Nicht etwa als Juniorpartner: Lebenshilfe Cuxhaven ist Teil des regionalen Netzwerks
Anfang des Jahres trat Fabian Scharping als neuer Geschäftsführer der Werkhof und Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven gGmbH an. Er traf auf ein Unternehmen, das wirtschaftlich und sozial in der Region verankert ist und überall aktiv mitmischt.
Als Fabian Scharping im Januar als neuer Geschäftsführer der Werkhof und Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven antrat, nahm er sich vor, in allen Bereichen des Werkhofs und Wohnen in Cuxhaven und Hemmoor zu hospitieren. Noch ist die Runde nicht beendet, aber der Eindruck eines richtig gut aufgestellten sozialen Unternehmens hat sich bereits verfestigt.
Zu verdanken sei das seinem Vorgänger Werner Ludwigs-Dalkner und allen anderen Beteiligten. Die Lebenshilfe sei breit in der hiesigen Gesellschaft verankert; besonders spürbar im Cap-Markt in Groden und im Kubi (Kulturbistro), zwei Leuchtturmprojekten mit hoher Außenwirkung.
Seniorenbetreuung gewinnt an Bedeutung
Aber auch in den anderen Werkstattbereichen arbeitet sich Fabian Scharping vor, war schon mit "De Goornlüüd" (Garten-Dienstleistungsgruppe) unterwegs und lernt die Wohngruppen kennen. Sehr gefallen habe ihm auch der Besuch in der Tagesstätte der Seniorinnen und Senioren. Nachdem den NS-Gewaltregime brauchte es eine Generation, bis Menschen mit Behinderungen überhaupt wieder das Rentenalter erreichen konnten. Umso mehr Gewicht bekommt das Thema heute, weshalb im Neubau an der Brockeswalder Chaussee eine weitere Seniorentagesbetreuung vorgesehen ist.
Lebenshilfe prescht mit Wohnprojekt vor
Das durch Werner Ludwigs-Dalkner weiterbegleitete Bauprojekt bietet darüber hinaus Platz für mehrere Wohngruppen und WGs der Lebenshilfe, aber es entstehen auch mehrere kleine barrierefreie Wohnungen, die frei auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden. Dass die Lebenshilfe zum wiederholten Mal dem Notstand aktiv begegnet, ist für Fabian Scharping ein beeindruckendes Signal in einem Umfeld, in der der Wind sozialen Institutionen zunehmend schärfer entgegen weht.
Erwogene Sparmaßnahmen wären kurzsichtig
Gerade stemmt sich der Bundesverband Lebenshilfe (Teil des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der die Pläne öffentlich machte) vehement gegen die in Geheimverhandlungen von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden ersonnenen massiven Einschnitte in den Sozialstaat, die die Teilhabe aller Menschen mit Behinderungen stark einschränken würden. Für Fabian Scharping wäre das - nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht - kurzsichtig: "Eine gute soziale und inklusive Arbeit spart viel Geld", weiß er. "Allein, was hier alles möglich gemacht wird, macht Mut, den Kostenträgern zu vermitteln, dass diese Arbeit gut und wichtig ist."
Selbstverständnis als Partner der Wirtschaft
Mit ihren Dienstleistungen sei die Lebenshilfe Teil des Wirtschaftskreislaufs in Deutschland, Cuxhaven und dem Cuxland. "Das ist hier kein Paralleluniversum." Vielmehr sei die Lebenshilfe Partner der Wirtschaft. Die positive Außenwirkung bestätige sich auch in den Rückmeldungen an den Fachdienst für berufliche Integration, dessen Aufgabe es ist, Menschen an Arbeitsstellen außerhalb der Werkstatt zu vermitteln: "Alle Arbeitgeber spielen uns zurück, dass das eine Bereicherung ist", so Scharping. Begegnung und Rücksicht wirkten sich erfahrungsgemäß auf Haltung und Atmosphäre des ganzen aufnehmenden Betriebs aus.
Engagement ist keineswegs selbstverständlich
Erfreut hat er Scharping außerdem das Selbstbewusstsein der Beteiligten im Werkstattrat und im Bewohnerbeirat sowie das Engagement des Betriebsrats registriert: "Wir sind in allen Bereichen der Selbstvertretung sehr gut aufgestellt." Alles andere als selbstverständlich sei darüber hinaus das Engagement der Assistenz, die Menschen mit Beeinträchtigungen Lebensqualität durch Teilhabe, zum Beispiel mit Freizeitangeboten oder Reisen, biete. "Alles mitgetragen durch ein sehr hohes ehrenamtliches Engagement - wo ist da das Einsparpotenzial?" fragt er.
Investitionen und Teilhabe zahlten sich am Ende durch mehr Sinn im Leben, aber auch mehr Geld im Wirtschaftskreislauf aus - "auch durch unser eigenes Personal, also alle Beschäftigten im Bereich Versorgung/Betreuung", so Scharping.
"Froh für jedes ehrenamtliche Engagement"
Die Verbindung des 54-jährigen Volljuristen zur Institution Lebenshilfe entstand an der vorigen Wirkungsstätte in Gießen. Scharping ist Nordlicht und stammt aus Hamburg. Die Lebenshilfe Cuxhaven war ihm schon auf der Werkstatt-Messe "You can" aufgefallen. Zusammen mit Frau und Sohn bereitet er den baldigen Umzug nach Cuxhaven vor, wo er sich sehr herzlich aufgenommen fühlt. Gefeiert soll dies mit geladenen Gästen beim Sommerfest am 12. Juni. Dann wird auch Werner Ludwigs-Dalkner feierlich in den Ruhestand verabschiedet und gleichzeitig das 65-jährige Jubiläum der Lebenshilfe Cuxhaven gefeiert.
Und wenn er noch einen Wunsch frei hätte? "Ich bin froh über jeden, der sich ehrenamtlich engagiert", sagt Fabian Scharping. "Es bereichert auch selbst und verändert den Blick auf die Dinge und die Welt."