Die neue "Scharhörn" ist im April 2026 getauft worden. Die baugleichen Schiffe "Mellum" und "Neuwerk" sind an der Weser noch in den Werften. Foto: dpa/Bernd Wüstneck
Die neue "Scharhörn" ist im April 2026 getauft worden. Die baugleichen Schiffe "Mellum" und "Neuwerk" sind an der Weser noch in den Werften. Foto: dpa/Bernd Wüstneck
Mehrzweckschiffe

In Cuxhaven, Wilhelmshaven und auf Helgoland: Millionenaufwand für neue Schiffe

von Wiebke Kramp | 19.06.2026

Die neuen Mehrzweckschiffe des Bundes erfordern zusätzlich millionenschwere Investitionen in die Hafeninfrastruktur von Cuxhaven, Wilhelmshaven und Helgoland. Ein Planungsfehler? Nein, meint die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.

Die alte "Neuwerk" am Süddamm im bundeseigenen Südhafen auf Helgoland. Die Pier muss dort um zehn Meter verlängert und das Hafenbecken ausgebaggert werden, damit der Mehrzweckschiff-Neubau anlegen kann. Foto: Kramp

Damit die neuen Mehrzweckschiffe  sicher anlegen können, sind in Cuxhaven, auf Helgoland sowie in Wilhelmshaven millionenschwere Investitionen in die Hafeninfrastruktur notwendig. Ein teurer Planungsfehler auf Kosten der Steuerzahler?

Der Bund erneuert seine Mehrzweckschiff-Flotte. Rund 680 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Während die neue "Scharhörn" bereits seit April  in der Ostsee mit Heimathafen Rostock eingesetzt wird, muss an der Nordsee auf die neue "Mellum" und die neue "Neuwerk" gewartet werden. Allein mit dem Bau dieser identischen Schiffe ist es aber nicht getan, sondern daraus resultieren weitere wasserbauliche und landseitige Maßnahmen. 

Umplanung: Verlängerung der Schiffe um zehn Meter

Claudia Thoma, Pressesprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (Bonn),  erläutert auf Anfrage von cnv-medien schriftlich: "Ursprünglich waren die Neubauten mit geringeren Abmessungen vorgesehen. Im Laufe der Planung und Beauftragung ergab sich aus der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorschriften (Elektrosicherheit auf Seeschiffen) eine Umplanung, die zu einer Verlängerung der Schiffe um zehn Meter führte. Mit der Auftragsvergabe war dies noch nicht bekannt. Berechnungsfehler lagen also nicht vor."

Die neuen Mehrzweckschiffe sind 104,6 Meter lang und 20 Meter breit, sie haben einen Tiefgang von 5,50 Metern. Bei der Länge der Pier sei ein hinreichender Manövrierraum wichtig, um sicheres Vertäuen zu gewährleisten, so die GWDS-Sprecherin. Die erforderliche Länge der Pier ergebe sich aus den jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen. Sie müsse mindestens rund 105 Meter lang sein.

Für Cuxhaven stehen damit gravierende Veränderungen an, wie von cnv-medien bereits mehrfach dargestellt. Pressesprecherin Thoma beschreibt die Notwendigkeit: Eine nautische Anlaufsimulation vor circa zwei Jahren, mit den Schiffsabmessungen der Neubauten, habe ergeben, dass bei der neuen "Neuwerk" ein sicheres Ansteuern des bisherigen Liegeplatzes schon bei ruhigen Wetterbedingungen in der sehr beengten Anlegesituation erschwert sei und bei schwierigen Wetterbedingungen nicht gewährleistet werden könne. Der jetzige Liegeplatz der "Neuwerk" sei daher nicht mehr für alle Bedingungen wie Wetter, Zufahrt zum Schleusenpriel oder  andere Verkehrsteilnehmer ausreichend dimensioniert.

"Standort Fährhafen ist der einzig passende."

