "Alte Liebe" am 5. Juni 1949 im "Cuxhavener Hof" eröffnet. Begleiten wir also den Reporter der "Hamburger Allgemeinen" bei seinem Rundgang durch die Spielbank: "Mitten im geschmackvoll eingerichteten Saal steht der lange Spieltisch mit der sich drehenden Nummernscheibe. An zwei Seiten ein Tableau mit den Ziffern 0 bis 12 mit den Farben schwarz und rot. Hier setzen die Spieler mit den an der Kasse erhältlichen Spielmarken, den Chips. Wir waren zunächst Sehleute, die das geschickte Spiel eines erfahrenen Spielers beobachteten. Keiner von uns traute sich trotz der immer wieder erklingenden Aufforderung des Chef-Croupiers 'Bitte machen Sie Ihr Spiel‘, das Glück zu versuchen. Ist es wirklich nur Glück oder kann man es sich durch geschickte Beobachtungen zwingen? Es wird wohl so sein, denn das Spiel ist als Geschicklichkeitsspiel zugelassen und nennt sich Geschicklichkeitsspiel à la Roulette" (7. Juni 1949).

Doch nach anfänglicher Zurückhaltung schienen die Besucherinnen und Besucher Gefallen an dem Kugel-Spiel zu finden, denn "zu später Stunde war es ein recht lebhafter Kampf zwischen der rotierenden Kugel und den mitspielenden Gästen."

Gewinner des Spielbetriebs war die Stadt Cuxhaven, da 50 Prozent der Einnahmen in die Kasse der Kommune flossen. Die Cuxhaven-Berichterstatter der Hamburger Allgemeinen sahen darin vor allem eine große Chance für den Wohnungsbau in Cuxhaven: "Und deshalb wollen wir wünschen, daß recht viele Gäste den Spielsaal aufsuchen werden. Gäste von auswärts, die über genügend Geldmittel verfügen, um unserer Stadt davon einen Tribut zu bezahlen. Rolle also tüchtig, du kleine weiße Kugel! Du sollst uns die Mittel zum Bau neuer Häuser gewinnen. Wenn du uns dabei hilfst, sollst du uns willkommen sein."

Spektakulärer Spielbank-Prozess sorgte für Aufsehen

Doch das Spielvergnügen war nur von kurzer Dauer. Im Dezember 1949 wurden sämtliche Spielcasinos Niedersachsens verboten und geschlossen. Zudem sorgte in dieser Zeit ein spektakulärer Spielbank-Prozess für Aufsehen. Der Kaufmann und Spielbank-Chef Carl-Heinz David hatte das Geschicklichkeitsspiel "Spiralo" ohne behördliche Genehmigung betrieben, "indem er mit unvollkommenen technischen Einrichtungen gearbeitet hat" (Cuxhavener Zeitung, 30. März 1950). Den Stein brachte ein Cuxhavener Juwelier ins Rollen: Er erstattete Anzeige, nachdem er ohne Angabe von Gründen aus der Spielbank ausgewiesen worden war. Er hatte innerhalb von drei Wochen 2800 Mark gewonnen.

Ein Hamburger Kaufmann startete in den 1950er-Jahren einen neuen Versuch, das Spielfieber in Cuxhaven zu entfachen. Er eröffnete im "Cuxhof" einen Ekarté-Club. Dieses Kartenspiel fiel nicht unter das Glücksspiel-Gesetz. Und auch Falschspieler hatten offensichtlich schlechte Karten: "In den renovierten Räumen des Cuxhavener Hofes ist weder im Trüben zu fischen, noch im Dunkeln zu mischen. Ein geschultes Personal kennt sich aus mit den Tricks. Augenzwinkern gilt nicht, und die Füße unter dem Tisch sind durch eine Wand getrennt" (Cuxhavener Zeitung, 4. Juli 1952).

Doch auch dem Ekarté-Spiel wurde bald ein Ende gemacht. Alle Karten-Clubs wurden im September 1952 verboten und geschlossen. Damit ging im "Cuxhavener Hof" das kurze, aber außergewöhnliche Spielbank-Kapitel zu Ende.

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