Eine Ratte schaut aus der Öffnung einer Rattenfalle neben Mülltonnen in einem Wohngebiet. Dauerbeköderung und das vorsorgliche Auslegen von Giftködern ohne akuten Befall ist seit Juni 2026 verboten. Foto: dpa/Marcus Brandt
picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Eine Ratte schaut aus der Öffnung einer Rattenfalle neben Mülltonnen in einem Wohngebiet. Dauerbeköderung und das vorsorgliche Auslegen von Giftködern ohne akuten Befall ist seit Juni 2026 verboten. Foto: dpa/Marcus Brandt picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Rattenbekämpfung

Stadt Cuxhaven geht gezielt gegen Ratten vor: Kontrollen im Stadtgebiet und Kanalnetz

von Tim Larschow | 14.07.2026

Das Thema Ratten beschäftigt die Kommunalpolitik immer wieder. In Ortsratssitzungen wird regelmäßig über Sichtungen gesprochen und Sorgen über eine zunehmende Ausbreitung geäußert. So geht die Stadt Cuxhaven mit den Nagern um.

Das Thema Ratten beschäftigt die Kommunalpolitik immer wieder. In Ortsratssitzungen werden regelmäßig Sichtungen gemeldet und Sorgen über eine zunehmende Ausbreitung geäußert. Begriffe wie "Rattenplage" oder "Ratteninvasion" fallen häufig, wenn Bürgerinnen und Bürger Tiere auf ihrem Grundstück oder in der Nachbarschaft entdecken und sich an die Behörden wenden.

Tatsächlich können Ratten Bakterien, Viren oder Einzeller übertragen und gelten außerdem als Vorrats- und Materialschädlinge. Eine vollständige Ausrottung ist jedoch weder möglich noch sinnvoll, da die Tiere Teil der natürlichen Nahrungskette sind.

Die Stadt reagiert auf jede Meldung

Nach Angaben der Stadt Cuxhaven stellen einzelne Ratten in der Regel keine Gefahr dar. Da die Tiere überwiegend in der Dämmerung oder nachts aktiv sind, können Sichtungen am Tag allerdings auf einen stärkeren Befall hindeuten und eine Bekämpfung erforderlich machen.

"Die Stadt Cuxhaven nimmt Hinweise auf Rattenbefall grundsätzlich ernst und geht gemeldeten Vorkommen konsequent nach", erklärt Marcel Kolbenstetter, Pressesprecher der Stadt Cuxhaven. Weder die Ortsteile noch andere Bereiche des Stadtgebietes gelten demnach als Hotspots. Einzelne Sichtungen oder Meldungen über Rattenbefall seien vielmehr an unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet möglich.

Für die Bekämpfung auf Privatgrundstücken sind grundsätzlich die jeweiligen Eigentümer verantwortlich. Kommen sie ihrer Pflicht nicht nach, kann die Stadt entsprechende Maßnahmen anordnen.

"Die Rattenbekämpfung im öffentlichen Raum erfolgt durch die Stadt Cuxhaven. Hierfür wird ein zertifizierter Schädlingsbekämpfer beauftragt, mit dem ein regelmäßiger Austausch über die aktuelle Lage sowie erforderliche Maßnahmen stattfindet", sagt Kolbenstetter.

Darüber hinaus führt die Stadt regelmäßige Kontrollen im gesamten Stadtgebiet sowie im Kanalnetz durch. Das ist auch deshalb von Bedeutung, weil Teile Cuxhavens als Kurgebiet ausgewiesen sind. "Um dieses Prädikat zu erhalten, wird jährlich durch Untersuchungen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) die praktische Rattenfreiheit überprüft", schildert Kolbenstetter, der ergänzt: "Ein nachhaltiger Erfolg bei der Rattenbekämpfung ist jedoch nur möglich, wenn Verwaltung sowie Bevölkerung ihren jeweiligen Beitrag leisten."

Es gelten strengere Regeln für Rattengift

Bei der Bekämpfung von Ratten gelten inzwischen deutlich strengere Vorschriften. Seit April 2026 dürfen Privatpersonen sogenannte Rodentizide, also klassische Rattengifte, nicht mehr erwerben. Zudem ist die befallsunabhängige Dauerbeköderung - das vorsorgliche Auslegen von Giftködern ohne akuten Befall - seit dem 30. Juni 2026 gesetzlich verboten.

Giftköder dürfen nur noch eingesetzt werden, wenn ein akuter Befall nachgewiesen ist und die Maßnahme zeitlich befristet erfolgt. Hintergrund der Neuregelung sind nach Angaben der Europäischen Union "unannehmbare Risiken" bei der privaten Anwendung der Mittel. Perspektivisch sollen auch professionelle Schädlingsbekämpfer zunehmend auf alternative Verfahren umsteigen. Ein erster Schritt ist bereits umgesetzt: Seit Juli dürfen auch sie keine Dauerköder mit diesen Wirkstoffen mehr auslegen, sofern kein akuter Rattenbefall vorliegt.

Schädlingsbekämpfer warnen vor Verbot

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die verschärften Regelungen. Aus Sicht des Umweltverbandes schützen sie Wildtiere und Haustiere besser vor den Risiken der hochgiftigen Wirkstoffe und fördern alternative Methoden der Rattenbekämpfung.

Schädlingsbekämpfer beurteilen die Entwicklung dagegen kritisch. Sie befürchten, dass wirksame Mittel künftig immer seltener zur Verfügung stehen könnten. Hintergrund sei, dass sich Hersteller zunehmend aus der Forschung zurückziehen und auf kostspielige Zulassungsverfahren verzichten könnten, wenn sich der Verkauf wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Das würde langfristig auch professionelle Schädlingsbekämpfer treffen.

Zudem sei es wichtig, dass nicht nur Profis, sondern auch Privatanwender wirksam gegen Ratten vorgehen könnten. Ansonsten würden die Schädlingsbekämpfer wohl kaum hinterherkommen.

Die Stadt appelliert deshalb an die Bevölkerung, Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen. Offene Mülltonnen, illegale Müllablagerungen, weggeworfene Lebensmittelreste oder draußen abgestelltes Katzenfutter bieten Ratten ideale Nahrungsquellen und fördern ihre Vermehrung.

Vorbeugende Maßnahmen

Um Ratten die Nahrungsgrundlage zu entziehen, gibt es einige Tipps. Zum Beispiel diese:

 - Keine Speisereste über Toilette oder Spülbecken entsorgen

 - Abfälle nur in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter werfen

 - Müllbehälter verschlossen halten, bei Beschädigung auswechseln und das Umfeld sauber halten

 - Nur geschlossene Komposter verwenden und nichts Gekochtes und Tierisches hineinwerfen

 - Keine wildlebenden Tiere füttern - auch keine Haustiere im Freien

 - Im Wohnumfeld auf hygienische und saubere Verhältnisse achten

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Tim Larschow

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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