Die Humboldtpinguine sind die "Stars" im Döser Kurpark. Die Fütterung der Frackträger lockt regelmäßig viele Besucherinnen und Besucher an. Foto: May
Die Humboldtpinguine sind die "Stars" im Döser Kurpark. Die Fütterung der Frackträger lockt regelmäßig viele Besucherinnen und Besucher an. Foto: May
Das sagen Tierschützer und Leser

Cuxhaven diskutiert über den Kurpark in Döse: Sind Tiergehege noch zeitgemäß?

von Christian Mangels | 13.07.2026

Seit 90 Jahren gehören Tiere zum Kurpark in Döse. Viele Cuxhavener und Urlaubsgäste verbinden mit Pinguinen, Kaninchen und Vögeln schöne Erinnerungen. Doch heute stellt sich die Frage: Passt Tierhaltung wirklich noch in einen modernen Familienpark?

Anlässlich des 90. Geburtstags des Kurparks hat cnv-medien.de die Leserinnen und Leser um ihre Meinung gebeten. Die ersten Reaktionen fallen überwiegend kritisch aus. Zugleich wünschen sich die Einsender für die bereits dort lebenden Tiere keine übereilten Entscheidungen, sondern Lösungen, die Alter, Gesundheit und Bindung an vertraute Pfleger berücksichtigen.

Die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven spricht sich gegen die künftige Haltung von Wildtieren und exotischen Arten im Kurpark aus. "Wildtiere sollten nicht mehr in einer Parkanlage gehalten werden", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Norbert Welker. Bei den vorhandenen Tieren müsse jedoch der Einzelfall betrachtet werden. Der Uhu erhalte vermutlich sein "Gnadenbrot", da eine Umsetzung lebensgefährlich sein könne. Auch die Humboldtpinguine seien stark an ihre Pflegerin und die gewohnte Umgebung gebunden. Ein Wechsel bedeute erheblichen Stress. Dennoch empfiehlt der BUND: "Wir würden die Haltung auslaufen lassen."

Ein Erlebnisbauernhof mit alten Haustierrassen

Als Alternative schlägt die Kreisgruppe einen Erlebnisbauernhof mit alten, vom Aussterben bedrohten Haustierrassen vor. Dieser könne einen stärkeren Bezug zu Norddeutschland und zum Wattenmeer herstellen. Zudem sollten Angebote zur Beobachtung freilebender Tiere ausgebaut werden, etwa durch Führungen im Wattenmeer, Wernerwald oder Brockeswald.

Auch eine Cuxhavener Leserin, deren Name der Redaktion bekannt ist, hält die Tierhaltung nicht mehr für zeitgemäß. Die Gehege seien zu wenig an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere orientiert. Besonders kritisch sieht sie die Nähe zu Veranstaltungen. Musik sei mit erheblicher Lautstärke verbunden und vertrage sich kaum mit Tieren, die ein feines Gehör hätten, nachtaktiv seien oder tagsüber Ruhe benötigten.

Sie schlägt eine schrittweise Umwandlung in einen tierfreien Erholungspark vor. Der Kurpark könne weiterhin ein grünes Kleinod bleiben: ein schattiger Ort zum Flanieren, Picknicken und Erholen, mit Spiel- und Erfahrungsräumen für Kinder, Natur- und Tierschutzprojekten sowie insektenfreundlichen Pflanzen.

Leserin Martina Steger stellt die grundsätzliche Frage, ob Menschen das Recht haben, Wildtiere einzusperren, um sie betrachten zu können. Ihre Antwort fällt eindeutig aus: "Ich meine: Nein." Während Besucher den Park jederzeit verlassen könnten, bleibe den Tieren diese Freiheit verwehrt. 

Auch die lange Geschichte der Tierhaltung im Kurpark sei kein ausreichender Grund für ihre Fortführung. "Tradition allein ist kein Argument dafür, etwas fortzuführen", betont Steger. Gesellschaftliche Werte veränderten sich. Deshalb solle nicht nur über Modernisierung oder Verkleinerung gesprochen werden. "Es ist Zeit, dieses Kapitel zu beenden."

Der Verein "Tierschutz - Eine Pfote, ein Versprechen" begrüßt die öffentliche Debatte. Vertreter hätten bereits an einer Informationsveranstaltung der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH zur Zukunft des Parks teilgenommen. Der Verein lehnt die Zurschaustellung von Tieren zu Unterhaltungs- oder Attraktionszwecken grundsätzlich ab. "Heute steht nicht mehr die Frage im Mittelpunkt, ob Tiere Besucher anziehen, sondern ob ihre Haltung ihren artspezifischen Bedürfnissen tatsächlich gerecht wird", erklärt Vorstandsmitglied Jelka Tetzlaff.

Dabei unterscheidet der Verein zwischen wissenschaftlich arbeitenden Zoos, die sich nachweislich an Zuchtprogrammen, Forschung, Umweltbildung und Artenschutz beteiligen, und kleineren Einrichtungen, bei denen vor allem die Präsentation im Vordergrund stehe.

Der alte Uhu kann nicht ausgewildert werden

Auch der Verein verweist auf die besondere Situation des Uhus. Nach seinem Kenntnisstand ist das Tier sehr alt und blind. Es könne weder ausgewildert werden noch sich vermutlich in einem neuen Revier zurechtfinden. Dieser Einzelfall verdiene "Respekt und Mitgefühl". Er ändere jedoch nichts an der Forderung, künftig keine weiteren Tiere dauerhaft im Kurpark zu präsentieren.

Stattdessen schlägt der Verein einen modernen Naturerlebnispark vor. Denkbar seien interaktive Informationstafeln zur Tierwelt der Nordseeküste, Naturpfade, Beobachtungsstationen für freilebende Tiere und digitale Ausstellungen mit Virtual- oder Augmented-Reality-Technik. Hinzukommen könnten Spielbereiche, Outdoor-Fitnessgeräte, ruhige Aufenthaltsorte und naturnahe Begegnungsflächen.

"Wir sind überzeugt, dass sich Tierwohl, Umweltbildung und Tourismus heute nicht mehr gegenseitig ausschließen müssen", erklärt Tetzlaff. Innovative Angebote könnten den Kurpark sogar attraktiver machen - ohne Wildtiere dauerhaft in Gehegen und Volieren zu halten.

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Christian Mangels

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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