In Cuxhaven nachgefragt: Sind Bauern-Proteste gerechtfertigt oder nicht?
In dieser Woche kommt es wie angekündigt zu Protesten der Landwirte gegen die Politik der Bundesregierung. Die Unmut hat sich auch im Landkreis Cuxhaven bemerkbar gemacht.
Bei einer Straßenumfrage vertraten Befragte unterschiedliche Meinungen zu den Bauern-Protesten.
Lehrer Jens Pflegshörl steht auf der Seite der Bauern und befürwortet die Proteste. Aus seiner Sicht würden Bauern nicht genug geschätzt und sogar "stiefmütterlich behandelt werden". Landwirten werde ihr Geschäft vermiest, indem Politiker Versprechungen machen würden, die sie nicht einhielten. Seiner Meinung nach trifft der Slogan "No farmers, no food, no future" genau auf die momentane Lage zu. Die Landwirte kämpften mit ihren Protesten gerechtfertigt um ihre Existenz. Ihn selber hätten die Blockaden auf den Straßen nicht betroffen oder beeinträchtigt und er sei froh, dass die Bauern etwas gegen die Ungerechtigkeit täten, denn auch er wolle kein "Fremdfood" aus anderen Ländern.
Auch Hartmut Röder aus Altenbruch ist für die Proteste. Er meint, die Kundgebungen seien gerechtfertigt und die Landwirte hätten ohnehin schon viele Vorgaben, an die sie sich halten müssten. Seiner Meinung nach stiegen die Preise zwar für alle, aber vor allem den Landwirten werde es immer schwerer gemacht. Zwar gebe es viele, die durch die Straßensperrungen und Konvois der Landwirte eingeschränkt würden, ihn persönlich betreffe dies aber nicht.
Doch es gibt nicht nur Befürworter der Proteste. Gründe für die negative Einstellung gegenüber den Demonstrationen sind vor allem die Blockaden auf den Straßen. Viele Arbeitnehmer müssten deren Folgen tragen, wenn sie nicht rechtzeitig oder gar nicht zur Arbeit gelangen würden, meint ein Passant, der ungenannt bleiben möchte. Es wird auch die Meinung vertreten, dass der Protest "total überzogen" sei. Außerdem säßen die Entscheider in der Politik in Berlin und nicht hier auf den Straßen. Aus diesem Grund gäbe es keine Rechtfertigung für die Blockaden auf den Fahrbahnen.
Die Landwirte seien dem Fortschritt unterworfen, antwortet ein weiterer Befragter, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er sei der Meinung, dass die Proteste übertrieben seien und die Schuld bei der Politik liege. Nicht das Volk habe den Landwirten das Geld weggenommen.
Verständnis wird von einigen Befragten auch für beide Positionen gezeigt. Es sei zwar verständlich, dass die Bauern Gerechtigkeit forderten und sich für ihre Interessen einsetzen, indem sie auf die Straße gehen. Andererseits sei es auch kritisch zu betrachten, dass Unbeteiligte darunter zu leiden hätten und nicht rechtzeitig ihre Termine oder ihre Arbeitsstelle erreichen könnten. (man/lh)
