Cuxhaven bekommt die Landesgartenschau 2034 - jetzt formiert sich der Protest
Die Vergabe der Landesgartenschau 2034 lässt in Cuxhaven die Wellen hochschlagen: Während SPD und CDU Euphorie zeigen, formiert sich Widerstand bei Grünen und Bürgern. Ein Bürgerbegehren könnte nun die politische Landschaft aufwühlen.
Die Entscheidung ist gefallen, doch Ruhe kehrt in Cuxhaven nicht ein. Während die Landesregierung den Zuschlag für die Landesgartenschau 2034 bereits Anfang Juni verkündet hatte, zeigt sich erst jetzt, wie tief der politische Graben in der Stadt verläuft. Unser Medienhaus hat die Vorsitzenden der fünf Ratsfraktionen befragt. Das Ergebnis: eine Stadt zwischen Aufbruchsstimmung und offenem Widerstand.
Freude bei SPD und CDU
Gunnar Wegener, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion, sieht in der Gartenschau eine Chance für die "nachhaltige Entwicklung der Stadt als Stadt am Meer". Die Sozialdemokraten verweisen auf bereits laufende Vorarbeiten. Wegener nennt den Deichband und die begonnene Sanierung des Schlossgartens als Beispiele dafür, dass der investive Teil längst angelaufen sei.
Noch euphorischer äußert sich die CDU. In einer Pressemitteilung, die noch vor der Fragerunde der Redaktion einging, feiert Fraktionsvorsitzender Thiemo Röhler die Entscheidung als Lohn jahrelanger Arbeit: "Ein langer Weg findet nun sein berechtigtes positives Ergebnis!" Bereits 2021 habe die CDU-Fraktion den Bewerbungsantrag gestellt. OB-Kandidat Thomas Brunken ergänzt: Mit schwimmenden Gärten im Bauhafen, einem erneuerten Kurpark und einem neu erstrahlenden Schlossgarten werde die Gartenschau zum Highlight für Einheimische und Gäste.

Grüne fordern klare Grenzen
Ganz anders liest sich die Antwort von Robert Babacé. Der Grünen-Ratsherr nennt die Vergabe eine "politische Fehlpriorisierung" und wirft der Landesregierung vor, auf Eventpolitik statt auf echte Transformation zu setzen. Die vier Millionen Euro Landesförderung bezeichnet er als "symbolischen Beitrag", der in keinem Verhältnis zu den Gesamtkosten stehe. Sollte die Gartenschau dennoch kommen, verlangen die Grünen eine verbindliche Ausgabendeckelung und den Verzicht auf, wie Babacé es nennt, "kurzfristige Showflächen". Für ihn zählt am Ende nur, was dauerhaft bleibt: sichere Radwege, entsiegelte Flächen, mehr Stadtgrün.
Die Cuxhavener starten ein Bürgerbegehren.
Am schärfsten fällt der Widerspruch von Peter Altenburg aus. Der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" verweist auf die Haushaltslage der Stadt, die bis 2029 auf saldierte Soll-Fehlbeträge von knapp 278 Millionen Euro und Liquiditätskredite von fast 138 Millionen Euro zusteuere. Vor diesem Hintergrund frage er sich, "welche Rolle das Innenministerium bei der Entscheidung gespielt hat". Sein Fazit fällt eindeutig aus: "Für mich ist die LGS nicht zum Erfolg führbar." Gemeinsam mit den Mitgliedern Meike Feldmann, Sebastian Schlagmann und Franziska Schwedler unterstützt er ein Bürgerbegehren gegen die Landesgartenschau und hofft auf die Zustimmung der Bürger als Korrektiv der Ratsentscheidung.

FDP bleibt bei Vorbehalten
Auch Günter Wichert von der FDP mag sich der allgemeinen Freude nicht anschließen. Durch die Vergabe zweier Landesgartenschauen binnen nur zwei Jahren, 2032 nach Bad Zwischenahn und 2034 nach Cuxhaven, verliere das Format an Exklusivität, so seine Sorge. Vier Millionen Euro Förderung reichten nicht aus, um eine Gartenschau zu stemmen. Wichert knüpft seine Zustimmung weiterhin an die Erfüllung kommunaler Pflichtaufgaben und nennt den ausstehenden Bau der Gorch-Fock-Schule und die Container-Lösung an der Abendrothschule als Beispiele. Erst wenn diese Grundlagen stimmten, könne die Gartenschau tatsächlich eine Chance für Cuxhaven sein."
Eines eint die fünf Stellungnahmen trotz aller Gegensätze: Die Debatte um die Landesgartenschau 2034 ist mit dem Zuschlag aus Hannover nicht beendet, sie beginnt gerade erst.
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