Neue Ferienwohnungen in Cuxhaven: Warum Anwohner in Grimmershörn jetzt protestieren
Ein modernes Ferienapartmenthaus spaltet die Meinungen im Stadtteil Grimmershörn. Während die Stadt auf bestehende Bebauungspläne verweist, sehen Anlieger eine "städtebauliche Fehlentwicklung" und fürchten um den gewachsenen Charakter ihrer Umgebung.
Der geplante Neubau an der Prinzessinnentrift im Stadtquartier Grimmershörn sorgt für Unmut. Während der Bauherr auf den Flurstücken 177 und 178 ein modernes Ferienapartmenthaus errichten will, formiert sich Widerstand in der unmittelbaren Nachbarschaft. Einige Anlieger befürchten eine "städtebauliche Fehlentwicklung" und massive Einbußen für ihr Wohngebiet.
"Der Neubau kommt einer Abriegelung von Landschaft und Natur gleich", schreibt Dirk Wurzer stellvertretend für mehrere Anlieger in einem Brief an den Bauausschuss der Stadt. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die geplante Ausrichtung des Gebäudes: Statt längs zur Straße soll der Bau quer zur gewachsenen Bebauungsstruktur errichtet werden. "Bei der ursprünglichen Aufteilung der Flurstücke ist erkennbar, dass eine solche Bauplanung nicht das Ziel war", argumentiert Wurzer. Das Wohngebiet zeichne sich bisher durch ruhige Lage, homogene Bebauung und großzügige Sichtachsen aus.
Sorge um gewachsenen Charakter des Quartiers
Anlieger befürchten nicht nur optische Beeinträchtigungen. "Der zu erwartende Wertverlust, in Ergänzung eines zusätzlichen finanziellen Aufwands für die Umsetzung zukünftiger Energievorgaben, erhöht das finanzielle Altersrisiko", heißt es in dem unserem Medienhaus vorliegenden Schreiben. Viele Eigentümer hätten in ihre Immobilien als Altersversorgung investiert. Hinzu kämen Sorgen um die ohnehin angespannte Parkplatzsituation und den zunehmenden Verkehr in der ruhigen Wohnstraße.
Die Polzin-Gezer Immobilien GmbH aus Bremerhaven hatte Mitte Dezember den Bauantrag für das Projekt "Prinzessinnentrift N°13" bei der Stadtverwaltung eingereicht. Wie bereits ausführlich berichtet, sind dort 28 Wohneinheiten auf sechs Geschossen geplant, wobei die beiden unteren Etagen als Parkgarage dienen sollen. Der Abriss der beiden Altbauten ist bereits abgeschlossen.
Stadt verweist auf geltenden Bebauungsplan
Aus dem Rathaus kommt eine klare Antwort. "Wir haben dort einen geltenden Bebauungsplan, den der Rat der Stadt Cuxhaven beschlossen hat. Und dieser Bebauungsplan gibt den Rahmen vor", erklärt Stadtbaurat Andreas Eickmann auf Anfrage. Die Verwaltung prüfe nun, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien. "Innerhalb dieses Rahmens kann der Bauherr sich natürlich bewegen."
Bereits im November 2024 hatte die Stadt einen Vorbescheid erteilt. Darin wurde bestätigt, dass auf dem Grundstück eine Ferienwohnnutzung zulässig ist und maximal sechs Vollgeschosse gebaut werden dürfen. So sieht es das Sondergebiet "Kur" im Bebauungsplan vor. Sebastian Post von der städtischen Bauverwaltung weist in seiner schriftlichen Antwort an die Anlieger darauf hin, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans seit 1998 bekannt seien und "regelhaft mindestens in den Verkehrswert eines Grundstückes einfließen".
Die Argumentation der Anlieger, es handle sich um eine Wertminderung, könne er nicht nachvollziehen, schreibt Post. "Und im Übrigen hat die Verwaltung keine unmittelbare Einflusswirkung auf die privatrechtliche Preisgestaltung bei Grundstückskäufen."
Befürchtung: "Bausünden der 1970er-Jahre"
Für die Anlieger bleibt die Sorge, dass mit dem Neubau ein Präzedenzfall geschaffen wird. Sie verweisen auf eine weitere, ähnlich gelagerte Wohnanlage direkt vor dem Deich: "Beide Bauten verbinden sich zu einem visuellen Gebäudemonster und ziehen sich dann durch den gesamten Norden des Wohngebietes", heißt es in dem Schreiben weiter. Man solle nicht die "Bausünden der 1970er-Jahre" wiederholen, "die in vielen Seebädern zu sehen sind".
Die Anlieger hatten den Bauausschuss gebeten, auf eine Überarbeitung der Baupläne hinzuwirken. Ihr Anliegen wurde im November kurz im Ausschuss behandelt. Eine Interessentenliste für die geplanten Ferienwohnungen existiert bereits. Viele Interessenten kommen aus Cuxhaven. Der Wasserblick auf die Grimmershörnbucht ist gefragt. Nun heißt es abwarten, wie die Stadt über den Bauantrag abschließend entscheidet.
