Bewohnerinnen eines Pflege- und Seniorenheims in Kiew. Foto: Dmytro Kostyrko
Bewohnerinnen eines Pflege- und Seniorenheims in Kiew. Foto: Dmytro Kostyrko
Bombenangriffe und Frost

Hilferuf aus Kiew erreicht Cuxhaven: Pastor bittet um Unterstützung für die Ukraine

von Märthe Werder | 30.01.2026

In Kiew herrscht bittere Not: Stefan Bischoff, Pastor der Martinskirche in Cuxhaven, erhielt einen Hilferuf aus der Ukraine. Er bittet um Hilfe und erklärt, warum die Nachricht im Landkreis Cuxhaven gelandet ist.

"In der Hälfte von Kiew gibt es überhaupt keinen Strom, kein Wasser, kein Licht. In den übrigen Stadtteilen wird die Elektrizität nur etwa drei Stunden am Tag eingeschaltet. In vielen Mehrfamilienhäusern platzen aufgrund des starken Frostes die Wasserleitungen. Das Wichtigste ist, diesen Winter zu überstehen. Der Frost lässt nicht nach. Einen solchen Winter haben wir seit vielen Jahren nicht erlebt", diese Nachricht erreichte Pastor Stefan Bischoff am Montag (26. Januar 2026) aus Kiew.

Absender der Nachricht ist der ukrainische Pastor Dmytro Kostyrko, mit dem Bischoff, selbst Pastor der Martinskirche in Cuxhaven, seit dreieinhalb Jahren regelmäßig in Kontakt steht. Bereits Mitte Januar erhielt er eine Bitte um Unterstützung.

Pastor Stefan Bischoff beim Gespräch über die Notlage in Kiew. Foto: Märthe Werder

Familie des ukrainischen Pastors lebte in Döse

2022 kamen die ersten ukrainischen Flüchtlinge nach Cuxhaven. "Darunter war auch seine Frau, ich glaube, die Schwiegermutter und die beiden Kinder. Die haben dann in Döse gewohnt", erinnert sich Bischoff zurück. So entstand der Kontakt mit dem ukrainischen Pastor. Kostyrko selbst kümmerte sich um seine Kirchengemeinde "In Touch" in Kiew und brachte regelmäßig Hilfslieferungen, auch aus Cuxhaven, in den Osten der Ukraine - hinter die Front. Dort habe es damals schon Schwierigkeiten gegeben, genug Lebensmittel, Kleidung und Energie zu bekommen, berichtet der Cuxhavener Pastor. Kostyrko sei dann zwei- bis dreimal pro Jahr in Cuxhaven gewesen. "Im Oktober 2022 hat Kostyrko um Spenden, unter anderem für einen Stromgenerator, gebeten." Bei einem Gottesdienst am Reformationstag sind in der Martinskirche über 500 Euro zusammengekommen, erzählt der gebürtige Bremer. "Davon konnte ein Generator gekauft werden, der meines Wissens seitdem in der Kirchengemeinde in Kiew eingesetzt wird."

Der Ukrainer kümmert sich nicht nur um die Kirchengemeinde und die dazugehörigen diakonischen Einrichtungen. Er war ebenfalls als Militärseelsorger hinter der Front unterwegs - so lange es ihm möglich war. Dabei habe er sowohl Zivilisten besucht als auch die ukrainischen Soldaten, um ihnen seelischen Beistand zu geben, berichtet Bischoff.

Bombenangriffe und Minustemperaturen 

Jetzt meldete sich der Ukrainer bei dem Cuxhavener Pastor und bat erneut um Hilfe - die Lage habe sich verschlechtert. Durch vermehrte Bombenangriffe wird die Energieinfrastruktur angegriffen. "Es ist immer mehr kaputtgegangen und sie kamen bislang nicht dagegen an, es zu reparieren", erklärt Bischoff. Hinzu kommen aktuelle Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Daher wird erneut Geld für Generatoren gebraucht - dieses Mal für fünf Pflege- und Seniorenheime sowie drei Rehabilitationszentren. Diese kümmern sich um über 100 ältere und 57 alkohol- und drogenabhängige Menschen. "Da ist höchstens mal kurzfristig Strom da. Für den normalen Betrieb haben sie keinen Strom, kein Wasser und keine Heizung." Die Einrichtungen werden ebenfalls von der Kirchengemeinde betrieben.

Unter anderem für dieses Haus in Kiew wird ein Stromgenerator benötigt. Foto: Dmytro Kostyrko

Wenn Pastor Kostyrko in Cuxhaven war, hat er immer Sachspenden mitgenommen. "Aber in den letzten zwei Jahren hat sich gezeigt, dass die Trennung zwischen ihm, seiner Frau und der Familie so seelisch belastend war, dass sich die Familie im August letzten Jahres sogar entschieden hat, nach Kiew zu ziehen", erzählt Bischoff. Im August 2025 war der ukrainische Pastor daher zuletzt in Cuxhaven. "Ich wüsste daher aktuell nicht, wie Sachspenden in die Ukraine gebracht werden könnten."

Die Kirchengemeinde habe sich entschieden, selbst eine größere Spende in die Ukraine zu überweisen, sagt er. Wie viel ein Stromgenerator aktuell koste, wisse Bischoff nicht. "Damals hat der zwischen 400 und 500 Euro gekostet." Den Hilferuf hat der Pastor der Martinskirche auch an andere Gemeinden weitergeleitet. "Es ist die Hoffnung, dass man mit Vielen mehr erreichen kann."

Bewohnerinnen und Bewohner der diakonischen Einrichtungen in Kiew. Foto: Dmytro Kostyrko

Spendenkonto

Spenden für die Evangelische Kirchengemeinde "In Touch" in Kiew können überwiesen werden an:

Das Kirchenamt Elbe-Weser

IBAN DE32 2415 0001 0000 1089 02

Stichwort 5814-31100 : Diakonie der Ev. Kirche "In Touch" in Kiew

Bei Angabe des Namens und der Adresse können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mwerder@no-spamcuxonline.de

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