Ratswahl in Cuxhaven: Wie stark spiegeln Wahlvorschläge das "echte Leben" wider?
Was Kandidatenlisten verraten: Ein Daten-Check von cnv-medien.de beleuchtet, wie repräsentativ das Bewerberfeld ist, das zur Stadtratswahl am 13. September antritt.
Neun Parteien, eine Wählergemeinschaft und vier Einzelwahlvorschläge: Unter dem Strich macht das 219 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich am 13. September für den Stadtrat zur Wahl stellen wollen. Doch wie setzt sich das Bewerberfeld in demografischer Hinsicht zusammen? Ergibt es ein repräsentativen Abbild der Cuxhavener Stadtgesellschaft? Unsere Redaktion hat die Listen für die drei städtischen Wahlbereiche unter die Lupe genommen.
Parteien loben naturgemäß die bei der Kandidatenkür getroffene Auswahl: In Pressegesprächen nahmen sie wiederholt für sich in Anspruch, auf ihren Listen einen "guten Querschnitt" der Stadtgesellschaft abzubilden. Doch wie belastbar sind solche Aussagen tatsächlich - zum Beispiel, wenn es um Altersstruktur oder Frauenquote geht, und man das Bewerberfeld mit dem Zensusbericht oder den Cuxhaven-Daten des statistischen Landesamtes vergleicht?
Frauen der Zahl nach unterrepräsentiert
Bei der Geschlechterverteilung ist es offensichtlich: Sie ist weder paritätisch, noch entspricht sie im Verhältnis betrachtet der gesellschaftlichen Realität in Cuxhaven. Im wirklichen Leben sind Frauen vor Ort in der Überzahl. 42.301 Erwachsene leben laut Statistik im Stadtgebiet, 22.224 (52,5 Prozent) davon sind weiblich. Innerhalb des Bewerberfeldes für den kommenden Cuxhavener Stadtrat ist dagegen nicht einmal jede dritte Kandidatur weiblich. Die Diskrepanz zur Stadtbevölkerung beläuft sich somit auf satte 23 Prozentpunkte.
Im Parteienvergleich ist es der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen, der (über alle drei städtischen Wahlbereiche verteilt) mit dem höchsten Kandidatinnen-Anteil (45,8 Prozent) aufwarten kann - gefolgt von der Wählergemeinschaft Die Cuxhavener und den Sozialdemokraten. Kleine Randnotiz: Der Wahlbereich, in dem sich über alle Parteigrenzen hinweg gerechnet die meisten Frauen zur Wahl stellen, ist der Wahlbereich I (Innenstadt).
Während man ein althergebrachtes Klischee ("Politik ist eine Männerdomäne") zumindest in Teilen als erfüllt ansehen könnte, zeigt sich in Hinblick auf Alters- beziehungsweise Erwerbsstrukturen ein differenzierteres Bild. 50- bis 64-Jährige (nach heutigen Maßstäben diejenigen, die "mitten im Leben stehen") stellen mit 40,2 Prozent den größten Teil der Kandidatinnen und Kandidaten. Der Rentner-Mythos, das heißt die Vorstellung, dass die Aussicht auf ein politisches Ehrenamt im Besonderen auf Senioren seinen Reiz ausübt, lässt sich anhand der aktuell eingereichten Wahlvorschläge erkennbar widerlegen. Gemessen an den örtlichen Bevölkerungsdaten ist die Altersgruppe "65 plus" um 9,3 Prozentpunkte unterrepräsentiert. Das jedenfalls ergibt sich aus Landesamtsdaten, die (Stand: 31.12.2025) vergleichsweise aktuell sind.
Querverbindungen zum Erwerbsstatus zu ziehen, gestaltet sich übrigens schwierig: Mitunter werden Rentner in den Listen als solche benannt, andere Kandidaten geben hinter ihrem Namen die im aktiven Berufsleben ausgeübte Tätigkeit an. Dass sie sich dennoch im Ruhestand befinden, lässt sich zwar anhand des Geburtsjahres vermuten. Erhärten lassen sich solche Annahmen höchstens durch Rückfrahgen: Selbstständigkeit oder die Möglichkeit einer Nebentätigkeit im Alter lässt sich nicht über den Wahlvorschlag selbst abklären.
Gesetzt den Fall, die Rentner-Frage würde allein anhand des Jahrgangs und der sich daraus ergebenden Altersgrenze entschieden - der somit deutlich gestiegene Prozentsatz von Kandidaten, die zur Kategorie "Ruhestand" zählen, fiele trotzdem geringer aus als ein sich aus der Cuxhavener Bevölkerung ableitender Vergleichswert. Fazit: Die Gruppe der Rentner und Pensionäre ist unterrepräsentiert im Bewerberfeld, ganz gleich, wie man es dreht oder wendet.
Nachwuchs vielfach auf vorderen Plätzen
Am anderen Ende der Erwerbsskala befinden sich Schüler und Studenten, eine Gruppe, die mit einem Prozentwert von 4,6 im Feld der Stadtratskandidaten stärker repräsentiert ist, als es ihr Anteil an der Cuxhavener Bevölkerung nahelegt. Laut Zensus machen Schüler und Studenten im Stadtgebiet nämlich nur circa drei Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren aus. Bemerkenswerter als diese Diskrepanz ist freilich die Platzierung von Kandidaten aus diesem Segment: Mehr als die Hälfte ist Teil der "Top 4" ihrer Wahlbereichsliste, wobei sich das Ranking bei Kleinstlisten wie von Volt oder Die Linke vorgelegt relativiert. Dort ist Listenplatz 1 keine "erstrittene" Spitzenposition, sondern die einzige Kandidatur der jeweiligen Liste.




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