Kurpark-Debatte geht weiter: Tiergehege in Cuxhaven erhalten oder neue Wege gehen?
Weitere Leserinnen und Leser melden sich zur Zukunft der Tierhaltung im Döser Kurpark zu Wort. Die meisten plädieren für ein Ende des kleinen Zoos und bringen konkrete Alternativen ins Spiel. Doch es gibt auch eine Stimme für den Erhalt.
Die Frage, ob Pinguine, Uhus und andere Tiere noch in einen modernen Kurpark gehören, beschäftigt weiterhin viele Menschen. Nach den ersten, überwiegend kritischen Reaktionen auf den Beitrag zum 90. Geburtstag der Döser Anlage haben sich weitere Leserinnen und Leser an die Redaktion gewandt. Ihre Zuschriften zeigen: Die Tierhaltung wird mehrheitlich abgelehnt - zugleich wächst die Zahl der Ideen, wie sich der Kurpark ohne lebende Tiere weiterentwickeln könnte. Eine Leserin spricht sich hingegen ausdrücklich für den kleinen Zoo aus.
Dr. Jessica Lütge und Hans Hochfeld, Kuratorin und Vorsitzender des Cuxhavener Kunstvereins, schildern ihre persönliche Sicht auf den Park. Viele Menschen verbänden die Tiere zwar mit Kindheit, Urlaub und Familienausflügen. Heute löse ein Besuch bei ihnen jedoch eher Unbehagen aus. "Uns erfüllt der Besuch inzwischen eher mit Beklemmung als mit Freude", schreiben sie. Besonders die Vogelhaltung empfinden sie als problematisch: "Ein Vogel gehört für uns in den Himmel."
Ein interaktiver "Küstenpark der Sinne"
Die beiden schlagen vor, aus dem Tierpark einen kostenlosen, interaktiven "Küstenpark der Sinne" zu machen. Denkbar seien Wege aus Sand, Holz, Steinen und Muscheln, Hörstationen mit Meeresrauschen und Vogelstimmen, Duftgärten mit Küstenpflanzen sowie Klang- und Windobjekte. Lebensgroße, künstlerisch gestaltete Figuren von Seehunden, Schweinswalen, Pinguinen oder Küstenvögeln könnten Begegnungen ermöglichen, ohne lebende Tiere dauerhaft in Gehegen zu halten.
Auch die Geschichte des Tierparks müsse dabei nicht verschwinden. Eine Ausstellung, ein Erinnerungsort oder eine Pinguinskulptur könnten an die vergangenen 90 Jahre erinnern. Die Umgestaltung wäre aus Sicht von Lütge und Hochfeld "kein Verlust, sondern eine große Chance". Zugleich könnte ein barrierearmer und inklusiver Lernort entstehen, an dem Einheimische und Urlaubsgäste die Natur der Küstenregion mit mehreren Sinnen erfahren.
Deutlich gegen die Tierhaltung spricht sich auch Angela Cierenberg-Büge aus. Die gebürtige Cuxhavenerin lebt heute in Hamburg und erinnert sich noch gut daran, bereits als Kind vor den kleinen Vogelkäfigen gestanden zu haben. Besonders der Anblick eines großen Uhus in einem engen Käfig habe sie beschäftigt. Sie bezeichnet die Haltung als "beklagenswert, traurig und herzlos".
Die Tiere sollten nach ihrer Ansicht, soweit möglich, in Freiheit oder zumindest in deutlich bessere Haltungsbedingungen gebracht werden. Anschließend solle die Tierhaltung im Kurpark vollständig beendet werden. Um die Anlage attraktiv zu halten, brauche es nicht zwangsläufig große Veranstaltungen. Auch kleinere regionale Angebote, Märkte und wechselnde Präsentationen könnten das Programm bereichern. Gefragt seien vor allem Flexibilität und Kreativität.
Eine gegenteilige Meinung vertritt Eva Westermann aus Cuxhaven. "Ich befürworte die Tierhaltung im Döser Kurpark", schreibt sie. Die Tiere seien nach wie vor ein Anziehungspunkt. Sie selbst habe sie früher gern besucht und tue dies bis heute. Statt den Zoo aufzugeben, sollten die alten Anlagen modernisiert werden. Zur Finanzierung bringt Westermann einen Spendenaufruf ins Gespräch. Auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2034 könne ein kleiner Tierpark eine zusätzliche Attraktion sein.
Für Martin Hansen stellt sich dagegen nicht die Frage, wie der Zoo verbessert werden könnte, sondern ob er überhaupt noch zeitgemäß sei. Er lehnt es grundsätzlich ab, Tiere zur Unterhaltung von Menschen in Gefangenschaft zu halten. Besonders kritisch sieht er die Pinguinhaltung. "Ein Zoo bleibt ein Zoo - unabhängig davon, wie gut die Tiere versorgt werden", schreibt er. Auch große Beliebtheit sei kein ausreichendes Argument: "Beliebtheit macht etwas nicht automatisch richtig."
Als Alternative schlägt Hansen vor, in eine Wildtier- oder Seehundrettungsstation zu investieren. Dort könnten verletzte Tiere versorgt und später wieder ausgewildert werden. Gleichzeitig ließe sich über Gefahren für Wildtiere, Naturschutz und die Folgen menschlichen Handelns informieren.
Damit erweitert sich die Debatte: Neben der grundsätzlichen Frage nach dem Tierwohl geht es zunehmend darum, welches Profil der Kurpark künftig haben soll. Küstenerlebnis, Kunst, Umweltbildung, eine Rettungsstation oder modernisierte Gehege - an Ideen mangelt es nicht. Eine Entscheidung darüber, welche Rolle Tiere künftig in der 90 Jahre alten Anlage spielen, dürfte dennoch nicht leichtfallen.
Ihre Meinung ist gefragt
Gehören Pinguine, Uhus und andere Tiere auch künftig in den Cuxhavener Kurpark? Soll die Tierhaltung modernisiert, verkleinert oder ganz beendet werden? Schreiben Sie uns, wie Sie darüber denken - gern auch mit Ihren persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Senden Sie Ihre Meinung per E-Mail an mangels@cnv-medien.de.
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