Für die Pressefreiheit: 250 Menschen solidarisieren sich mit Cuxhavener Journalisten
Auf Initiative der Cuxhavener "Omas gegen Rechts" und des lokalen Bündnisses für Respekt und Menschenwürde haben sich am Sonnabend rund 250 Menschen zu einer Mahnwache vor unserem Medienhaus versammelt.
Unter dem Motto "Pressefreiheit schützen, Solidarität mit den Cuxhavener Nachrichten" wandten sich die Teilnehmer gegen Anfeindung und Bedrohung von Journalistinnen und Journalisten.
Es gab dafür einen konkreten Anlass: Als Berichterstatter über eine Mitgliederversammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln war CN/NEZ-Redakteur Tim Larschow auf anonymem Wege unmissverständlich bedroht worden. Der Kollege hatte über den Auftritt des als Rechtspopulist eingestuften Youtubers Anthony Lee geschrieben. Letzterem hatte der Hadelner Rinderzuchtverein am 7. Januar ein Forum geboten.
Zeichen auf Initiative der "Omas gegen Rechts"
Zu der aktuellen Mahnwache hatten die Cuxhavener "Omas gegen Rechts" aufgerufen. Aufmerksam geworden durch die Berichterstattung habe man sehr schnell beschlossen, ein Zeichen zu setzen, rekapitulierten Martina Kreß und Doris Henningson. "Als wir zehn Leute zusammen hatten, haben wir gesagt, wir machen eine Veranstaltung." Am Ende hätten sich deutlich mehr Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden, so Kreß mit Blick auf die Menge vor dem Pressegebäude an der Abschnede.
Am Sonnabend hatten sich dort gegen 12 Uhr bis zu 250 Menschen versammelt. Dem anonym bedrohten Redakteur den Rücken zu stärken, war das Anliegen der eines breiten Teilnehmerfeldes, das sich aus Leserinnen und Lesern, Bürgern sowie aus Vertretern unterschiedlicher Parteien, Verbänden und Initiativen zusammensetzte. Nach einem Grußwort von Blattmacher Frank Lütt griff Oberbürgermeister Uwe Santjer zum Mikrofon und zog zunächst den Vergleich zwischen den Außentemperaturen und einem an Kälte gewinnenden politischen Klima. Vor diesem Hintergrund müssten Demokraten zusammenzustehen. "Wir lassen uns nicht trennen, wir sind viel mehr", sagte Santjer und rief dazu auf, Verschwörungstheorien und gezielter Desinformation keinen Raum zu geben.
Abgrenzung zwischen Handwerk und Geschwurbel
Als Sozialdemokrat und Gewerkschafter appellierte Gunnar Wegener an die Kundgebungsteilnehmer, die über viele Jahrzehnte hinweg sicher geglaubte Demokratie aktiv zu verteidigen. "Jeder von uns muss sich fragen: Was habe ich dafür getan, dass ich heute hier stehen und frei meine Meinung sagen darf?" Journalistisches Handwerk grenzte Wegener klar von jenen Inhalten ab, die der Influencer im Netz verbreitet: Während im ersten Fall recherchiert, nachgehakt und kommentiert werde, bastele sich Anthony Lee "unter dem Mantel von Berichterstattung" aus zusammengeschnittenen Segmenten eine zweifelhafte, eigene Wahrheit zurecht.
Ähnlich äußerte sich Jan Heusmann, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Wesermünde, der die Bedeutung eines faktenbasierten Diskurses hervorhob. Mit mehreren Kollegen (darunter ein Landwirt aus Hadeln) erklärte sich Heusmann mit der in Reaktion auf den Lee-Auftritt erfolgten Berichterstattung solidarisch.
Fragen nach Background eines Redners legitim
Selbst wenn Vereinsinterna im fraglichen Artikel außen vor geblieben seien: Wenn der menschengemachte Klimawandel geleugnet werde, so Heusmann, habe ein Journalist die Aufgabe nachzuhaken. "Er hat sich auch mit der Frage zu beschäftigen: Was für ein Knabe ist der Redner eigentlich, was für ein Umfeld hat er und welche Verbindungen hat er sonst?"
Für das örtliche Bündnis für Respekt und Menschenwürde sprach sich Frank Struß dafür aus, Einschüchterungsversuche - auch und gerade gegen Journalistinnen und Journalisten - klar zu benennen. "Wenn wir zulassen, dass Drohungen und Hetze den öffentlichen Diskurs bestimmen, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie machen", sagte Struß. Im Namen der Kundgebungsteilnehmer äußerte er sein Unverständnis darüber, dass der Rinderzucht- und Besamungsverein einen Redner, "der unsere demokratische Ordnung verächtlich macht", überhaupt eingeladen habe.
Schweigen und Wegsehen: "Keine neutralen Haltungen"
Dass die Einladung Lees anschließend verteidigt wurde, mache einen fassungslos - nicht minder auch wie die Tatsache, dass diejenigen, die mit Lees Inhalten nicht einverstanden waren, nicht den Saal verlassen hätten. "Schweigen und Wegsehen sind keine neutralen Haltungen", betonte Struß.



