Großprojekt im Cuxhavener Schlossgarten: Sanierung soll Wasser wieder in Gang bringen
Mitten in der Stadt wartet ein verstecktes Gewässer darauf, wiederzuleben: Der Schlossgraben soll mehr als nur entschlammt werden. Behutsam und nachhaltig soll die Natur ihr Gleichgewicht zurückgewinnen, doch die Zeit drängt für dieses Vorhaben.
Es ist einer jener Termine, die man sich merkt. Anja Stute, Leiterin der unteren Naturschutzbehörde, steht mit ihrem Kollegen Dr. Christian Wolf am Rand des trüben Schlossgrabens, eine Planzeichnung in der Hand, hinter ihnen das Schweizer Haus, das so nah am Wasser gebaut ist, dass bei Starkregen zwischen Wasserspiegel und Schwelle mitunter nur noch zehn Zentimeter bleiben. Beide wissen: Die Zeit drängt.
Förderfrist bis Mai 2028 - der Druck wächst
Die Förderzusage steht, 2,78 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm "Natürlicher Klimaschutz", 90 Prozent der Gesamtkosten trägt der Bund. Doch die Frist ist klar: Bis zum 16. Mai 2028 muss die Maßnahme abgeschlossen sein. "Die Sanierung wird ein 2027-Projekt", sagt Wolf. Bis es so weit ist, laufen die Voruntersuchungen noch. "Wir brauchen ein ganzes Jahr", erklärt Wolf beim Rundgang, "weil wir das Gewässer in allen Vegetationsperioden erfassen müssen - Frühling, Sommer, Herbst, Winter." Erst wenn ein Jahr vollständig erfasst ist, lässt sich ein belastbares Konzept schreiben. In diesem Sommer soll es so weit sein.
Schlamm, Strömung und ein verstopftes Rohr
Was die Experten in den vergangenen Monaten herausgefunden haben, ist aufschlussreich. Das Gewässersystem des Schlossgartens ist komplexer, als es von außen aussieht. Das Wasser fließt über eine Pumpe aus der Altenwalder Wettern zu, läuft gegen den Uhrzeigersinn einmal durch das System und verlässt es über einen Überlauf. Theoretisch jedenfalls. Praktisch stockt die Sache an mehreren Stellen.
Da ist jenes Rohr unter dem Bereich nahe des Gärtnerhauses, seit Jahren verstopft, nachgewiesen mit einer Kamera. Seit dieser Rohrpass nicht mehr gängig ist, kommt die Fließgeschwindigkeit im System kaum noch in Gang. Die Messsonden, die das Planungsbüro über Monate im Graben stationiert hatte, bestätigten: Das Wasser steht eher, als dass es fließt. "Mit den Fließgeschwindigkeitsmessungen haben wir irgendwann aufgehört", sagt Wolf trocken, "weil es schlicht nichts zu messen gab." Man sei dann auf Wasserstandsmessungen umgeschwenkt, und die erzählen ihre eigene Geschichte.

Bei Regenereignissen steigt der Wasserstand im Kanalschacht an der Südersteinstraße. Etwa eine halbe Stunde später reagiert der gesamte Schlossgarten. Das Wasser aus dem Stadtgebiet findet seinen Weg ins System, auch wenn der Durchlass nicht vollständig bekannt ist. "Es funktioniert", sagt Stute. "Das ist das Wichtigste."
Kein Bagger, kein Kahlschlag - behutsam ist das Stichwort
Was viele Bürger fragen: Wie tief greift die Sanierung in den Park ein? Die Antwort ist differenzierter, als manche befürchten. Eine Schlammdickenmessung hat gezeigt, dass die Verschlickung nicht überall gleich stark ist. Der innere Bereich rund um das Schweizer Haus ist deutlich weniger betroffen als der Schlossgraben entlang der Südersteinstraße. "Man sagt immer, überall liegt Sediment", räumt Anja Stute ein. "Aber das stimmt gar nicht."
Dort, wo das Wasser steht und der Wind Treibgut in den verwinkeltsten Zipfel des Grabens drückt, ist die Situation eine andere. Hier wird eingegriffen werden müssen. Doch ein klassischer Baggereinsatz? Kommt nicht infrage. Am Schweizer Haus etwa - dort, wo der Graben tief genug ist und gefällte Bäume im Wasser liegen - denkt Stute an ein kleines Boot, an Seilwinden, an behutsames Herausholen. "Wir greifen hier nicht mit dem Bagger rein."

Zwei Uferbereiche sind als geschützte Biotope kartiert und bleiben unangetastet: das schilfbestandene Teilstück entlang der Südersteinstraße und der Uferbereich am Innenteich nahe der Sonnenuhr. Die Biodiversitätsauflagen des Förderprogramms erlauben keine Verschlechterung. Keine einzige Wertstufe im Biotopkataster darf sich verschlechtern.
Das große Ziel: Dynamik ins Wasser bringen
Was am Ende dieser Sanierung stehen soll, ist mehr als ein sauberer Graben. "Wir wollen Dynamik ins System bringen", sagt Stute. Wasser, das wieder fließt. Ein Gewässer, das sich nicht alle zwanzig Jahre selbst wieder zuschlämmt. Möglicherweise wird dafür das gesperrte Rohr beim Gärtnerhaus wieder gängig gemacht. Das würde nicht nur die Fließgeschwindigkeit erhöhen, sondern auch die Kapazität des Parks als natürliches Regenrückhaltebecken für die innerstädtische Entwässerung stärken.
Auch der Schutz des Schweizer Hauses ist Teil der Gleichung. Das Konzept, das im Sommer vorgelegt wird, soll das hydraulische System so justieren, dass das tief liegende Gebäude bei Normalereignissen nicht gefährdet wird. Christian Wolf denkt dabei laut über eine mögliche Abkoppelung des inneren Teichbereichs nach: Bei extremem Starkregen könnte man die Zuflüsse zum Innenbereich drosseln, damit das Wasser über den äußeren Ring abfließt, ohne das Schweizer Haus zu bedrängen.
Geplant sind außerdem Ufersicherungen an den abgängigsten Stellen sowie - als kleines, aber feines Detail - ein Steg, der den Zugang zum Gewässer ermöglicht. Und vielleicht, so die Hoffnung, kehren irgendwann auch die kleinen Ruderboote zurück. Dr. Wolf lächelt bei dem Gedanken: "Es bleibt und ist ein Kulturpark."