In Cuxhavens Hapag-Hallen: Roberto Fonseca begeistert mit Jazz und kubanischem Flair
Der kubanische Pianist Roberto Fonseca und sein Trio verzaubern Cuxhaven mit einer packenden Fusion aus Jazz und kubanischer Tradition. Ein Abend voller Melancholie und Lebensfreude, der die Hapag-Hallen in ein Stück Havanna verwandelte.
Ein Stück Havanna am Meer: Mit "From Cuba with Love" hat das Musikfest Bremen am Montagabend (17. August 2026) Roberto Fonseca in die Hapag-Hallen gebracht. Der kubanische Pianist, Sänger und Komponist war mit seinem Trio zu Gast und verband Jazz, kubanische Tradition und freie Improvisation. Die Hapag-Hallen waren gut besetzt.
Fonseca, 1975 in Havanna geboren, zählt zu den international bekannten Musikern Kubas. Seine Karriere begann früh: Bereits mit 15 Jahren trat er beim Havana-Jazz-Festival auf. Später studierte er Komposition und wurde jüngstes Mitglied des Buena Vista Social Club. Mehr als 400 Konzerte spielte er mit dem legendären Ensemble.
Längst hat Fonseca seinen eigenen musikalischen Weg gefunden. In seinen Projekten verbindet er afrokubanische Rhythmen mit Jazz, Hip-Hop und elektronischen Einflüssen. Die kubanische Tradition bleibt dabei Ausgangspunkt, wird aber nicht als etwas Abgeschlossenes verstanden.
Hervorragend aufeinander eingespieltes Trio
In Cuxhaven überzeugte Fonseca am Flügel. Felipe Cabrera spielte Bass, Ruly Herrera Schlagzeug. Die drei Musiker erwiesen sich als hervorragend aufeinander eingespieltes Trio. Besonders in den längeren Solopassagen wurde deutlich, wie aufmerksam sie aufeinander reagieren. Fonseca konnte musikalische Ideen frei entwickeln, während Bass und Schlagzeug seine Impulse sicher aufnahmen und weiterführten.

Einige der ersten Stücke waren von nachdenklichen, teils dunkleren Stimmungen geprägt. Fonsecas Klavierspiel wirkte fein und konzentriert. Zwischen einzelnen kräftigen Akzenten blieb viel Raum für leise Töne.
Seine Musik ist tief in den Rhythmen und Melodien Kubas verwurzelt. Son, Rumba, Mambo und Bolero erscheinen bei ihm jedoch nicht als musikalische Erinnerungsstücke. Sie bilden vielmehr das Fundament für eine zeitgenössische Sprache, in der die Freiheit des Jazz eine wichtige Rolle spielt.
Das zeigte sich vor allem in den Improvisationen. Fonseca griff kurze Motive auf, veränderte sie, verschob Rhythmen und entwickelte daraus längere Passagen. Cabrera und Herrera reagierten aufmerksam und hielten den musikalischen Zusammenhang jederzeit zusammen. Das Publikum nahm diese Momente gerne auf und quittierte besonders gelungene Wendungen mit Zwischenapplaus.
Im letzten Drittel des Konzerts änderte sich die Stimmung spürbar. Die Musik wurde rhythmischer und ausgelassener, die Lebensfreude kubanischer Musik trat stärker in den Vordergrund. Was zuvor eher nach innen gekehrt wirkte, bekam Bewegung. Die Rhythmen wurden deutlicher, die musikalischen Gesten größer. Die Musik lud nicht nur zum Zuhören ein, sondern entwickelte eine körperliche Energie. Gleichzeitig blieb sie musikalisch anspruchsvoll. Fonseca verband die unmittelbare Kraft kubanischer Rhythmen mit der Offenheit des Jazz.
Konzert ohne Unterbrechung gespielt
Auf eine Pause verzichtete das Trio. Das Konzert wurde ohne Unterbrechung gespielt und endete entsprechend früh. Dem musikalischen Fluss kam diese Entscheidung zugute. Die drei Musiker konnten ihre Stücke ohne äußeren Einschnitt entwickeln und immer wieder direkt aufeinander reagieren.
Fonseca wechselte dabei mühelos zwischen konzentriertem Pianisten, Sänger und musikalischem Impulsgeber. Seine langjährige Bühnenerfahrung zeigte sich vor allem in der Sicherheit, mit der er zwischen Komposition und Improvisation wechselte. Nichts wirkte dabei unnötig ausgestellt.
So zeigte der Abend einen Künstler, der seine musikalischen Wurzeln kennt, ohne sich von ihnen begrenzen zu lassen. Fonseca trägt die Tradition Kubas sichtbar mit sich, stellt sie aber in einen internationalen Zusammenhang.
Für das Musikfest Bremen war das Konzert zugleich ein überzeugendes Beispiel für die Vielfalt des Festivals. In den Hapag-Hallen traf die musikalische Welt Kubas auf die maritime Atmosphäre Cuxhavens. Das Ergebnis war kein bloßer Ausflug in folkloristische Klangwelten, sondern ein lebendiger Jazzabend mit starker kubanischer Prägung.
"From Cuba with Love" war damit ein Abend zwischen ruhigen, fast melancholischen Momenten und ausgelassener kubanischer Lebensfreude. Und am Ende durfte getanzt werden - zumindest im Kopf. Fonsecas Musik machte deutlich, dass kubanische Rhythmen keine Grenzen kennen.
Von Myriam Domke-Feiner
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