Wiedersehen auf dem bekannten Wochenmarktstand der Nichte Arnica Vogel (2.v.r.) auf dem Wochenmarkt in Cuxhaven: Von links Uli und Inge Gärtner, Gerd Vogel, Michael Vogel, Arnica Vogel und Sohn Josh. Foto: Reese-Winne
Wiedersehen auf dem bekannten Wochenmarktstand der Nichte Arnica Vogel (2.v.r.) auf dem Wochenmarkt in Cuxhaven: Von links Uli und Inge Gärtner, Gerd Vogel, Michael Vogel, Arnica Vogel und Sohn Josh. Foto: Reese-Winne
Was der Karneval damit zu tun hat

Auf Besuch aus Namibia: Mit fast 88 Jahren bereist Gerd Vogel nochmal die alte Heimat

von Maren Reese-Winne | 08.04.2026

Als Gerd Vogel die Entscheidung traf, Otterndorf und Cuxhaven hinter sich zu lassen, hieß das Land umgangssprachlich noch "Deutsch-Südwestafrika" und lockte mit Sonne und einem Job. Er blieb für immer, aber die Bande in die Heimat hielten.

Es waren diese vier Worte in der Cuxhavener Zeitung, die Gerd Vogels Leben für immer verändern sollten: "300 Sonnentage im Jahr". Mit dieser Verheißung suchte ein deutscher Friseurmeister per Stellenanzeige einen Friseurlehrling für "Deutsch-Südwestafrika". Drei Wochen später saß der 19-Jährige schon auf dem Schiff; Kurs Süden.

"Blumen-Vogel" ist eine Legende auf dem Wochenmarkt

Eine vergangene Welt wird wach, während Gerd Vogel, mittlerweile fast 88 Jahre alt, am Rande des Cuxhavener Wochenmarkts auf einer Bank sitzend von damals erzählt. Kurz vor Ostern war er nochmal auf Rundreise durch die alte Heimat. Die Route führte ihn auch zur Verwandtschaft in Otterndorf, die als Inhaber der Firma "Blumen-Vogel" auch den Besuchern des Cuxhavener Wochenmarkts wohl bekannt ist, und zu den Freunden Inge und Ulrich (Uli) Gärtner in Cuxhaven. Eine enge Freundschaft verbindet die Familien, seit der Cuxhavener Karnevalsverein (CUKAGE) das erste Mal mit einer Delegation am legendären Windhoek-Karneval in Namibia teilgenommen hatte.

Als gebürtiger Hamburger war Gerd Vogel mit seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs in der Großstadt zweimal ausgebombt worden und danach in Otterndorf gelandet, wo er seine Kindheit verbrachte. Eine dreijährige Ausbildung bei Friseur Eichler im Strichweg brachte ihn nach Cuxhaven. Bis zu dem Tag, an dem er besagte Stellenanzeige las.

Entscheidung fiel schon kurz nach der Ankunft

"Eigentlich wollte ich dort nur drei Jahre verbringen und dann wieder zurückkehren", berichtet er. "Aber nach einigen Wochen schrieb ich schon meiner Mutter, dass ich nicht wieder zurückkommen würde." Der um 1,5 Jahre ältere Bruder Walter blieb in Otterndorf. Den Familienbetrieb, das Blumenhaus, betreibt inzwischen Gerd Vogels Nichte Arnica.    

Man könne sich jederzeit besuchen, so lautete das Versprechen, und das gelang im Laufe der Jahrzehnte auch ganz gut, erst recht, nachdem das Flugzeug an die Stelle des Schiffs getreten war. "Deutsch-Südwestafrika" hieß die einstige deutsche Kolonie natürlich offiziell schon lange nicht mehr, die deutsche Kolonialherrschaft war bereits mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zu Ende gegangen. Nach langer südafrikanischer Verwaltung erlangte Namibia erst 1990 seine Unabhängigkeit. 

Eigenen Friseursalon in Windhoek betrieben

Gerd Vogels Chef, ein deutscher Friseurmeister, kam tragischerweise nach einigen Jahren mit Familienmitgliedern bei einem Zugunglück ums Leben. Aber Gerd Vogel blieb, gründete eine Familie und betrieb seinen eigenen Friseursalon in der Hauptstadt Windhoek. Für den Eintritt in den Karnevalsverein konnte sich der Norddeutsche erst nach einigem Zureden seiner deutschen Freunde erwärmen, dann engagierte er sich aber umso leidenschaftlicher, unter anderem 14 Jahre lang als Präsident.

Karnevalsvereine gab es in allen großen Städten des Landes. Da sie wohlweislich ihre Sitzungen nicht zeitgleich, sondern nacheinander abhielten, ergaben sich hierdurch viele Gelegenheiten, sich gegenseitig dabei zu besuchen.  

Kontakt zu Klaus Erlewein und der CUKAGE

In dieser Zeit entstand der Kontakt zum Cuxhavener Klaus Erlewein, der zu Gerd Vogels Bedauern wenige Wochen vor seiner Deutschland-Reise verstorben ist. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft unter den Karnevalisten. Mehrere Male fuhren Reisegruppen aus Cuxhaven nach Namibia - nicht nur zum Feiern, sondern auch, um die wunderschöne Natur zu erkunden.

Inge Gärtner: "Wir hatten ja mit Gerd Vogel einen tollen Reiseführer. Es war einfach traumhaft." Hoch erfreut waren sie und Ehemann Uli auch, jetzt ihrerseits noch einmal den Freund empfangen und einige Treffen und Ausflüge organisieren zu können.

Mit Ehefrau Hildegard zufrieden im Ruhestand

Dem Vater bei dieser Reise angeschlossen hatte sich der mittlerweile in Deutschland lebende Sohn Michael, mit dem Gerd Vogel nach dem Abschied aus Cuxhaven zur Familie weiter südlich in Deutschland weiterfuhr. Nach Ostern ging es für Gerd Vogel zurück nach Hause, wo er mit seiner aus Bonn stammenden Ehefrau Hildegard sehr zufrieden in einer Seniorenanlage in Windhoek lebt. Als größten Pluspunkt sieht er bis heute unangefochten das Klima dort.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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