"Um einen anforderungsgerechten Betrieb des neuen Mehrzweckschiffes zu gewährleisten, ist die Schaffung eines neuen Versorgungshafens geplant. Neben den notwendigen Kaianlagen sind zur technischen Bereederung in direkter Nähe Landanlagen erforderlich. Dazu zählt ein Bauhof mit Werkstätten, Lagerflächen und Havariedepot als Lager für Gerätschaften zur maritimen Notfallvorsorge", beschreibt sie den Aufwand. Aufgrund des sehr frühen Planungsstadiums könnten allerdings derzeit noch keine Angaben zu den möglichen Baukosten und konkreten Projektlaufzeiten gemacht werden, so die Pressesprecherin. Sie stellt aber fest: "Alternative Anlegemöglichkeiten wurden geprüft. Der Standort Fährhafen ist der einzig passende."

Doch nicht nur Cuxhaven sorgt die neue "Neuwerk" für umfangreiche Bautätigkeit. Auf der Hochseeinsel muss der Süddamm im Südhafen extra für den Neubau aufwendig ertüchtigt werden. Die Pläne der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sehen eine Verlängerung des Süddamms des Bundeshafens um etwa zehn Meter vor sowie die Sicherung des Bauwerks gegen Unterspülung. Hinzu kommt zusätzlich noch eine Vertiefung des Hafenbeckens um bis zu einen Meter. Bevor allerdings mit Wasserbaumaßnahmen gestartet werden kann, ist auf Helgoland bei derlei Arbeiten immer notwendig, Weltkriegsrelikte aufzuspüren und zu entschärfen. 

Ab Herbst dieses Jahres sei dort zunächst mit dem Beginn der Kampfmittelräumung zu rechnen, und ab Frühjahr 2027 dann die bauliche Instandsetzung des Süddamms vorgesehen. Die Arbeiten sollen laut Claudia Thoma im Frühjahr 2028 abgeschlossen sein.

Im unteren zweistelligen Millionenbereich

Die Ausgaben für Planung, Kampfmittelräumung und Baukosten beziffert die Sprecherin der Generaldirektion insgesamt im unteren zweistelligen Millionenbereich. Da die Maßnahmen noch ausgeschrieben werden, sei jedoch eine genauere Angabe nicht möglich.

Doch damit nicht genug. Auch in Wilhelmshaven sorgt das dort stationierte neue Schiff für millionenschwere Mehrkosten. Claudia Thoma:  "Die vorhandene Anlage am Bauhof Wilhelmshaven wird derzeit baulich für die neue 'Mellum‘ angepasst. Die geschätzten Kosten hierfür betragen rund 4,5 Millionen Euro."

So sind die Schiffe ausgestattet

Mit einer Länge von rund 105 Metern und einer Antriebsleistung von etwa 13 Megawatt verfügt die neue Mehrzweckschiff-Generation über eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit als ihre Vorgänger. Der LNG-basierte Antrieb ermöglicht einen emissionsarmen Betrieb und ist bereits für alternative Kraftstoffe wie synthetisches Methan ausgelegt. Die Motoren sind für den Gasschutzbetrieb zugelassen, so dass die Schiffe auch in explosiver Atmosphäre operieren können.

Zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen zählen leistungsstarke Feuerlöschsysteme zur Bekämpfung von Schiffsbränden, umfangreiche Einrichtungen zur Aufnahme von Schadstoffen, spezielle Lade- und Tanksysteme für gefährliche Flüssigkeiten sowie ein Labor zur Probenanalyse. Ergänzt wird dies durch moderne Notschleppeinrichtungen mit hoher Zugkraft, die das Sichern havarierter Schiffe ermöglichen.

Erstmals verfügen die Mehrzweckschiffe des Bundes über ein Hubschrauberlandedeck. Ein medizinischer Versorgungsraum innerhalb der Zitadelle, einem durch Überdruck geschützten Bereich für Einsätze in gefährlicher Atmosphäre, erweitert das Einsatzspektrum zusätzlich. 

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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