Joachim-Ringelnatz-Preis: Geheimnis um den Gewinner 2027
Der Gewinner des Joachim-Ringelnatz-Preises für 2027 steht fest, doch die Identität bleibt ein Rätsel. Im geheimen Kreis der Strandperle traf die Jury eine Entscheidung. Die öffentliche Enthüllung folgt erst im Frühjahr.
Der Name steht fest, doch er bleibt unter Verschluss. Am Donnerstag tagte die Jury des Joachim-Ringelnatz-Preises im Hotel Strandperle in Duhnen und wählte den Preisträger oder die Preisträgerin für 2027. Wer es ist, erfährt die Öffentlichkeit erst im frühen Frühjahr. Lena Raddatz-Flehnert hält dicht.
Die Mitarbeiterin der städtischen Kulturabteilung koordiniert den Preis und lächelt jede Nachfrage freundlich weg. "Da will ich wirklich lieber erst mal noch gar nichts sagen", sagt sie. Ein wenig verrät sie dann doch: Eine Abstimmung war gar nicht nötig.
Drei Stunden in Duhnen
Um 14 Uhr kam die Runde im Tagungsraum der Strandperle zusammen, gegen 17 Uhr zog sie den Strich. Vier bis fünf Namen lagen auf dem Tisch. Jedes Jurymitglied stellte seinen Favoriten vor und warb für ihn, auf der Leinwand liefen Ausschnitte aus Lesungen und Interviews. Am Ende stand ein Vorschlag, hinter den sich alle stellen konnten, auch wer ursprünglich einen anderen Namen mitgebracht hatte.
Die Besetzung der Jury blieb gegenüber der letzten Runde gleich. Von den fünf stimmberechtigten Mitgliedern saßen diesmal nur drei am Tisch, eine kurzfristige Krankmeldung kam dazu. Die Abwesenden hatten ihre Vorschläge dennoch eingereicht. Schon drei bis vier Wochen vor der Sitzung schickten sich alle Mitglieder ihre Kandidaten per E-Mail, um sich einlesen zu können. Ein erstes Treffen hatte es im Mai gegeben. Die Koordinatorin selbst hat kein Stimmrecht. Sie hält die Fäden zusammen und führt durch das Preisjahr. "Man merkt, die Jurymitglieder nehmen das ernst", sagt sie.
Literatur, weit gefasst
Und die Sparte? Mit seiner Neuausrichtung hatte sich der Preis geöffnet. Das Konzept sah vor, im Wechsel auch Theater, Schauspiel, Musik oder bildende Kunst zu würdigen. Die Jury bleibt jedoch bei der Literatur, wie zuletzt bei Mariana Leky. Eng fasst sie den Begriff nicht. Auch wer literarische Texte auf die Bühne bringt oder als Songtext gestaltet, kam infrage. Unter den Vorschlägen fanden sich tatsächlich nicht nur Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
Welche Kunstrichtung am Ende vorn lag? "Nein, fragen Sie mich nicht", wehrt Raddatz-Flehnert ab. Was einen Kandidaten zu Ringelnatz passen lässt, legt die Jury nicht starr fest. Mal ist es Humor, mal eine gewisse Skurrilität, mal die Art, wie sich jemand Themen nähert. Die Verbindung zu Joachim Ringelnatz sucht die Runde jedes Mal neu.
Jetzt beginnt die Kleinarbeit. In der kommenden Woche wünscht die Kulturabteilung herauszufinden, über welchen Verlag oder welches Management die Person zu erreichen ist. Die frohe Botschaft überbringt die Stadt am liebsten persönlich am Telefon, danach gilt für alle Beteiligten strenges Stillschweigen. Verliehen wird der Preis voraussichtlich im Juni 2027 im Stadttheater.
Die Stadtsparkasse Cuxhaven stattet ihn wie bisher mit 10 000 Euro aus. Die Stadt möchte den Preisträger auch über den Festabend hinaus in Cuxhaven erleben, so wie zuletzt Mariana Leky bei ihrer moderierten Lesung im Schloss. Die Chancen stehen offenbar gut. "Ich kann mir schon vorstellen, dass wir mehr von der Person noch sehen werden", deutet Raddatz-Flehnert an.
Lyrik im Klassenzimmer
Einen Tag vor dem Hauptpreis, wird der Ringelnatz-Schülerpreis vergeben. Die VGH stiftet ihn mit 1000 Euro. Nach den Sommerferien klapperte die Kulturabteilung alle Cuxhavener Schulen ab, sprach möglichst persönlich vor und brachte Material mit. Stand jetzt liegen neun Anmeldungen vor. An das starke Ergebnis des letzten Durchgangs mit rund 14 Anmeldungen reicht das nicht heran, doch es gab auch Jahre mit nur drei oder vier. Beteiligt sind verschiedene Schulformen und die Klassen eins bis zwölf. Auch die Arbeiten, die leer ausgehen, sollen wieder in einer Ausstellung zu sehen sein.
Jurymitglied Hans-Peter Tiemann sieht darin etwas Besonderes, berichtet die Koordinatorin. Der Fokus auf die Lyrik verleihe dem Cuxhavener Preis ein Alleinstellungsmerkmal. Gerade weil Gedichte im Lehrplan eine immer kleinere Rolle spielten, bringt der Preis Lyrik den Schülerinnen und Schülern wieder näher. In der Vergangenheit führte der Weg viele Klassen dabei ins Ringelnatz-Museum, wo sie den Dichter kennenlernten, der einst als Marineoffizier in Cuxhaven diente. Museumsleiterin Erika Fischer, die auch zur Jury zählt, führt die Kinder und Jugendlichen bei der Gelegenheit gern persönlich durch das Kleinod an der Südersteinstraße 44. Im Frühjahr lüftet die Stadt dann das Geheimnis um die neue Preisträgerin oder den neuen Preisträger.

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