Sie gestalteten das jüngste „Konzert bei Kerzenschein“ in St. Jacobi Lüdingworth: Annegret Schönbeck und Prof. Martin Böcker. Foto: Cordes
Sie gestalteten das jüngste „Konzert bei Kerzenschein“ in St. Jacobi Lüdingworth: Annegret Schönbeck und Prof. Martin Böcker. Foto: Cordes
Traditionsreiches Event

"Konzert bei Kerzenschein": Barockes Konzert im Lüdingworther "Bauerndom" begeistert

30.12.2025

Das "Konzert bei Kerzenschein" im Lüdingworther "Bauerndom" verbindet Tradition mit musikalischer Vielfalt. Annegret Schönbeck und Martin Böcker begeisterten mit barocker Vokal- und Orgelmusik aus dem 17. Jahrhundert.

Auf der Liste der Kirchenkonzerte zwischen den Jahren ist es das mit der längsten Tradition: das "Konzert bei Kerzenschein" im Lüdingworther "Bauerndom". Und wenn anfangs und auch noch viele Jahre danach ausschließlich die berühmte Wilde-Schnitger-Orgel im Mittelpunkt der Konzerte stand, war es später die Kombination mit Gesangs- und Soloinstrumenten, die das Publikum begeisterte. So auch, als Annegret Schönbeck (Sopran) und Martin Böcker (Orgel) das jüngste "Konzert bei Kerzenschein" gestalteten.

Beide kommen aus Stade und sind aufs Engste mit dem Thema historische Orgeln verbunden. Annegret Schönbeck nicht zuletzt durch das an der Orgelakademie Stade von ihr initiierte Projekt "Alte Orgeln für junge Menschen" und Prof. Martin Böcker als langjähriger Kantor und Organist an Stades beiden großen historischen Orgeln, zudem als Orgelsachverständiger der Elberegion und Verantwortlicher für deren bedeutende Denkmalorgeln. Sowohl die Klapmeyer-Orgel in St. Nicolai Altenbruch als auch die Wilde-Schnitger-Orgel kennt Böcker genau und weiß um deren ganz spezielle Klangqualitäten.

Programm des Konzertes ist auf Besinnung aus

Die Tage zwischen den Jahren, zwischen Weihnachten und Neujahr, sind Tage der Besinnung - auch und gerade in Zeiten wie unseren mit ihren tiefgreifenden Veränderungen. Darauf war auch das Programm des Konzertes in der von Kerzen erleuchteten Lüdingworther St. Jacobi-Kirche abgestimmt - mit barocker Vokal- und Orgelmusik aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, dazu Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach und von Martin Böcker selbst. Dass es zwei Programmpunkte gab, bei denen der Gemeindegesang im Wechsel mit der Orgel beziehungsweise dem Sologesang gefragt war, dürfte das Konzerterlebnis als solches noch vertieft haben.

Dass ein Komponist wie Heinrich Scheidemann im Konzert gleich dreimal vertreten war, hat mit der Nähe des ein Organistenleben lang in Hamburg wirkenden bedeutenden Musikers zu tun. Scheidemanns Name ist mit der Gloger-Orgel in Otterndorf verbunden, einer seiner Schüler mit der Orgel in Lüdingworth. Zu den Charakteristika der Scheidemannschen Choralbearbeitungen gehört die betont "solistische" Ausgestaltung der Oberstimmen. Für den Interpreten an der Orgel bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als seiner Registrierungs- und Verzierungslust freien Lauf zu lassen. Martin Böcker gelang das bei "Dixit Maria ad angelum" und "Vom Himmel hoch da komm ich her" besonders beeindruckend. Reizvoll vor allem die Verwendung spezieller Klangfarben und Farbkontraste.

Nicht unbedingt gängige barocke Musik ausgewählt

Mit Werken wie den beiden Motetten für Gesang und Orgel von Hans Leo Hassler ("Dixit Maria ad angelum") und Lodovico Viadana ("Quem vidistis, pastores") sowie Philipp Friedrich Böddeckers geistlichem Konzert für Sopran und Basso continuo "Natus est Jesus" hatten Annegret Schönbeck und Martin Böcker nicht unbedingt gängige barocke Musik ausgewählt. Böddeckers "Natus est Jesus" hat zwar in der Weihnachtszeit inzwischen schon Beliebtheitsstatus erlangt, hier jedoch war das Werk noch nicht zu hören. Das 1651 entstandene geistliche Konzert verlangt einen hohen Sopran und ein beträchtliches Maß an ausgestaltender Gesangstechnik.

Dass Annegret Schönbeck mit der barocken Verzierungskunst vertraut ist, bewies sie mehr als einmal - in Johannes Eccards "Über Gebirg Maria geht", bei Scheidemann, in Michael Praetorius‘ "Es ist ein Ros entsprungen", bei Böddecker und bei Bach. Ihre Sopranstimme ist nicht groß, eher klein und geeignet für einen intimeren Rahmen. Dort würden die Feinheiten ihres (nun allerdings nicht immer ganz sicher intonierten) Gesangs wohl besser zur Geltung kommen.

Mit dem von der Stiftung "Historische Orgeln in Altenbruch und Lüdingworth" veranstalteten Konzert, in das Kirchenmusiker Ingo Duwensee zu Beginn kurz eingeführt hatte, endete die diesjährige internationale Orgelkonzert-Reihe. Auf 2026 darf man gespannt sein, denn das neue Programm verspricht Konzerte im Rahmen des Internationalen Carl-Philipp-Emanuel-Bachfest Hamburg und Orgelkonzerte unter anderem mit Anna Scholl in Altenbruch und Krzysztof Urbaniak in Lüdingworth.

Von Ilse Cordes

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