Raubüberfall in der Innenstadt von Cuxhaven: Opfer schildert dramatische Minuten
Ein Raubüberfall im Herzen von Cuxhaven erschüttert die Familie aus Altenwalde. Der 28-jährige Fabian Kinder erlebt hautnah, wie schnell die Unerschrockenheit und die Leichtigkeit weichen können, als er von drei Tätern überfallen wird.
Angst war niemals sein Begleiter. Bisher. Aber der 28-jährige Fabian Kinder aus Altenwalde hat seine Unerschrockenheit verloren. Am vorigen Freitagabend wurde er Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Nicht in New York oder in London, wo der gern reisende junge Mann schon auf Erkundungstour war, und auch nicht in Hamburg, das er oft besucht.
Mitten in der Innenstadt Cuxhavens gegen 20.15 Uhr auf offener Straße wurde der Verkäufer in Höhe der Abendroth-Grundschule überfallen und im Anschluss ausgeraubt. "Man fühlt sich hilflos. Gerade als die anfingen, mir mit Waffengewalt zu drohen, habe ich gemerkt, mit denen war nicht zu spaßen", erinnert er sich mit Schaudern an dieses Gewalterlebnis. Auch wenn er sich im Gespräch mit cnv-medien.de bemüht, sich äußerlich nichts anmerken zu lassen, so bewegt ihn dieser Überfall noch Tage danach - so etwas hinterlässt Spuren, und er sucht den Weg, sich mitzuteilen, vor allem auch, um andere zu warnen.
Drei dunkel vermummte Täter
Fabian schildert die Tat folgendermaßen und hat dies so ähnlich auch über seinen Facebook-Account verbreitet: Von der Arbeit kommend war er zu Fuß auf der Rohdestraße unterwegs, als in Höhe der Abendroth-Grundschule drei dunkel vermummte Männer hinter ihm bemerkte, die ihn vom Gehweg in Richtung hinterer Auffahrt der Schule abdrängten. Dort verlangten sie sein Portemonnaie.
Als er versucht hatte, auf sich aufmerksam zu machen, wurde dies mit Schlägen ins Gesicht und den Magen unterbunden. Also gab er sein Portemonnaie heraus, das sofort von der dritten Person übernommen wurde, die sich damit entfernte. Er vermutet, dass der Täter damit umgehend Richtung Stadtsparkasse zum Geldautomaten lief. Die beiden anderen Täter hätten unterdessen nicht von ihm abgelassen. Sie drängten ihn weiter weg von der Straße in Richtung Schulhof und wollten die PINs erfahren. Zwischen den Tätern habe währenddessen eine telefonische Verbindung bestanden. "Als ich nicht sofort meine PINs rausrückte, sagte der eine zum anderen Täter: 'Lade schon mal deine Waffe‘. Gesehen habe er die Waffe zwar nicht, so Fabian, aber die Angst war da.
Zum Glück seien die Täter kurz darauf gestört worden und flüchteten über den Schulhof in Richtung Wohngebiet hinter der Schule. Er habe um 20.22 Uhr seinen Notruf über 110 bei der Polizei abgesetzt, sechs Minuten später seien die Beamten bei ihm gewesen. Glücklicherweise habe eine Zeugin gegenüber der Polizei Beobachtungen zum Überfall machen können.
Fabian ist zwar mit 1,63 Meter Körperlänge eher klein, aber er wirkt durchaus kräftig. Doch gegen diese drei Täter hatte der freundliche junge Mann keine Chance. Eine Vermutung, wer ihn überfallen haben könnte, besitzt er nicht. Er habe keinen von den dreien erkennen können, weil sie dunkel gekleidet gewesen seien und Schutzbrillen aufgehabt hätten. Er beschreibt sie als athletisch, gut anderthalb Köpfe größer als er ("um die 1,75 Meter") mit akzentfreier Aussprache.
Zwar seien sofort alle Karten gesperrt worden, aber die Täter konnten 150 Euro Bargeld erbeuten. Im Portemonnaie befand sich auch sein Ausweis. Die Täter wissen also, wie er heißt und wo er wohnt. Das verursache schon ein unruhiges Gefühl, so Fabian. Das Erschrecken sitzt auch bei seinen Eltern Daniela und Sven Kinder tief, dass so etwas mitten in Cuxhaven auf einer Hauptstraße, zwar bei Dunkelheit, aber doch keineswegs zu nachtschlafender Zeit, passieren kann.
Über eine stark verkürzte Darstellung im Pressebericht der Polizei ist die ganze Familie enttäuscht - vor allem auch, weil sie dadurch andere Mitbürger nicht ausreichend gewarnt sieht. Und die Kinders schildern, dass sie Rückmeldungen erhalten haben von Bekannten, die Anwohner aus der Nähe des Tatortes seien, dass es dort Besorgnis gebe, bei Dunkelheit vor die Tür zu gehen. Vielleicht, so sinnieren Fabian und seine Eltern, würden mehr sichtbare Polizeipräsenz oder Kameraüberwachung in dem Bereich angebracht sein.
Die Familie hegt die Hoffnung, dass die Täter überführt werden können und sich vor Gericht verantworten müssen. Fabians Eltern wünschen sich, dass der Überfall auf ihren Sohn keine bleibenden traumatischen Schäden hinterlässt und er künftig ohne Angstgefühle das Haus verlassen kann. Das wäre für seinen Nebenjob wichtig, denn der Altenwalder trägt seit sieben Jahren die Zeitungen aus.