Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich im Döser Kurpark den Fragen des Publikums. Foto: Reese-Winne
Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich im Döser Kurpark den Fragen des Publikums. Foto: Reese-Winne
Frage-Antwort-Spiel

Verteidigungsminister Boris Pistorius in Cuxhaven: Kanzlerfrage für ihn nicht akut

von Maren Reese-Winne | 14.07.2026

Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich am Montag in Cuxhaven den Fragen des Publikums zu Bevölkerungsschutz, Wehrdienst und Kanzlerschaft. "Deutschland würde es Ihnen danken", stand auf einem Bierdeckel (mit Video).

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius live erleben zu können und danach eine Frage loszuwerden, diese Gelegenheit ließen sich am Montag die Gäste im Cuxhavener Kurpark beim Wahlkampfauftakt der SPD nicht entgehen. "Lasst uns im Gespräch bleiben", dazu hatte Pistorius zum Ende seines Eingangsstatements schließlich aufgerufen, und dem kam er auf der Bühne des Kurparks prompt nach.

Zuschauerinnen und Zuschauer hatten reichlich Fragen auf den bereitliegenden Bierdeckeln notiert. Nachdem sich alle Fragen zur Zukunft des Standorts Altenwalde mit einem schlichten Satz erledigt hatten - nämlich, dass es noch keine Entscheidung gibt -, durfte die überregional vielleicht am häufigsten gestellte Frage nicht fehlen: "Warum treten Sie nicht für das Amt des Bundeskanzlers an? Deutschland würde es Ihnen danken."

Auf bereitliegenden Bierdeckeln konnten Fragen notiert werden.

Mit Schaudern wand sich Pistorius zunächst ab, um sich dann doch zu einer Stellungnahme hinreißen zu lassen: "2029 wird, wenn die Bundesregierung hält, wovon ich ausgehe, das nächste Mal gewählt. Und da wird die SPD mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin ins Rennen gehen und die CDU ebenfalls. Punkt."

Ein Gemeinwesen hänge nicht von einzelnen Heilsbringern ab, sondern von Teamarbeit und dem Verständnis von Demokratie, Kompromiss, Handlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit. "Das hängt nicht an einer Person, sondern an Auffassung und Teamgeist." Glaubhaftigkeit, Realismus und die Fähigkeit, Bedürfnisse der Menschen zu erkennen, nannte er als wichtige Voraussetzungen politischen Handelns.

"Bevölkerungsschutz zentral verwalten"

Zum Operationsplan Deutschland (dem Handlungsplan im Fall einer militärischen Bedrohung) befragt, bezog  Pistorius ein klares Statement für eine Überwindung der Trennung zwischen dem durch den Bund gesteuerten Zivilschutz, der im Verteidigungsfall zum Tragen kommt, und dem durch Länder und Kommunen organisierten Katastrophen- und Brandschutz: "Wir brauchen einen Bevölkerungsschutz, der alles umfasst."

Es war heiß und der Minister hatte bereits eine Tour durch halb Deutschland hinter sich: So kam Uwe Santjer, Oberbürgermeister und OB-Kandidat der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen, in die Lage, ihm das Wasser zu reichen.

Im Notfall seien in vielen Fällen ohnehin dieselben Menschen mit demselben Material gefordert, zumal die Ursachen einer Notlage oft anfangs ohnehin nicht bekannt seien. Für Menschen in Not seien Rettung und nicht Zuständigkeiten vordergründig. Darüber hinaus verfüge der Operationsplan logischerweise nicht zufällig über einen öffentlichen und einen geheimen Teil, sonst könnten Wladimir Putin die Informationen auch gleich frei Haus per E-Mail geliefert werden.

Militärische und zivile Fortschritte

Auf die Frage, was aus dem Sondervermögen in den Kommunen ankomme, nannte Pistorius als Beispiele militärisch und zivil bedeutsame Infrastruktur-Projekte wie die Verstärkung von Autobahnbrücken, Straßen und Eisenbahntrassen, dazu den Bau militärischer Einrichtungen sowie den Aufbau von Organisationen der Personalgewinnung. Eine Reaktivierung des Standorts Altenwalde würde der Region reichlich Aufträge bescheren und sich positiv auf Einzelhandel und sogar Tourismus auswirken, prophezeite er. "Verteidigungsausgaben haben den Zweck, die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern, haben aber immer auch einen Effekt auf unsere Wirtschaft", so der Minister.

Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich im Döser Kurpark den Fragen des Publikums. Foto: Reese-Winne

Angekommen beim Thema Neuer Wehrdienst, setzte er auf Freiwilligkeit: Eine Verlockung könne der Erwerb des Pkw- oder Lkw-Führerscheins beim Bund darstellen, aber auch die vielfältigen beruflichen Qualifikationen. Eine Wehrpflicht  für Frauen sah Pistorius aktuell nicht im Rahmen des Möglichen: Zum einen sei die Wehrpflicht ohnehin ausgesetzt, zum anderen fehlten Kasernen und Ausbilder. Schwer wiege aber auch die für eine Grundgesetzänderung erforderliche Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag und Bundesrat - laut Pistorius wäre diese zurzeit unerreichbar.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Rattenbekämpfung

Stadt Cuxhaven geht gezielt gegen Ratten vor: Kontrollen im Stadtgebiet und Kanalnetz

von Tim Larschow

Das Thema Ratten beschäftigt die Kommunalpolitik immer wieder. In Ortsratssitzungen wird regelmäßig über Sichtungen gesprochen und Sorgen über eine zunehmende Ausbreitung geäußert. So geht die Stadt Cuxhaven mit den Nagern um.

So funktioniert es 

Wer tritt in Cuxhaven zur Oberbürgermeister-Wahl an? Ausschuss muss entscheiden

von Maren Reese-Winne

Die Wahlvorschläge für die Oberbürgermeister-Wahl in Cuxhaven liegen auf dem Tisch - aber noch hinter verschlossenen Türen: Erst wenn der Gemeindewahlausschuss über die Zulassung entschieden hat, dürfen Namen und Anzahl der Kandidaten genannt werden.

Einladung zur Teilnahme

Mahnwache für gequälte Hündin Jette auch in Cuxhaven: Tiere besser schützen

von Maren Reese-Winne

In Cuxhaven sind Menschen zur Teilnahme an einer Mahnwache zur Erinnerung an die grausam getötete Hündin Jette eingeladen. Die Demonstrierenden fordern eine Verschärfung des Tierschutzgesetzes und härtere Strafen für Tierquäler.

Exkursion

Warum Albert Ballin für Cuxhaven so wichtig war: Schüler auf Spurensuche in Hamburg

von Redaktion

Schülerinnen und Schüler zweier Gymnasien aus Cuxhaven besuchten eine Synagoge, BallinStadt und Hapag-Lloyd in Hamburg. Die Exkursion machte jüdisches Leben, Auswanderung und die Bedeutung Albert Ballins für Cuxhaven unmittelbar erlebbar.