Keine Angst vor Trash: Ausnahme-Pianist Florian Wagner sang und spielte in Duhnen
Musikkabarettist Florian Wagner spielte, sprach und sang am Dienstagabend im Saal der Kurverwaltung in Duhnen. Für sein mitreißendes Mare-"Warm-up" heimste der 33-Jährige stehende Ovationen ein.
Er beschreibt sich als Kind der Neunziger, sozialisiert mit den Simpsons, den Spice Girls und mit Super Mario. Wobei Florian Wagner wohl schon in Jugendtagen mehr Zeit am Klavier verbracht hat als am Gameboy. Ein Ausnahmetalent ist er in jedem Fall, das bewies sein Cuxhaven-Gastspiel, bei dem der Münchener zusammenbrachte, was Generationen von Musiklehrer als unvereinbar empfanden. So mischte sich etwa ein treibender Groove unter ausufernde Appregien - und was eben noch nach Mozart oder Liszt klang, mündete in einen Top 40-Hit aus dem vor-vorletzten Jahrzehnt. "Funk You" heißt Wagners aktuelles Programm, und Grenzüberschreitungen sind dabei keine oberflächliche Effekthascherei, sondern komplex gestaltete Symbiosen. Mit zehn Fingern und dem Fuß am Pedal imitiert Wagner Gitarrenriffs und Rhythmusgruppe, um bekannte Ohrwürmer im nächsten Moment virtuos zu zerlegen.
Nonchalance und eine Menge technisches Können
Nonchalance, technisches Können und die eigene Begeisterungsfähigkeit sind hier die wichtigsten Zutaten: Damit holt der Künstler auch Zuhörer ab, die Debussy höchstens vom Hörensagen her kennen, den Klingelton ihres ersten Nokia-Handys aber bis heute im Schlaf mitsummen können.
"Auch das ist Musik", sagt uns Wagner und bringt auf diese Weise ein demokratisches Kunstverständnis zum Ausdruck, das prägend sein soll für das am Pfingstwochenende anstehende Mare Musik Festival. Dort können sich nicht nur typische Klassikhörer wiederfinden, sondern auch Newbies, ja selbst diejenigen, die das Genre eigentlich meiden. In Sachen Niveau sei man hingegen keine Kompromisse eingegangen, so Mathias Christian Kosel, musikalischer Festivalleiter, am Rande des "Warm-up".
Ironischer Blick auf die eigene Musikerrolle
Qualitativ musste man schon beim Vorglühen keinerlei Abstriche machen: Im überschaubaren Saal "Windjammer" konnte das Publikum hautnah miterleben, was für ein brillanter Pianist sein Cuxhaven-Debüt gab. Sympathisch dabei war, wie Florian Wagner die ihm eigene (und mit Kleinkunst und Kabarett-Preisen bedachte) Musiker-Rolle mit viel Selbstironie hinterfragte. Nicht nur, dass er sich über seine Gelegenheitsjobs als Bar-Pianist mokierte. Zum Einstieg servierte der 33-Jährige seinen Zuhörern erst mal ein "Schlechtes Lied". So etwas darf sich nur trauen, wer ansonsten zu überzeugen vermag. Florian Wagner hat diese Fähigkeit definitiv.
