Vier Freigeister aus Barcelona: Pere Méndez (Sopransaxophon), Víctor Serra (Altsaxophon), Robert Seara (Tenorsaxophon) und Daniel Miguel (Baritonsaxophon) bilden das Kebyart Saxofonquartett. Foto: Igor Studio
Vier Freigeister aus Barcelona: Pere Méndez (Sopransaxophon), Víctor Serra (Altsaxophon), Robert Seara (Tenorsaxophon) und Daniel Miguel (Baritonsaxophon) bilden das Kebyart Saxofonquartett. Foto: Igor Studio
Interview vor dem Livekonzert  

Kebyart Saxofonquartett in Cuxhaven

31.01.2026

Was haben Bach, Steve Reich und ein Rapper gemeinsam? Das Kebyart-Saxofonquartett weiß die Antwort. Am 7. Februar gastieren die Spanier in der Herz-Jesu-Kirche in Cuxhaven. Pere Méndez und Víctor Serra geben im Gespräch Einblick in ihr Programm.

Was bedeutet Ihr Ensemblename? Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Pere Méndez: Unser Name stammt vom Instrument Gamelan Gong Kebyar. Dabei handelt es sich um ein indonesisches Schlaginstrument, das von mehreren Personen gespielt wird. Es wird jedoch als ein einziges Instrument betrachtet. Man muss also eine Art gemeinsames, sehr synchronisiertes Spiel entwickeln.
Víctor Serra: Das balinesische Wort "kebyar" bedeutet so viel wie "aufplatzen", etwa der Moment, in dem sich eine Blume öffnet. Als wir in Barcelona unser Ensemble gründeten und einen Namen brauchten, haben wir uns in diese Bedeutung verliebt.

In Ihrem Programm spannen Sie einen Bogen von Bach bis in die Jetztzeit - mit der "Homage to Gershwin" ist sogar eine Deutsche Erstaufführung dabei. Wie passen die Werke zueinander?

Méndez: Wir haben für das Programm den Oberbegriff "Amerikanischer Kontrapunkt" gefunden. Alle Stücke tragen eine amerikanische Handschrift. So feiern wir 2026 mit den Vereinigten Staaten deren 250-jähriges Jubiläum, das Saxofon ist dort ja ein sehr beliebtes Instrument. Ein Programm also mit ausschließlich amerikanischen Komponisten - mit Ausnahme von Bach, der ja der Meister des Kontrapunkts war. Er sorgt für eine Art Entspannung in der Mitte des Programms.

Von Steve Reich spielen Sie mit "New York Counterpoint" einen Klassiker der Minimal Music. Haben Sie Steve Reich auch persönlich getroffen?

Serra: Leider haben wir ihn noch nicht getroffen. Und er wird langsam alt, also sollten wir das bald machen. Unsere Frage wäre wahrscheinlich, ob er etwas speziell für uns schreiben könnte. Ich weiß nicht, wie verrückt das wäre, aber wir sind offen für alles.
Méndez: Und wir möchten ihm auch alles Gute zum Geburtstag wünschen, denn 2026 wird er 90 Jahre alt. Deshalb ist dieses Stück auch Teil unseres Programms. Wir wollten ihm irgendwie zum Geburtstag gratulieren.

Was macht Ihr Konzert zu etwas Besonderem?

Serra: Ich würde da das Stück von Steve Reich herausgreifen, ein Werk mit Elektronik. Da sind auf dem Podium zwölf Saxofone zu hören - obwohl wir nur zu viert sind. Also mussten wir acht Stimmen vorab aufnehmen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Live und Elektronik.

Dani López Pradas ist selbst Saxofonist und hat "Echoing Rhapsodies" für Sie komponiert. Worauf dürfen wir uns hier gefasst machen?

Serra: Er hat einen interessanten traditionellen Ansatz, ist dabei aber sehr offen und arbeitet auch viel mit Popkünstlern zusammen. Er hat zugegeben, dass er für uns einige Dinge ausprobiert und viel mit dem Saxofon experimentiert hat. Das war für uns durchaus eine Herausforderung. Es gibt da einige Effekte im Jazz-Stil, wie eben auch bei Gershwin zu seiner Zeit, der ja klassische, aber vom Jazz beeinflusste Musik machte. Man kann es vielleicht so zusammenfassen: Dani hat versucht, sich vorzustellen, was passiert wäre, wenn George Gershwin den Rapper Kendrick Lamar getroffen hätte.

William Albrights "Fantasy Etudes" gehören zu den wenigen Kompositionen, die im Original für Saxofonquartett geschrieben sind. Orgel und Saxofon: Gibt es da eine Verbindung?

Méndez: William Albright war Organist, aber auch Komponist. Seine Fantasie-Etüden sind Georg Ligeti gewidmet und wurden von dessen Klavieretüden inspiriert. Diese Etüden, aber ebenso die "Fantasy Etudes", sind eine Welt für sich. Sie reichen von der Imitation von Dudelsäcken und des Harmoniums bis hin zu Anklängen von amerikanischen 1970er‑Film-Soundtracks, in denen Big Bands die Hauptrolle spielten. Ja, Orgel und Saxofon können manchmal sehr ähnlich klingen. Allerdings können wir viel flexiblere Klänge erzeugen.

Sie sagten, dass Bachs "Allein Gott in der Höh sei Ehr" der Ruhepol im Programm sei ...

Méndez: Wir lieben es, Bach zu spielen! Das tun wir schon seit den Anfängen des Quartetts. Er ist so etwas wie unsere Bibel. Mit Bach wollen wir einen Kontrapunkt zu den amerikanischen Komponisten setzen und zudem eine Verbindung zu Deutschland herstellen und zum Thema "Kontrapunkt". Aus einer einfachen Melodie entwickelt Bach einen vierstimmigen kontrapunktischen Satz, der einfach die schönste Musik ist.

Sie treten häufig in Deutschland auf. Was verbindet Sie mit diesem Land?

Méndez: Wir leben zwischen Deutschland und Spanien, wobei Deutschland eines der Länder ist, in denen wir am häufigsten auftreten. Wir haben große Hochachtung vor dem Publikum und den Musikinstitutionen hier. Sie leisten großartige Arbeit. Ja, schon bei der ersten Begegnung spürt man diesen Respekt, den man in vielen anderen Ländern nicht findet.

Auf einen Blick:

Kebyart-Saxofonquartett
Sonnabend, 7. Februar, 18 Uhr
Herz-Jesu-Kirche am Meer, Cuxhaven
Stadtklang-Konzerte

Tickets: Kulturinformation im Schlossgarten 2, Telefon (0 47 21) 6 22 13, online: www.cuxhaven.de/tickets

Pere Méndez vom Kebyart-Saxofonquartett freut sich auf das Konzert in der Herz-Jesu-Kirche am Meer in Cuxhaven. Foto: Igor Studio

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