Die Gruppe "Queer Cuxhaven" , bestehend aus Kora Rehländer (l.), Frieda Oliva (2 v.l.), Ivo Dumbovic (m.), Michael Schort (2 v.r.) und Stephanie Lüder (r.) ist noch in der Kennenlernphase und freut sich über Interessierte, egal welches Alters, Geschlechts oder Sexualität, die dazukommen möchten. Foto: Brettschneider
Die Gruppe "Queer Cuxhaven" , bestehend aus Kora Rehländer (l.), Frieda Oliva (2 v.l.), Ivo Dumbovic (m.), Michael Schort (2 v.r.) und Stephanie Lüder (r.) ist noch in der Kennenlernphase und freut sich über Interessierte, egal welches Alters, Geschlechts oder Sexualität, die dazukommen möchten. Foto: Brettschneider
Queeres Leben in Cuxhaven

Neue Gruppe gegründet: Wie die queere Community in Cuxhaven für Akzeptanz kämpft

von Bengta Brettschneider | 25.06.2025

Die Gruppe "Queer Cuxhaven" will queeren Menschen einen sicheren Raum bieten. Ihre Mitglieder erzählen, was sie motiviert hat, wie der Alltag in Cuxhaven ist - und warum sie sich einen CSD in der Stadt wünschen.

"Pride ist das ganze Jahr, nicht nur im Juni", sagt Kora Rehländer in Bezug auf den sogenannten "Pride Month" im Juni. Sie sitzt gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern der Gruppe "Queer Cuxhaven" auf der Treppe beim Schleusenpriel. Insgesamt sind sie neun bis zehn Personen in der Gruppe. Ein typischer Nordseewind wirbelt ihre Haare durcheinander. Sollte es anfangen zu regnen, könnten sie in einen Raum der Bibliothek ausweichen. Dort arbeitet Stephanie Lüder - sie leitet die Stadtbibliothek. 

Mit Frieda habe alles begonnen, erzählt sie. Frieda Oliva zog im Herbst vergangenen Jahres mit ihrer Partnerin nach Cuxhaven. "Ich habe gegoogelt, ob es eine Gruppe für queere Menschen gibt - und nichts gefunden", berichtet sie. Daraufhin entwarf sie ein Plakat und fragte in Läden nach, ob es aufgehängt werden könne. "So richtig oldschool", sagt sie lachend. Stephanie Lüder nahm als erste Kontakt auf.

Die Regenbogenflagge, auch Pride-Flag genannt, spielt eine wichtige Rolle in der LGBTQI+ Community. Sie wird als Zeichen der Verbundenheit und Solidarität sowie als Symbol für Freiheit und Frieden verwendet. Foto: picture alliance/dpa/Gregor Fischer

Als Jugendliche hätte sich Lüder mehr queere Sichtbarkeit gewünscht. Es sei eine Ausnahme gewesen, in einem Buchladen einmal einen Manga mit zwei küssenden Männern zu finden. Seit 2019 arbeitet sie in der Stadtbibliothek - seither gibt es dort auch queere Literatur und eine Pride-Ausstellung. "Hätte ich damals mehr Informationen gehabt, hätte ich mir ein paar Jahre der Suche sparen können", meint sie.

Kora Rehländer erinnert sich an das Coming-out ihres Bruders. "Ich habe miterlebt, wie er in der Schule gemobbt wurde. Hätte er mehr Rückhalt gehabt - sowohl vom Lehrpersonal als auch von unseren Eltern -, hätte ihn das stabilisieren können." Sie hofft, dass auch Jugendliche, die Probleme mit ihrem Outing haben, den Weg zur Gruppe finden und Unterstützung erfahren.

Queeres Leben in Cuxhaven - zwischen Angst und Akzeptanz

Zur Gruppe gehören auch Ivo Dumbovic und Michael Schort. Das Ehepaar ist aus Stuttgart nach Cuxhaven gezogen - auch sie suchten nach einer queeren Community. "In Stuttgart gibt es ein Zentrum mit Stammtisch und Aktivitäten - schon seit 30 Jahren", erzählt Dumbovic. In Cuxhaven hingegen finde queeres Leben eher am Rand statt. "Viele haben eine 'Ist mir egal'-Haltung", meint Stephanie Lüder. "Häufig werden konsequent falsche Pronomen verwendet oder der gewünschte Name ignoriert - dabei könnte man es einfach mal ausprobieren."

Auch Ivo Dumbovic ist entsetzt darüber, wie selbstverständlich es vielen noch erscheint, queere Menschen zu beleidigen. "Wenn ein heterosexuelles Paar Händchen hält, wird es dafür nicht angespuckt." Sein Ehemann Michael Schort sagt, sie vermeiden es, sich auf der Straße sichtbarer zu zeigen - besonders abends sei ihm das zu gefährlich.

Der Juni ist "Pride Month". Symbolfoto: Roman Didkivskyi

Dennoch macht die Gruppe auch positive Erfahrungen. Menschen, die Vielfalt kennen, reagierten offener. "Sie merken, dass wir ihnen nichts wegnehmen wollen - wir wollen einfach nur lieben", sagt Dumbovic.

Aktuell arbeitet die Gruppe an Visitenkarten und überlegt, wie die Treffen künftig gestaltet werden sollen. "Wir wollen ein Safe Space sein, in dem man sich nicht schämen oder verstecken muss", erläutert Frieda Oliva. Freizeitaktivitäten seien ebenfalls geplant - für gemeinsame, schöne Momente.

Gleichzeitig wächst auch die Sorge. "Die aktuelle Entwicklung fühlt sich bedrohlich an. Sie beeinflusst meinen Alltag", so Frieda Oliva. In queeren Foren werde bereits diskutiert, wann der Punkt erreicht sei, an dem man Deutschland verlassen müsse, führt Dumbovic aus. Auch in der Stadtbibliothek sei schon die Frage gestellt worden, ob ein Pride-Aufsteller überhaupt noch zeitgemäß sei. "Wir brauchen ihn mehr denn je", findet Stephanie Lüder.

Ein Safe Space, neue Ideen - und der Wunsch nach einem CSD

In den Nachbarkreisen Bremerhaven und Stade stehen demnächst die jährlichen CSDs (Christopher Street Day) am  28. Juni und 12. Juli an. Die Gruppe möchte dort teilnehmen. Interessierte sind eingeladen, sich anzuschließen. Ihr Wunsch: Auch die Stadt Cuxhaven möge mehr Flagge zeigen und Sichtbarkeit schaffen. Ein eigener CSD in Cuxhaven: Das wäre ihr Traum.

Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Sonntag im Monat, die Örtlichkeiten variieren und können nach Kontaktaufnahme erfragt werden. Kontakt ist per E-Mail an queer.cuxhaven@gmx.de oder über Instagram unter @Queer.Cuxhaven möglich.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

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