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Organisiert wurde die Veranstaltung von „Detox Identity“ vom Arbeitskreis Gendersensible Jugendarbeit des Landkreises gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Kirsten von der Lieth (2. v. l.) und Natalie Schellong (r.), von der Jugendpflege des Landkreises. Foto: Landkreis Cuxhaven
Organisiert wurde die Veranstaltung von „Detox Identity“ vom Arbeitskreis Gendersensible Jugendarbeit des Landkreises gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Kirsten von der Lieth (2. v. l.) und Natalie Schellong (r.), von der Jugendpflege des Landkreises. Foto: Landkreis Cuxhaven
Geschlechterrollen hinterfragen

Muskeln, Macht und Frauenhass: Workshop in Cuxhaven über Männlichkeit auf TikTok

von Bengta Brettschneider | 16.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 16.10.2026 16:08 Uhr

Fitness, Erfolg und starke Männer: In Cuxhaven beschäftigten sich Fachkräfte mit der Frage, warum antifeministische Botschaften auf Jungen wirken. Ein Fachtag zeigte, was hinter der "Manosphere" steckt und wie Erwachsene den Dialog suchen können.

Rund 20 pädagogische Fachkräfte aus unterschiedlichen Einrichtungen waren am 23. September zum Workshop "Jugendliche stärken statt Fronten verhärten" ins Cuxhavener Kreishaus gekommen. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum antifeministische Botschaften gerade junge Männer erreichen und wie Erwachsene darauf reagieren können, ohne den Kontakt zu ihnen zu verlieren.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Arbeitskreis Gendersensible Jugendarbeit des Landkreises gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Kirsten von der Lieth. Auf einen öffentlichen Vortrag von "Detox Identity" folgte ein Workshop für Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Jugendlichen arbeiten.

Antifeministische Welten auf TikTok

Muskeln, teure Autos, Erfolg und Anerkennung - auf TikTok werden traditionelle Männlichkeitsbilder häufig als erstrebenswert dargestellt. Hinter vermeintlich harmlosen Fitnessvideos können sich jedoch antifeministische oder rechtsextreme Botschaften verbergen.

Seit 2019 bieten die "Detox Identity"-Gründer Tobias Spiegelberg und Fabian Ceska Workshops zu kritischer Männlichkeit, Feminismus und Diskriminierung an. Sie verweisen auf eine Studie aus dem Jahr 2026.

Die Studie der MaLisa-Stiftung fand heraus, dass das Interesse und die Suche nach Statussymbolen auf TikTok dazu führen können, dass Jungen zunehmend Videos aus der sogenannten "Manosphere" und rechtsextremen Kreisen angezeigt bekommen. Die "Manosphere" umfasst digitale Gemeinschaften, in denen traditionelle und teilweise frauenfeindliche Vorstellungen von Männlichkeit verbreitet werden.

Doch warum sind diese Inhalte so attraktiv? Gerade Jugendliche suchen nach Orientierung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Zukunftsängste, Einsamkeit und Leistungsdruck können diese Suche verstärken.

Antifeministische Influencer bieten scheinbar einfache Antworten. Sie versprechen Kontrolle, Sicherheit, Erfolg und gesellschaftlichen Aufstieg. Persönliche Probleme werden dabei häufig auf vermeintliche Gegner wie den Feminismus oder gesellschaftliche Veränderungen zurückgeführt.

Teilnehmende des Workshops im Kreishaus Cuxhaven beschäftigen sich mit Geschlechterrollen und dem Einfluss der "Manosphere" auf Jugendliche. Foto: Brettschneider

Toxische Männlichkeit - Warum Jungen immer stark sein sollen

Der Workshop behandelte auch die Erwartungen, die Jungen und Männer im Alltag begleiten. Stark sein, erfolgreich sein, keine Schwäche zeigen und möglichst immer die Kontrolle behalten. Die Fachkräfte beschäftigten sich mit den sogenannten "ernsten Spielen des Wettbewerbs". Gemeint sind Verhaltensweisen, durch die Jungen und Männer Anerkennung und Überlegenheit herstellen, wie körperliche Stärke, Mutproben, Schlagfertigkeit oder Konkurrenz.

Jungen, die diesen Erwartungen nicht entsprechen und immer souverän wirken müssen, können es schwer haben, Unsicherheiten zuzugeben oder Hilfe anzunehmen.

Braver Space und der Sprung ins kalte Wasser

Der Workshop folgte dem Prinzip des sogenannten "Braver Space". Anders als bei einem Safe Space, der vor allem Schutz vor Diskriminierung bieten soll, steht hier der mutige Austausch über schwierige Themen im Mittelpunkt. Das Konzept ergänzt die Idee geschützter Räume.

Vier Grundsätze bilden dabei die Grundlage: Verantwortung übernehmen, Fehler zulassen, solidarisch Kritik äußern und anerkennen, dass niemand alles wissen kann. Denn auch Erwachsene müssen bereit sein, eigene Vorstellungen und Privilegien zu hinterfragen.

Aber wie damit umgehen, wenn Jugendliche frauenfeindliche Aussagen wiederholen oder problematische Influencer bewundern?

In der Übung "Sprung ins kalte Wasser" sollten schwierige Gesprächssituationen in Rollenspielen erprobt werden. Zwei Minuten Vorbereitung, fünf Minuten Gespräch und drei Minuten Auswertung waren dafür vorgesehen. Dabei ging es nicht allein darum, die richtigen Gegenargumente zu finden. Vielmehr sollten die Teilnehmenden lernen, gezielt nachzufragen, Gefühle anzuerkennen und zugleich klare Grenzen zu setzen. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen Person und Aussage. Wer Verständnis für die Unsicherheit eines Jugendlichen zeigt, muss deshalb diskriminierende Einstellungen nicht akzeptieren.

Der Fachtag machte deutlich, dass Warnungen vor problematischen Influencern allein nicht ausreichen. Jugendliche benötigen Räume, in denen sie Unsicherheiten zeigen, Anerkennung erfahren und unterschiedliche Vorstellungen von Männlichkeit kennenlernen können.

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Bengta Brettschneider

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